Zahlen, Zahlen, Zahlen Erreicht Osnabrück 2020 seine strategischen Ziele?

Von Wilfried Hinrichs

Foto: Moritz FrankenbergFoto: Moritz Frankenberg

Osnabrück. Osnabrück hat sich 2016 acht große Ziele gesetzt, die bis 2020 erreicht werden sollen. Ein riesiges Datenpaket soll helfen, auf diesem Weg die Orientierung nicht zu verlieren. Es steht bald jedem im Internet zur Verfügung.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU), Rat und Verwaltung entwickelten 2015 in mehreren Klausursitzungen acht Stadtziele. Sie stehen nicht nur auf dem Papier, sondern fließen jeden Tag in aktuelle Entscheidungen ein. Ein Beispiel: Die Vorlagen für die Ratsmitglieder enthalten seither eine feste Rubrik „Ziele“. Darin wird aufgeführt, welchem der acht strategischen Zielen dieser Beschlussvorschlag dient. Weitere Beispiel: Im Haushaltsplan wird für jede Geldausgabe (in der Fachsprache: Produkt) das übergeordnete Ziel angegeben. Die Ziele seien ein „Kompass“, um den Konzern Stadt besser zu steuern, sagt Griesert.

Die acht strategischen Ziele sind:

  • Sozial- und umweltgerechte Stadtentwicklung,
  • Perspektiven für junge Menschen,
  • nachhaltige Mobilität,
  • Umweltbewusstsein und Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen,
  • Chancengleichheit durch Bildungsteilhabe und Bekämpfung der Kinderarmut,
  • vielfältige Kultur- und Feizeitangebote
  • regionale Kooperationen,
  • finanzielle Handlungsfähigkeit.

Um auf diesem Weg Kurs zu halten und den aktuellen Standort jeweils zu kennen, sammelt das dem Oberbürgermeister zugeordnete Referat für Strategische Steuerung und Rat einen Berg von Daten und Kennzahlen. Referatsleiter Alexander Illenseer vergleicht die 80-seitige Datensammlung mit Orientierungsleuchten an der Star- und Landesbahn eines Flugplatzes. „Konzentriert man sich zu sehr auf eine dieser Leuchten und steuert auf diese zu, verlässt man unweigerlich die asphaltierte Strecke.“, so Illenseer. Nur durch die Zusammenschau aller Orientierungsleuchten werde der richtige Weg erkennbar.

500 Orientierungsleuchten

Etwa 500 solcher Orientierungsleuchten hat Claas Beckord, Leiter der Abteilung für Strategische Stadtentwicklung und Statistik, zusammengetragen. Bei weitem nicht alle fanden Eingang in den Monitoringbericht 2017, der den Ratsmitgliedern als Positionsbestimmung dienen soll. Zu jedem der acht strategischen Ziele liefert Beckord Daten, die die Entwicklung in den vergangenen Jahren dokumentieren. Der Auswahl der Daten seien intensive Diskussionen vorausgegangen, sagte Beckord bei der Verstellung der Monitoringberichts im Rathaus. Und wie die Zahlen zu verstehen und welche Schlüsse daraus zu ziehen seien, werde noch einigen Diskussionsstoff liefern, ergänzte Griesert.

Einige Zahlen sind in ihrer Aussage eindeutig: Die Zahl der angebotenen Studienplätze in Osnabrück ist seit 2010 um fast 50 Prozent auf mehr als 27000 gestiegen. In diesem Teilbereich kann mit einiger Wahrscheinlichkeit an dem Stadtziel , Perspektiven für junge Menschen zu verbessern, ein Haken gemacht werden. Ziel erreicht. Grieserts Lieblingszahl, so schien es während des Pressegesprächs, ist die zum Baumbestand: Die Zahl der Bäume ist in der Stadt nämlich seit Jahren kontinuierlich angestiegen – von 54933 (2010) auf 56544 (2016). Das unterstützt das Stadtziel Umweltschutz. Im Gegenzug zeigt zum Beispiel der Rückgang der Stromerzeugung aus erneuerbarer Energien, wo noch Anstrengungen nötig sind, um das Umwelt-Ziel zu erreichen.

Raum für Interpretationen

Viele Zahlen lassen unterschiedliche Interpretationen zu und könnten Anlass intensiver politischer Debatten werden: Ist es nun gut oder schlecht, dass Zuschüsse für die Kinder- und Jugendarbeit gesunken sind? Wird in diesen Einrichtungen effizienter gearbeitet oder spart die Stadt da an der falschen Stelle? Der Prozess der strategischen Steuerung habe im Rathaus zu einem Kulturwandel geführt, sagte Beckord. Die Diskussionen würden nun zielgerichteter geführt.

Die Statistikexperten der Stadt bereiten die Daten zurzeit digital auf. In den nächsten Tagen sollen sie im Internet ( www.osnabrueck.de)zur Verfügung stehen.