Staatsanwaltschaft Osnabrück Mann soll Baby zu Tode geschüttelt haben – Sieben Haftjahre gefordert

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Prozess vor dem Landgericht Osnabrück wegen des Todes eines 13 Monate alten Kindes. Symbolfoto: Michael GründelProzess vor dem Landgericht Osnabrück wegen des Todes eines 13 Monate alten Kindes. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Für sieben Jahre soll der 31-jährige Angeklagte, der ein 13 Monate altes Baby zu Tode geschüttelt haben soll, nach dem Willen der Staatsanwaltschaft Osnabrück ins Gefängnis. Einen entsprechenden Antrag stellte die zuständige Anklägerin am Donnerstag vor dem Landgericht Osnabrück.

„Und dann ergoss sich der ganze Frust des Angeklagten, und das 13 Monate alte Kind bekam ihn ab“, so die Staatsanwältin.

Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung Schutzbefohlener, so die juristische Einschätzung der Anklägerin nach der Beweisaufnahme, und nicht Totschlag, wie es in der Anklage steht. Ursächlich für den Tod des Jungen sei letztlich das Schütteln gewesen, allerdings habe es auch Gewalt gegeben. Auch wenn einige Hämatome, die das Baby erlitt, beim Spielen entstanden sein könnten, so habe es der 31-Jährige mindestens einmal geschlagen.

Vollkommen gleichgültig

Bei der Strafzumessung spielte die Frage eine Rolle, ob der Angeklagte den Tod des Kindes billigend in Kauf nahm. Dies verneinte die Staatsanwältin. „Mittlerweile ist jedem bekannt, dass so eine Tat geeignet ist, den Tod herbeizuführen“, so die Anklägerin. Allerdings habe der Mann die Kinder seiner Lebensgefährtin wie seine eigenen geliebt, was auch die Frau bestätigte. Er sei zudem nie gewalttätig ihnen gegenüber gewesen und habe versucht, das Kind wiederzubeleben.

Zugunsten des Angeklagten sei zu werten, dass er ein Geständnis abgelegt habe. Außerdem wolle er die Tat am liebsten ungeschehen machen. Gegen ihn spräche, dass es sich zum einen um eine Körperverletzung mit Todesfolge handle, zusätzlich aber auch eine Misshandlung Schutzbefohlener vorliege. Der Angeklagte sei genervt von dem unruhigen Kind gewesen, habe Frust auf die Mutter gehabt und „in diesem Moment vollkommen gleichgültig“ gehandelt. Letztlich sei zudem die große psychische Belastung für die gesamte Familie nach dem Tod des Babys zu berücksichtigen.

Resümee der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft skizzierte ausführlich ihre Ansicht der Lebensumstände der Familie und der Abläufe am Tattag. Die Bedingungen, unter denen das Kind aufwuchs, seien nicht optimal gewesen. Anfang 2017 sei der Angeklagte bei seiner neuen Lebensgefährtin, der Mutter, eingezogen. Vor allem zu dem 13 Monate alten Baby habe er eine besondere Beziehung gehabt. Der Angeklagte fuhr morgens gegen 5 Uhr zur Arbeit. Seine Lebensgefährtin ging keiner Arbeit nach und führte keinen geregelten Tagesablauf. So hätten auch die Kinder keinen natürlichen Schlafrhythmus gehabt. Das Baby sei nachts oft zwei bis dreimal wach geworden, habe dann Milch bekommen und weitergeschlafen.

Am Tattag fuhr der Angeklagte morgens zur Arbeit. Die Mutter sei gegen 11 Uhr aufgestanden, weil sie mit dem Baby zu einer Routineuntersuchung zum Arzt musste. Dieser habe jedoch keine Hämatome am Körper des Kindes festgestellt. Daraufhin fuhr die Frau mit ihren Söhnen zu deren Großmutter. Gegen 15.45 Uhr holte der 31-Jährige sie ab. Es sei nicht ausgeschlossen, dass das Kind sich bei der Oma den Kopf an einem Tisch oder Stuhl gestoßen habe, so die Staatsanwältin. Zu Hause habe der Junge dann etwa eine Stunde geschlafen. Darauf sei seine Mutter mit ihm zu einem Lebensmittelmarkt gefahren. Sie wollte Alkohol kaufen, da sie beabsichtigte, sich am Abend mit einer benachbarten Freundin zu treffen. Um 20.30 Uhr habe der Angeklagte dann noch einem Freund bei einem Möbeltransport geholfen. In der Zwischenzeit badete die Mutter ihren Sohn und die Freundin kam in die Wohnung. Zu diesem Zeitpunkt, so hätten die Aussagen der beiden Frauen gezeigt, habe das Kind noch keine Hämatome gehabt. Als der Mann um 21.30 Uhr wiederkehrte, übergab die Mutter ihm das Kind und ging mit ihrer Freundin in deren Wohnung. Er habe sich mit dem Baby beschäftigt und es im Spiel mehrmals hochgeworfen. Irgendwann sei das Kind dann eingeschlafen, allerdings gegen 23 Uhr wieder wach geworden. Auch jetzt habe er es erneut hochgeworfen. Im Spiel habe sich dann ein Fuß des Kindes in der Sofaritze verfangen und es sei mit dem Kopf gegen die Lehne geprallt. Gegen 24 Uhr habe es dann geschlafen. Zwei Stunden später sei es aber erneut erwacht und wollte spielen. Der Angeklagte, selbst im Halbschlaf, habe ihm Milch gegeben und den Jungen mit einem Kuscheltier gestreichelt, was aber nur bedingt erfolgreich war. Das Kind wollte nicht einschlafen.

Er sei sauer auf seine Lebensgefährtin gewesen, weil diese abends Alkohol trinken gehen würde, und genervt von dem unruhigen Baby. „Er schüttelte das Baby. Und zwar sehr heftig, fünf- bis zehnmal“, so die Juristin weiter. Die Obduktion habe das ergeben. Dadurch wurde das Kind bewusstlos, was dem Angeklagten aber nicht klar gewesen sei. Langsam fiel es immer tiefer in diese Bewusstlosigkeit, was zur Folge hatte, dass die Atemreflexe nachließen. Irgendwann habe der Mann dem Kind dann einen Schlag auf den Oberschenkel versetzt, was ein 13 mal 7 Zentimeter großes Hämatom verursacht habe. Als er bemerkte, dass das Kind nicht mehr atmet, versuchte er es zu reanimieren, ging mit ihm gegen 2.30 Uhr in die Nachbarwohnung zu der Mutter und schließlich kam das Kind in die Notaufnahme des Christlichen Kinderhospitals.

Schon zu diesem Zeitpunkt habe das Baby keine Hirnfunktionen mehr gehabt. Ein Arzt und eine Krankenschwester beschrieben es als „leblos“, „ohne Eigenmotorik“, „es hatte keinen Puls und keine Atmung“. Die Obduktion bestätigte schließlich den Verdacht eines Schütteltraumas.

Der Prozess wird am 4. April mit dem Plädoyer der Verteidigung fortgesetzt.

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