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Unterirdische 380-kV-Stromleitung Amprion plant Erdkabel bislang nur in Osnabrück

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So sehen zwei Prototypen für Erdkabel aus. In Rohren werden Erdkabel Strom transportieren, sodass in diesen Bereich auf Freileitungen verzichtet werden kann. Bislang plant Amprion Erdkabel auf der Trasse 16 nur in der Stadt Osnabrück. Foto: dpaSo sehen zwei Prototypen für Erdkabel aus. In Rohren werden Erdkabel Strom transportieren, sodass in diesen Bereich auf Freileitungen verzichtet werden kann. Bislang plant Amprion Erdkabel auf der Trasse 16 nur in der Stadt Osnabrück. Foto: dpa

Osnabrück. Der Netzbetreiber Amprion will Erdkabel auf der Trasse 16 der geplanten 380-Kilovolt (kV)-Leitung bislang nur in Osnabrück Erdkabel einsetzen, wie Amprion am Mittwoch mitteilte. Das ist das Ergebnis einer Prüfung der Besiedelungsgebiete und der für die Erdverkabelung geeigneten Bodenbeschaffenheiten zwischen Melle und Osnabrück.

Geprüft hat Amprion insbesondere dort, wo die gesetzlich vorgegebenen Mindestabstände von den geplanten Höchstspannungsleitungen zu Siedlungen (400 Meter) und Einzelgehöften (200 Meter) nicht eingehalten werden können. Der erste Abschnitt der Trasse 16 verläuft von Bad Essen-Wehrendorf durch Bissendorf zum Umspannwerk in Osnabrück-Lüstringen und der zweite von Lüstringen gen Süden durch Osnabrück-Voxtrup über Hilter-Borgloh und Melle-Wellingholzhausen bis zur Landesgrenze. Im Fokus der aktuellen Prüfung stand der Abschnitt zwischen Melle und Osnabrück-Lüstringen.

Zwischen Bad Essen und Osnabrück wird Erdverkabelung noch geprüft

Im ersten Abschnitt der Trasse nördlich von Osnabrück soll erst noch bis Ende des Jahres geprüft werden, welcher Bereich sich für eine Erdverkabelung eignet. Gegenüber der bisher geplanten Trasse ist laut Amprion-Sprecher Michael Weber „nun eine Verschwenkung um Hilter-Borgloh geplant“.

Wo der Mindestabstand nicht eingehalten wird

Der von Amprion bevorzugte Korridor hält die vorgegebenen Mindestabstände zur Wohnbebauung jedoch im südlichen Bereich des Meller Stadtteils Wellingholzhausen und im nördlichen Bereich von Borgloh weiterhin nicht ein. Weber kommentiert: „Allerdings muss man berücksichtigen, dass der von uns favorisierte Korridor einen Kilometer breit ist. Die konkrete Trasse innerhalb dieses Korridors wird erst in der noch folgenden Phase des Planfeststellungsverfahrens festgelegt.“ Er versichert, dass somit auch im nördlichen Bereich von Borgloh zwischen der 380-kV-Leitung und den Häusern und Wohnungen noch der Mindestabstand von 400 Metern eingehalten wird.

„Umleitung der Trasse in Wellingholzhausen nicht sinnvoll“

Anders verhält es sich südlich von Melle-Wellingholzhausen, wo der Mindestabstand der Wohnhäuser zur Trasse nicht eingehalten werden kann. In diesem Bereich soll die bestehende 220-kV-Leitung auf 380 kV verstärkt werden. „Eine Umleitung der Trasse in Wellingholzhausen ist nicht sinnvoll, weil andere Bereiche südlich der bestehenden Leitung dann erstmals betroffen wären“, erläutert Weber. Auch eine Erdverkabelung hält Weber dort technisch und wirtschaftlich nicht für sinnvoll und fügt hinzu, dass die Wälder rund um Wellingholzhausen ohnehin den Blick auf die Leitung nehmen: „Das Wohnumfeld ist somit geschützt. Die Grenzwerte für elektromagnetische Felder werden dennoch eingehalten“, zeigt sich Weber überzeugt.

Erdkabel zwischen Sandforter Berg und Osnabrück-Lüstringen

Ein wichtiger Grund für das vier Kilometer lange Erdkabel zwischen Voxtrup und Lüstringen dürfte sein, dass in diesem Bereich am meisten Haushalte von der Erdverkabelung profitieren. Die Mindestabstände zur Wohnbebauung hätten bei einer Freileitung von Voxtrup bis Lüstringen nicht eingehalten werden können.

Kosten von deutlich mehr als 30 Millionen Euro

Aus diesem Grund soll das Erdkabel technisch sehr aufwendig zwischen dem Sandforter Berg in Voxtrup und der Umspannanlage Lüstringen verlegt werden. Im münsterländischen Raesfeld bedurfte es einer 42 Meter breiten Trasse, um eine 380-kV-Leitung unterirdisch zu verlegen. Für den Osnabrücker Abschnitt sind Kosten von deutlich mehr als 30 Millionen Euro geplant. Die restliche Strecke soll als Freileitung realisiert werden.

Informationsveranstaltungen in Wellingholzhausen, Borgloh und Osnabrück

Amprion beantragt nun die Fortführung des Raumordnungsverfahrens. Auch die Öffentlichkeit und die Behörden werden in diesem Zuge noch einmal beteiligt. Im April will Amprion den Bürgern das Vorhaben in Informationsveranstaltungen in Wellingholzhausen, Borgloh und Osnabrück detailliert vorstellen.

So stellt sich Amprion die 380-kV-Leitung auf der Trasse 16 im Bereich zwischen Melle und Osnabrück vor. Grafik: Matthias Michel / Quelle: Amprion PM

Der Projektsprecher für die Trasse 16 des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, Arndt Feldmann, hatte bereits erläutert: „Bei der Trasse 16 handelt es sich um keine Stromautobahn wie Südlink, sondern um eine Strombundesstraße. Der Hauptunterschied ist: Dort haben wir keinen Gleich-, sondern Wechselstrom. Und Erdkabel sind bei Wechselstrom wesentlich komplizierter.“ Er verwies darauf, dass Deutschlands erste Boden-Höchstspannungsleitung in Raesfeld bei Münster bereits verlegt worden ist. Doch es handle sich bei dem Wechselstrom-Erdkabel um ein sehr aufwendiges Pilotprojekt. Um Erdkabel auf einer 3,4 Kilometer langen Strecke zu verlegen, bedurfte es eineinhalb Jahre und einer 42 Meter breiten Trasse. Das Kabel kostete 30 Millionen Euro und nach Amprion-Angaben damit sechs Mal soviel wie eine vergleichbare Überlandleitung. Die Gleichstromleitungen auf den Stromautobahnen brauchen laut Feldmann nicht so viel Platz für die Kabeltrasse. Außerdem gebe es weniger Transportprobleme. „Für die Stromautobahnen sind große Konverteranlagen erforderlich, die den Strom erst in Gleichstrom und am Ende des Weges im Süden dann wieder zurück in den üblichen Wechselstrom umwandeln. Diese Konverter sind sehr teuer und sie lohnen sich nur auf den langen Stromautobahnen“, erklärte Feldmann.

( Weiterlesen: Keine durchgängige Erdverkabelung in Region Osnabrück)

Zahlreiche Trassenkonflikte machen weitere Pilotstrecken möglich

Die Bundesregierung hatte sich im Jahr 2015 darauf verständigt, dass neben dem Vorrecht für Erdkabel auf den Stromautobahnen auch weitere Pilotprojekte für Wechselstrom in das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) aufgenommen werden. Neben den bislang geplanten vier Pilotstrecken zur Erprobung der Teilerdverkabelung im Höchstspannungsnetz wie etwa in Raesfeld wurde somit auch eine Teilerdverkabelung auf der gesamten Trasse 16 zwischen Bad Essen-Wehrendorf über Osnabrück-Lüstringen, Hilter-Borgloh, Melle-Wellingholzhausen bis nach Gütersloh möglich. Zuvor war auf dieser Trasse nur ein Erdkabel-Pilotprojekt im Bereich der Umspannanlage Osnabrück-Lüstringen im Gespräch. Die Bundesregierung begründet das mit der „besonderen räumlichen Situation und zahlreichen Trassenkonflikten“, die keine reine Freileitungstrasse zuließen. Die Bürgerinitiativen gegen die 380-kV-Freileitungen fordern eine Erdverkabelung auf dem gesamten Bereich der Trasse 16.


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