Konzert im Blue Note begeistert Tobais Hoffmann Trio holt die Jazztradition ins Heute

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Einfach fabelhaft: Tobias Hoffmann, Frank Schöhofer und Etienne Nillesen (von links), das Tobias Hoffmann Trio im Blue Note. Foto: Thomas OsterfeldEinfach fabelhaft: Tobias Hoffmann, Frank Schöhofer und Etienne Nillesen (von links), das Tobias Hoffmann Trio im Blue Note. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Zum zweiten Mal hat das Tobias Hoffmann Trio im Blue Note gastiert. Und zum zweiten Mal war es ein begeisternder Abend mit eigenwilliger Musik.

Der Abend macht Lust auf die alten Creamplatten, noch mehr aber auf die CDs des Tobias Hoffmann Trios. Das größte Vergnügen aber bereitet fraglos das Konzert dieser verblüffenden Band selbst. Zum zweiten Mal hat sie jetzt im Blue Note gastiert und einen Höhepunkt gesetzt – nicht, weil das schmale Jazzprogramm des Clubs gewissermaßen jedes Konzert zum Ereignis adelt. Nein: Das Trio untermauert mit dem fabelhaften Konzert den Status als Ausnahmeerscheinung der deutschen Jazzszene. Weiterlesen: „Blues, Ballades & Britney“, das neue Album von Tobias Hoffmann

Nostalgie? Absolut nicht.

Sie weisen dabei den Weg zurück zu Cream, Hendrix, Burell, und es geht dabei nicht immer um pure Schönheit: Die Basstrommel von Etienne Nillesen zum Beispiel klingt hohl wie ein Waschkübel und auf Snare und Becken spielt er sperrige Metren. Den Elektro-Bass hingegen spielt Frank Schönhofer leicht und fluffig, und die Gitarrensounds des Bandleaders klingen nach Hula Hoop und nach Männern, die in den Sonnenuntergang reiten. Aber auch daran, wie psychedelisch aufgeladener Bluesrock dem Establishment den Kampf angesagt hat. Ein Abend in schöner Nostalgie also? Das täuscht.

Die historisch gefärbten Klänge bilden den Referenzpunkt für die Musik dieses ungewöhnlichen Trios. Tatsächlich zaubert Hoffmann aus seinen Fender-Gitarren wunderbar schöne Sounds, denen er mit Vibrato-Haken und Verzerrer-Effekten die tollsten Gewänder schneidert, Klanggewänder, die wie ein guter Anzug die Figur und die Schönheit betonen, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. So ähnlich verhält es sich auch mit seinem Spiel: Hoffmann verblüfft nicht durch schnelle Finger, sondern durch subtile Musikbotschaft. Feinsinnige Melodien, eingebettet in raffinierte Akkorde und untrüglicher Klangsinn: Tobias Hoffmann bringt durch sein Spiel die Gitarren zum Klingen und umgekehrt die Gitarren seine Musikideale. Oder das Banjo: „Ask Me Now“ von Thelonious Monk und „Jitterbug Waltz“ von Fats Waller bekommen dadurch ihren skurrilen Dreh. Weiterlesen: Das Tobias Hoffmann Trio vor zwei Jahren im Blue Note

Manipuliertes Tempo

Doch erst Hoffmanns kongeniale Mitmusiker runden die Musik in all ihrer Eigenwilligkeit. Schönhofer korrespondiert am Bass feinsinnig mit Hoffmanns Gitarre, während Nillesen an den Drums das Tempo und das Timing ständig manipuliert. Er torkelt zwischen Bass und Gitarre wie ein Betrunkener, doch in diesem Schein liegt der Witz: Solche Täuschungen und solcher Humor erfordern höchste Präzision und Virtuosität.

Damit wird das Blue Note zur Garage und zum Hippieclub. Es klingen Jazzvorbilder wie Kenny Burrell durch, aber auch Bluesrocker wie Eric Clapton und Jimmy Hendrix. Doch die Anklänge sind lediglich die Mittel, um beim George-Harrison-Klassiker „While My Guitar Gently Weeps“ Melancholie durch satten Groove zu ersetzen oder Willie Dixons „Spoonfull“ ins Hier und Jetzt des Jazz zu holen. Im Zugabenblock schließlich entwickelt das Trio das Jazzpotenzial des Britney-Spears-Hits „Toxic“. Und Balladen wie „Wicked Game“ von Chris Isaak und, ganz zum Schluss, „Albatross“ von Peter Green werden geradezu zu musikalischen Meditationen, wie man sie in dieser Intensität bisher selten im Blue Note erlebt hat.


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