Wundern gibt es immer wieder Frank Goosen mit neuer Leseshow in der Lagerhalle

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Das ewig staunende Kind 
              
              im Manne brachte Autor Frank Goosen auf die Bühne der Lagerhalle. Foto: André HavergoDas ewig staunende Kind im Manne brachte Autor Frank Goosen auf die Bühne der Lagerhalle. Foto: André Havergo

OSNABRÜCK.  Egal, wie „erwachsen“ man geworden ist: Dass das kindliche Staunen über die wunderliche Welt niemals aufhört, bewies der Bochumer Autor Frank Goosen mit seiner neuen Leseshow „Was ist da los?“ in der Lagerhalle.

Dort ist er ein gern gesehener Gast, der regelmäßig vorbeischaut – auch wegen der „Rock´n Roll“-Künstlergarderobe, wie er diesmal am Schluss verriet. Dass wie bei dem von ihm verehrten amerikanischen Schriftsteller David Sedaris auch bei ihm das Verwirrtsein der Schlüssel zum Witzigsein ist, gab er gleich zu Beginn zu – und lieferte im Anschluss Belege in Form von skurrilen, amüsanten Alltagsgeschichten, die vornehmlich im heimatlichen Ruhrgebiet angesiedelt sind, sofern es sich nicht um „verwirrende“ Beobachtungen handelt, die auf Bahn- oder Flugreisen entstanden sind. Mit gezähmtem Ruhrpott-Akzent berichtete Goosen etwa von einer Freundin, die in ihr Eifeldorf zurückgezogen ist, wo etwas ganz ähnlich wie in seiner Arbeit nur dann als Arbeit gilt, „wenn es staubt“. Nach dieser Definition habe er nie gearbeitet, bedauerte der mittlerweile 51-Jährige nicht wirklich. Dabei sei er nicht faul, sondern wolle als jemand, den in der Schule lediglich „der Unterricht gestört“ hat, nur seinen „Spass haben“. Seine „Omma“ war da ganz bei ihm, für alle anderen Ruhrpottler sei das aber der Beweis dafür, dass es „keine richtige Arbeit“ sein könne.

Nicht viel Neues, aber bunt

Im regionaltypisch atemberaubend schnellen Tempo trug Goosen mit zuweilen sich beinahe überschlagender Stimme seine Anekdoten und Texte vor. Da gab es solche aus seiner Jugendzeit in den Achtzigerjahren oder aus der „Beziehungszeit zwischen Abi und Heirat“, in der er „serielle Monogamie“ pflegte, weil ihm Polygamie „logistisch zu anstrengend war“. Heute wundert und ärgert er sich über fehlende Satzzeichen in öffentlichen Verlautbarungen, überforderte Hotline-Mitarbeiterinnen, „Altmetall“ in Form von Liebesschlössern an Brückengeländern und „Smartföne“ in den Händen von Sechsjährigen. Auch ein Auszug aus seinem letzten „Förster“-Roman wurde serviert, in dem zeitlos drängende Fast Food-Fragen verhandelt wurden wie: Gabel oder Finger?, Ketchup, Mayo oder beides?, auf oder neben die Pommes? - und die aufs Tablett oder in den Deckel der Burger-Verpackung?. Am Ende brachte der leidgeplagte VfL Bochum-Fan schließlich auch noch den unvermeidlichen Fußball ins Spiel. Insgesamt war das nicht viel Neues, aber Angst zu haben, in einem Alter, wo die „ersten Instandsetzungsarbeiten anstehen“, zu einem langweiligen und vom Leben gelangweilten „Mann in Beige“ zu werden, braucht Frank Goosen nicht. Dafür wundert er sich noch viel zu sehr.


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