Unter 25-jährige vermehrt betroffen Zahl der Obdachlosen im Landkreis steigt

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Die ökumenische Übernachtungsstelle der Diakonie in Ostercappeln bietet über Nacht Platz für zwei Wohnungslose. Der Bedarf wächst nicht zuletzt aufgrund des umkämpften Wohnungsmarktes stetig. Foto: Rainer BrackmannDie ökumenische Übernachtungsstelle der Diakonie in Ostercappeln bietet über Nacht Platz für zwei Wohnungslose. Der Bedarf wächst nicht zuletzt aufgrund des umkämpften Wohnungsmarktes stetig. Foto: Rainer Brackmann

Osnabrück. Die Zahl der Menschen ohne Dach über dem Kopf im Landkreis wächst. Das zeigt eine Erhebung der Zentralen Beratungsstelle (ZBS) Niedersachsen. Demnach sind immer mehr Personen auf Angebote zur Übernachtung, wie sie zum Beispiel von der Caritas oder der Diakonie angeboten werden, angewiesen.

„Im Jahr 2017 hat die ZBS bei ihrer Stichtagserhebung am 30. Oktober insgesamt 34 wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen im Landkreis ermittelt“, teilt Franziska Kückmann, stellvertretende Pressesprecherin der Caritas in Osnabrück mit. Auf den ersten Blick erscheine das zwar nicht besonders viel, vor allem wenn man die Situation mit der Stadt vergleicht, wo die Zahl bei 198 Wohnungslosen oder davon bedrohten Personen lag. „Bedenkt man aber, dass bei der Erhebung 2016 noch 19 Betroffene im Landkreis erfasst wurden, haben wir es fast mit einer Verdopplung zu tun“, so Kückmann. Besonders alarmierend: Zehn der 34 gezählten Personen sind gerade einmal 25 Jahre alt oder jünger. Im Jahr 2016 wurden in dieser Altersklasse lediglich drei Hilfsbedürftige erfasst.

Zusammenspiel verschiedener Faktoren

Christian Jäger ist Teil des Teams, das die Stichtagserhebung für die NZB durchgeführt hat. Es sei schwierig einzelne Faktoren zu benennen, die für den Anstieg der Betroffenenzahlen verantwortlich sind. Viel mehr sei es das Zusammenspiel mehrerer Bedingungen. „Da es im Bereich der Neubauten keine oder kaum Investitionen im Niedrigpreissegment gibt, verringert sich sukzessive der Anteil an bezahlbarem Wohnraum für einkommensschwache Haushalte“, sagt Jäger. „Darüber hinaus müssen die Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe seit Jahren eine Zunahme psychisch kranker oder auffälliger Menschen verzeichnen.“ Diese „schwierigen Mieter“ würden auf einem zunehmend enger werdenden Wohnungsmarkt immer mehr Schwierigkeiten haben geeigneten Wohnraum zu finden.

Aus Jägers Sicht ist das Hilfsnetz in Niedersachsen für wohnungslose Menschen gut ausgebaut. Es fehle eher an präventiven Hilfeangeboten, die Wohnungslosigkeit bereits im Vorfeld verhindern. „Viele Wohnungsverluste ließen sich durch frühzeitige Interventionen bei Mietschulden oder Problemen im Mietverhältnis verhindern“, beschreibt Jäger.

Flankiert werden müssten solche Maßnahmen durch gezielte Bautätigkeiten, die auf die Belange einkommensschwacher Haushalte und Menschen, in besonderen Lebenssituationen ausgerichtet sind. Als sehr gutes Beispiel nennt Jäger die Baumaßnahmen der katholischen Kirche in Stadt und Landkreis Osnabrück. „Die hier in naher Zukunft geschaffenen Bauprojekte können natürlich nicht die umfassenden Probleme am Wohnungsmarkt lösen. Sie zeigen aber, wie es gehen kann.“

Zählung ist nur eine Momentaufnahme

Bei der jährlichen Stichtagserhebung der ZBS werden in allen Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe - dazu gehören Übernachtungsstellen, Tagesaufenthalte oder Beratungsstellen - von Osnabrück bis zur Küste von Zählungen durchgeführt. Die Beratungsstelle ist im Auftrag des niedersächsischen Sozialministeriums für die Koordination der Hilfen für Menschen in Wohnungsnot zuständig. „Dabei kann allerdings nur eine Momentaufnahme geleistet werden“, sagt Caritas-Pressesprecherin Kückmann. Die Dunkelziffer der Bedürftigen sei vermutlich um einiges höher. Viele Menschen würden aus Scham über ihre Situation die Hilfsangebote überhaupt nicht nutzen. „Entsprechend schwierig gestaltet sich die Erhebung genauerer Zahlen. Wir können eben nur die Wohnungslosen erfassen, die am Tag der Stichprobe eine Einrichtung aufgesucht haben.“

Übernachtungsmöglichkeiten für Wohnungslose sind im Landkreis Osnabrück in Kloser Oesede, Glandorf, Neunkirchen, Melle, Bad Essen, Ostercappeln, Bersenbrück und Quakenbrück zu finden. Möglichkeiten zum Tagesaufenthalt wie in der Stadt Osnabrück werden allerdings nicht angeboten.


Übernachtungsmöglichkeiten für Wohnungslose im Landkreis Osnabrück

Quakenbrück: Emmaus-Unterkunft, Friedrichstraße 56, ab 18 Uhr, zwei Plätze

Bersenbrück: Caritasverband, Im alten Dorf 2, im Sommer ab 18 Uhr und im Winter ab 17 Uhr, zwei Plätze

Ostercappeln: Ökumenische Übernachtungsstelle, Kirchplatz 1, ab 18 Uhr, zwei Plätze

Bad Essen: Katholische Kirche St. Marien, Lindenstraße 65, montags bis freitags im Winter ab 17 Uhr und im Sommer ab 18 Uhr, zwei Plätze

Melle: Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen in Melle (ACKIM), Engelgarten 35a, montags bis freitags Aufnahme von 18 Uhr bis 18:30 Uhr, vier Plätze

Melle-Neunkirchen: Stiftung Altenzentrum, Lange Straße 21, ab 16 Uhr, zwei Plätze

Oesede: Übernachtungsstelle, Schoonebeckstr. 8, nach telefonischer Voranmeldung unter 0160/6385830 von montags bis freitags ab 17 Uhr, zwei Plätze nur für Männer

Glandorf: Katholisches Pfarrheim, Kolpingstraße, Einlass am Vormittag über das Pfarrbüro, Nachmittags über das Bürgerbüro, zwei Plätze

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