Rinder optimiert füttern Nahrungskontrolle wie beim Hochleistungssportler

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Bissendorf/Osnabrück. 40 Landwirtschaftsstudenten der Hochschule Osnabrück haben sich intensiv mit dem Thema Fütterungs-Controlling bei Milchkühen auseindergesetzt. Für dieses praxisorientierte Studienprojekt besuchten sie im vergangenen Semester auch den Milchviehbetrieb Westrup-Koch in Bissendorf.

Großes Geschnupper an Station eins: Am Mais-Silo unterziehen zehn Studenten unter Anleitung von Christin Asmus, Mitarbeiterin einer Futterzusatzstoff- und Futterberater-Firma, die aufgehäufte Silage einer Sinnesprüfung. „Wie riecht die Silage?, „Wie ist ihre Konsistenz?“, „Sind noch ganze Körner darin enthalten“, lauten nur einige Fragen, mit denen sich die Gruppe beschäftigt. Alle Teilnehmer sind Bachelor-Studenten im fünften Semester an der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur und möchten ihr Wissen im Modul „Rationsgestaltung und Fütterrungsstrategien bei Rindern“ vertiefen.

Milch für die Babynahrung

„An unserer Fakultät in Haste haben wir aktuell 580 Landwirtschaftsstudenten. 50 Prozent der Studierenden gehen später auf den eigenen Agrarbetrieb zurück, viele werden auch in der Futtermittelindustrie tätig“, weiß Professor Heiner Westendarp, Experte für Tierernährung. Seit vielen Jahren arbeitet die Hochschule Osnabrück zusammen mit dem Milchviehbetrieb Westrup-Koch, auf dem derzeit 570 Kühe der Rasse Holstein-Frisian leben. Jede Kuh gibt laut Geschäftsführer Ulrich Westrup durchschnittlich 34 Liter Milch pro Tag und somit über 12000 Liter im Jahr. Diese Milch aus Bissendorf wird komplett für die Produktion von Babynahrung eingesetzt.

„Wir profitieren von der Kooperation mit der Hochschule. Zum einen motiviert es unsere Mitarbeiter, von denen einige auch dort studierten, zum anderen haben wir dadurch direkte Möglichkeit, Fragen, die im Betrieb aufkommen, wissenschaftlichen untersuchen zu lassen“, berichtet Ulrich Westrup. So gaben Studenten bereits Lösungsansätze für das Problem, dass die Kühe im Futter herum sortierten. „Das ist wie beim Mensch und seinem Eintopf. Manch‘ einer sucht sich nur die schmackhaften Griesklößchen heraus. Seit Erfindung des Thermomix ist das nicht mehr möglich und der Eintopf für viele gesünder“, veranschaulicht Ulrich Westrup schmunzelnd. Damit seine Kühe sich mit ihren langen Zungen nicht nur die „Rosinen“ aus dem Futter schlecken, sondern alle Nährstoffe aufnehmen, gaben Studenten in der Vergangenheit bestimmte Wassermengen zum Futter hinzu und lösten damit Westrups Sorge.

Ist der Mix Wiederkäuer-gerecht

An einer anderen Station erklärte Kilian Fenske, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Masterstudent Fachgebiet Tierernährung, Nutzen und Auswertung einer Schüttelbox, wie sie im Bissendorfer Milchviehbetrieb jede Woche zur Futterkontrolle eingesetzt wird. In der Box rüttelte er einen Silage-Mix durch verschiedene Siebe. Nicht nur die Kühe hinter ihm schauten mit ihren Kulleraugen auf das geschüttelte Futter. Auch die Studentengruppe beäugte den Mix, allerdings lief ihnen dabei nicht das Wasser im Mund zusammen, sondern die Gehirnzellen fingen an zu arbeiten: „Wie gleichmäßig ist die Mischung verteilt?, „Ist der Mix Wiederkäuer-gerecht?“.

Doch nicht nur das Futter, auch die Kuh höchstpersönlich war Studienobjekt. Wie die Routineuntersuchung beim Rind abläuft, veranschaulichte Greta Speckmann, Herdenmanagerin bei Westrup-Koch. An einer benachbarten Station ging es ans Eingemachte, oder besser gesagt an das Ausgeworfene. Wie gut eine Futtermischung verdaut werden kann, ob wertvolle Nährstoffe tatsächlich bei der Kuh bleiben oder unverdaut ausgeschieden werden, untersuchten die Teilnehmer zusammen mit Futterberater Rainer Kossmann, indem sie Kuhkot analysierten.

Praxisprojekt als Bereicherung

Und warum nun der ganze Aufwand bei der Fütterung der Milchkühe? „Ein Betrieb möchte etwas von seinen Kühen haben, er fordert Leistung von den Tieren. Damit diese Leistung qualitativ hochwertig ausfällt, ist es wichtig, auf Komfort für die Tiere zu achten, Fütterungsfehler zu vermeiden, stets ein Auge auf Kondition und Allgemeinbefinden der Kühe zu haben“, erklärt Hannes Tipke (23). Der Landwirtschaftsstudent möchte einmal den Milchviehbetrieb seines Vaters im Kreis Stade übernehmen. „Dieses Praxisprojekt hier ist eine Bereicherung. Das Erlernte lässt sich gleich zu Hause im eigenen Betrieb testen“, resümiert er nach der dreistündigen Erkundung. Bevor es für die Studenten vom Stall zurück in den Hörsaal ging betonte Ulrich Westrup noch: „Ich glaube, es gibt keine Profifußballmannschaft, die sich um die Ernährung so viele Gedanken macht, wie Experten bei der Kuhfütterung“.


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