Erdkabel auch für Melle gefordert Kreis Osnabrück fordert Amprion zur Nachbesserung auf

Von Jean-Charles Fays und Simone Grawe

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So wie im münsterländischen Raesfeld könnten auch die Erdkabel von Osnabrück-Voxtrup bis Osnabrück-Lüstringen aussehen. Foto: dpaSo wie im münsterländischen Raesfeld könnten auch die Erdkabel von Osnabrück-Voxtrup bis Osnabrück-Lüstringen aussehen. Foto: dpa

Osnabrück/Melle. Der Landkreis Osnabrück hat den Netzbetreiber am Donnerstag aufgefordert, Erdkabel an der Trasse 16 auch in Melle-Wellingholzhausen zu verlegen. Kreisrat Winfried Wilkens kritisierte: „Amprion hat mit seiner Planung das vom Bundes-Gesetzgeber ausgegebene Ziel klar verfehlt und wird im weiteren Verfahren deutlich nachbessern müssen.“

Im südlichen Bereich von Melle-Wellingholzhausen solle nach den jetzigen Planungen von Amprion sogar der gesetzlich besonders stark geschützte 400-Meter-Abstand zu Siedlungen unterschritten werden. Und auch in Hilter-Borgloh werde der 400-Meter-Abstand nur knapp eingehalten, anstatt die Leitung unter die Erde zu legen. Wilkens kündigte an, der Landkreis werde „in den bevorstehenden Verfahrensschritten die Einhaltung der gesetzlichen und raumordnerischen Vorgaben einfordern“.

Vier Kilometer lange Erdverkabelung kostet deutlich mehr als 30 Millionen Euro

Mittwoch wurde bekannt, dass Amprion Erdkabel nur in Osnabrück plant, weil die Mindestabstände zur Wohnbebauung bei einer Freileitung von Osnabrück-Voxtrup (Sandforter Berg) bis zur Umspannanlage Lüstringen nicht eingehalten werden können. Ein wichtiger Grund für das rund vier Kilometer lange Erdkabel zwischen Voxtrup und Lüstringen dürfte sein, dass in diesem Bereich am meisten Haushalte von der Erdverkabelung profitieren. Für den Osnabrücker Abschnitt sind Kosten von deutlich mehr als 30 Millionen Euro geplant. Wilkens kann nicht nachvollziehen, dass der große Rest der Trasse 16 außerhalb von Osnabrück gen Süden über Hilter-Borgloh und Melle-Wellingholzhausen bis zur Landesgrenze bezüglich der Erdverkabelung leer ausgehen soll.

( Weiterlesen: Amprion plant Erdkabel nur in Osnabrück)

Amprion: Grenzwerte für elektromagnetische Felder werden eingehalten

Gegenüber der bisher geplanten Trasse ist laut Amprion-Sprecher Michael Weber „nun eine Verschwenkung um Hilter-Borgloh geplant“. Der von Amprion bevorzugte Korridor hält die vorgegebenen Mindestabstände zur Wohnbebauung jedoch im südlichen Bereich des Meller Stadtteils Wellingholzhausen und im nördlichen Bereich von Borgloh weiterhin nicht ein. Weber kommentiert: „Allerdings muss man berücksichtigen, dass der von uns favorisierte Korridor einen Kilometer breit ist. Die konkrete Trasse innerhalb dieses Korridors wird erst in der noch folgenden Phase des Planfeststellungsverfahrens festgelegt.“ Er versichert, dass somit auch im nördlichen Bereich von Borgloh zwischen der 380-kV-Leitung und den Häusern und Wohnungen noch der Mindestabstand von 400 Metern eingehalten wird.

Anders verhält es sich südlich von Melle-Wellingholzhausen, wo der Mindestabstand der Wohnhäuser zur Trasse unterschritten wird. In diesem Bereich soll die bestehende 220-kV-Leitung auf 380 kV verstärkt werden. „Eine Umleitung der Trasse in Wellingholzhausen ist nicht sinnvoll, weil andere Bereiche südlich der bestehenden Leitung dann erstmals betroffen wären“, erläutert Weber. Auch eine Erdverkabelung hält Weber dort technisch und wirtschaftlich nicht für sinnvoll und fügt hinzu, dass die Wälder rund um Wellingholzhausen ohnehin den Blick auf die Leitung nehmen: „Die Grenzwerte für elektromagnetische Felder werden dennoch eingehalten. Das Wohnumfeld ist somit geschützt“, zeigt sich Weber überzeugt.

Freude und Mitgefühl bei BI Osnabrück-Voxtrup

„Wir Voxtruper sind froh, dass unser jahrelanger Kampf zu diesem Ergebnis geführt hat“, betonte die Sprecherin der Bürgerinitiative Osnabrück-Voxtrup, Christine Hoefer. Dennoch zeigte sie sich betrübt, dass in Hilter-Borgloh und in Melle-Wellingholzhausen keine Erdkabel vorgesehen sind.

„Erdverkabelung ist sehr zu begrüßen“

„Sehr zu begrüßen“ sei die geplante Erdverkabelung der 380-kV-Höchstspannungsleitung im Stadtgebiet Osnabrück bis zur Umspannanlage Lüstringen auch aus Sicht der Stadt Osnabrück, so Stadtbaurat Frank Otte. Damit werde einer wesentlichen Forderung der Stadt entsprochen. Ein wichtiger Aspekt sei auch, dass im Zuge des Neubaus eine bestehende 110-kV-Freileitung in Voxtrup auf auf das freiwerdende Mastgestänge der östlich des Stadtteils verlagert werden solle.

Osnabrücker Grüne: Erdkabel sind ein klarer Vorteil

Ähnlich äußerte sich die Osnabrücker Ratsfraktion der Grünen. „Der starke Einsatz von Bürgern, Verwaltung und Politik hat sich gelohnt. Wir danken vor allem der Bürgerinitiative und der Bauverwaltung der Stadt, die hierzu maßgeblich beigetragen haben“, erklärte der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Osnabrücker Rat, Volker Bajus. Die Höchstspannungsleitung verlaufe im Osnabrück mitten durch bewohntes Gebiet. „Das ist wegen der elektromagnetischen Strahlung und der potenziell beeinträchtigenden Wirkung nicht zumutbar“, erklärte Bajus. Dass die Leitung im Landkreis jedoch nicht erdverkabelt werden soll, stößt bei den Grünen auf Unverständnis.

Enttäuschung in Hilter

Entsprechend groß ist die Enttäuschung über die jetzt vorgelegten Planungen in Hilter. „Der Vorhabenträger hat auch im zweiten Anlauf Chancen verpasst, die Pilotstrecke als eben solche im Sinne des Bundesgesetzgebers zu nutzen. Die Planungen halten gesetzlich vorgegebene Mindestabstände nicht ein, es besteht keine Gesetzeskonformität“, so Hilters Bürgermeister Marc Schewski. „Ziele der Raumordnung, hier die Mindestabstände zu Wohnbebauung, werden in den Planungen wissentlich verletzt.“ Aus seiner Sicht ergäben sich reihenweise neue Betroffenheiten durch die Unterschreitung der vorgeschriebenen 200-Meter Abstände im Außenbereich, falls die Trassenführung um den Ort Borgloh so komme, wie jetzt bekannt gegeben.

Der ohnehin schon feste Schulterschluss der Beteiligten, der Gemeinde und der Bürgerinitiative werde durch das Vorgehen der Amprion noch einmal deutlich verstärkt. „Wir setzen weiterhin auf Kooperation und fordern die Einhaltung der gesetzlichen und raumordnerischen Vorgaben“, so Schweski.

Harsche Kritik aus Melle

Die Bürgerinitiative „Keine 380-kV-Leitung am Teuto“ gibt sich kämpferisch. Sie hält an ihrer Forderung zugunsten einer Vollerdverkabelung beim Neubau der Höchstspannungsleitung fest. Auch Bürgermeister Reinhard Scholz zeigte sich nach dem „Runden Tisch“ enttäuscht über das Vorgehen von Amprion.

Frank Vornholt zeigte sich nach der Ankündigung von Amprion, keine Erdkabel im Landkreis verlegen zu wollen, weder enttäuscht noch resigniert: „Wir sind mit keinen Erwartungen gekommen, und das hat Amprion noch unterboten“, äußerte sich der Initiativensprecher mit einem gewissen Galgenhumor.

Ganz im Gegenteil: Die Initiativen würden vielmehr ihren Widerstand weiter forcieren und alle Mittel und Wege in Anspruch nehmen, um das Ziel einer voll umfänglichen Erdverkabelung zu erreichen: „Es ist noch nicht der Zeitpunkt, den Kopf in den Sand zu stecken! Die letzten fünf Jahre der BI waren immer mit Höhen und Tiefen verbunden. Insofern geben wir uns weiter optimistisch und kämpferisch“, äußerte sich Vornholt auf Nachfrage unserer Redaktion.

Nachdem die Bürgerinitiativen inzwischen seit fünf Jahren an dem Thema arbeiten, habe man sich, insbesondere nach der erfolgten Gesetzesänderung, eine Lösung gewünscht, die zumindest angemessen, die Belastungen für die Betroffenen kompensiert, erklärte Vornholt. Dies sei bei den jetzigen Planungen allerdings nicht der Fall.

Aus Sicht der Initiative liegen zudem methodische Fehler vor. So habe man kritisiert, dass der Untersuchungsraum zu klein gewählt wurde und dadurch keine echten Trassenvarianten entwickelt werden können: „Es bleibt zu hoffen, dass neben den Vertretern der BI, der betroffenen Städte und Gemeinden und des Landkreises nun auch die Genehmigungsbehörden und die Politik in Land und Bund diesen Planungen von Amprion eine Absage erteilen“, gibt sich Vornholt kämpferisch.

“Ziel klar verfehlt“

Bürgermeister Reinhard Scholz bemängelt, dass Amprion seine Hausaufgaben nicht erledigt habe, die durch die Änderung des Energieleitungsausbaugesetzes und die darin enthaltene Aufnahme der Strecke als Pilotstrecke aufgegeben wurden. „Der Übertragungsnetzbetreiber hat für den Bereich der Stadt Melle keine andere Karte aufgelegt als vor drei Jahren, das ist mehr als enttäuschend“, echauffierte sich Scholz.

Dass in Wellingholzhausen-Placke nach den jetzigen Planungen von Amprion sogar der gesetzlich besonders stark geschützte 400-Meter-Abstand zu Siedlungen unterschritten werden soll, sei angesichts des Pilotcharakters der Strecke eine Farce: „Wir werden das so nicht hinnehmen! Denn eine Pilotstrecke dient doch gerade dazu, technische Neuerungen an solchen Stellen zu nutzen und nicht alleine durch wirtschaftliche Belange zu ersetzen“, bekräftigte Scholz..

Die Argumentation, dass wegen der höheren Masten weniger Masten zu errichten und diese durch eine Verschiebung hinter Waldstücke so nicht mehr sichtbar seien, sei für die Anwohner ein Schlag ins Gesicht, die organisiert in einer gut funktionierenden Bürgerinitiative sachorientiert für eine zukunftsgerichtete Lösung kämpfen.

So stellt sich Amprion die 380-kV-Leitung auf der Trasse 16 im Bereich zwischen Melle und Osnabrück vor. Grafik: Matthias Michel / Quelle: Amprion PM

„Melle wird mit Nachdruck die Einhaltung der gesetzlichen und raumordnerischen Vorgaben einfordern“, kündigte der Bürgermeister an. Amprion habe mit seiner Planung das vom Bundes-Gesetzgeber ausgegebene Ziel klar verfehlt und werde im weiteren Verfahren deutlich nachbessern müssen, unterstrich Scholz.


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