Zweites Projekt „Osna.Bike“ kostenpflichtig Mit „Karlos“ geht in Osnabrück erstes freies Lastenrad an den Start

Von Jörg Sanders

"Karlos" auf der Fahrradmesse in Osnabrück. Ab dem 15. April soll das Rad ausleihbar sein. Foto: Swaantje Hehemann

Osnabrück. Mit Osna.Bike und Karlos will Ben Seebode Lastenräder auf Osnabrücks Straßen bringen. Während Karlos kostenfrei für jedermann ausleihbar sein soll, will er mit Osna.Bike einen Mietservice etablieren.

Seebode ist selbst schon lange mit einem Lastenrad in Osnabrück unterwegs. Er möchte es als Alternative zum Auto etablieren. Es sei modern und umweltschonend, vergleichsweise günstig in der Anschaffung und Wartung, fördere die Gesundheit, und die Parkplatzsuche entfalle. 

Rad soll online buchbar sein

Für Karlos will er einen gemeinnützigen Verein mit anfangs einem Rad gründen. Diese soll beim Büro von Mobile Zukunft am Berliner Platz stehen. Online soll es jeder buchen und dann nutzen können – kostenlos. Finanzieren will Seebode das Projekt über Mitgliedsbeiträge und Spenden. An der Abholstation soll eine Spendenbox stehen.

Das Fahrrad stellt Zweirad Liebig zur Verfügung, soll aber Eigentum des Vereins werden. Liebig werde womöglich ehrenamtlich die Wartung des Zweirads übernehmen, sagt Seebode.

Rad nur tagsüber abholbar

Schlüsselübergabe, eine kurze Einführung sowie die Abnahme nach der Abgabe sollen die Mitarbeiter von Mobile Zukunft übernehmen. „Die Standorte müssen schon Bock drauf haben“, sagt der 36-Jährige.

Ab dem 15. April soll das Rad buch- und nutzbar sein. Derzeit befindet sich die Internetseite noch im Aufbau. Abholbar wird das Rad nur tagsüber sein, denn nachts dürfe Karlos aus versicherungstechnischen Gründen nicht im Freien stehen, erklärt der Webdesigner. Versichert ist das Rad während der Nutzung über den Verein.

Zweites Rad via Crowdfunding

Ein zweites Rad soll folgen und Oscar heißen. Es könnte über die Crowdfunding-Plattform der Stadtwerke Osnabrück finanziert werden, sagt der 36-Jährige. Und auch danach seien weitere Räder denkbar, sofern sie finanzierbar sind.

Zweites Projekt: Osna.Bike

Mit Osna.Bike will Seebode voraussichtlich Ende April ein weiteres Lastenrad auf Osnabrücks Straßen bringen – allerdings kostenpflichtig. Das erste geplante Rad soll am Ende April bei ihm in Eversburg stehen. Jeder könne es dann ab 5,40 Euro pro Stunde mieten (38 Euro/Tag, 180 Euro/Woche). Weitere Räder sollen folgen. „Die größte Herausforderung wird die Standortentwicklung sein“, sagt Seebode. So soll an der Hannoverschen Straße ein „Park & Bike" entstehen. Denkbar wäre, dass Autofahrer dort ihr Auto abstellen, einen Parkplatz mieten und das Rad dafür kostenlos nutzen können. „Damit würde schon mal ein Auto aus der Stadt herausgehalten“, sagt Seebode.

Mit Onsa.Bike will der Osnabrücker Ben Seebode den ersten Lastenrad-Mietservice in der Stadt etablieren. Im Internet sammelt er gerade Geld für das erste Rad. Weitere sollen folgen. Foto: Osna.Bike

1392 Euro gesammelt

Im Internet sammelt Seebode auf der Crowdfunding-Plattform Startnext Geld für das erste Lastenrad. Unter Crowdfunding ist Schwarmfinanzierung zu verstehen. 5380 Euro sind das erste Ziel für das erste Rad samt Kindersitz sowie Wartungen und Versicherung, das Seebode bis zum 8. April zu erreichen versucht. 1392 Euro hatte er bis zum Montagnachmittag zusammen.

Seebode will es nicht bei einem Rad belassen: Als zweites Ziel auf Startnext visiert er 16.140 Euro für zwei weitere Räder mit unterschiedlichen Aufbauten für das „Park & Bike“-Konzept an. Er selbst will mit weiteren Osna.Bikes eine gewerbliche City-Logistik aufbauen und vielleicht irgendwann mal Mitarbeiter und Fahrer einstellen.

Bleiben zwei Fragen: Warum für ein Rad im Internet spenden, für das später eine Mietgebühr fällig wird, und warum für die Nutzung eines Mietrads zahlen, wenn jedermann Karlos kostenlos leihen kann? Auf die erste Frage bleibt Seebode eine Antwort schuldig. Allerdings gibt es bei Spenden von mehr als fünf Euro eine Gegenleistung – je nach Höhe etwa einen Schraubenschlüssel oder einen Wochenendtrip mit dem Lastenrad.

Was die zweite Frage der eigenen Konkurrenz betrifft: Das Osna.Bike sei hochwertiger und besser ausgestattet und überdies – anders als Karlos – ein E-Bike. 

Lastenräder im Aufwind

Das Lastenrad wird immer beliebter. Nicht nur Familien mit Kindern setzen auf das große Zwei- oder Dreirad. In Osnabrück haben unter anderem das Hospiz und ein Malermeister je eines im Einsatz. Die Stadt installierte im vergangenen Jahr 32 Fahrradbügel eigens für Lastenfahrräder als Beitrag für das Projekt Mobile Zukunft von Stadt und Stadtwerken Osnabrück.