Musik vom Kabufforchester Bernd Stelter kommt mit einem Liederabend nach Osnabrück

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Weder Comedy noch Kabarett: Als Liederprogramm bezeichnet Bernd Stelter das, was die Zuschauer auf seiner Tour erwartet. Foto: Manfred EsserWeder Comedy noch Kabarett: Als Liederprogramm bezeichnet Bernd Stelter das, was die Zuschauer auf seiner Tour erwartet. Foto: Manfred Esser

Osnabrück. Komödiant, Karnevalist oder Liedersänger: Bernd Stelter verrät im Gespräch mit unserer Zeitung seine Jobdefinition. Außerdem sprach er über das Kabufforchester, über Heinz Rudolf Kunze und seine schwarze Kladde.

Herr Stelter, ab Freitag gehen Sie mit dem Programm „Wer Lieder singt, braucht keinen Therapeuten“ auf Tour. Sie werden von einem „Kabufforchester“ begleitet. Erklären Sie unseren Lesern, was das ist?

Meine Idee war es, mit einem Kammerorchester unterwegs zu sein. Das heißt, mit einem kleinen Orchester. Aber auch ein Kammerorchester hat bis zu zehn Mitglieder. Also stellte ich mir die Frage: Was ist kleiner als eine Kammer? Ein Kabuff! So entstand der Ausdruck, ein kleiner Gag.

Wer wird denn in Osnabrück im Kabuff musizieren?

Es werden Tobias Sudhoff und Daniel Goldkuhle sein, zwei ausgezeichnete Musiker. Wir begeben uns in die Kategorie Paul Kuhn Trio. Allerdings ohne Bass und Schlagzeug, nur mit Piano und Gitarren. Dazu haben wir uns auch ein bisschen Blödsinn einfallen lassen: Es kann passieren, dass einer von uns mit der rechten Hand Klavier spielt und mit der linken eine Snaredrum bedient. Sehr lustig, akustisch und handgemacht.

 

Das hört sich an, als bekäme der Zuschauer weniger Comedy als ein konzertantes Erlebnis serviert.

Comedy ist ja eh nicht der richtige Ausdruck für das, was ich mache. Comedy ist für mich jemand, der allein mit einem Mikro in der Hand zwei Stunden über die Bühne läuft und irgendetwas erzählt, Hauptsache es ist lustig. Das war mir immer schon zu wenig. Klassisches Kabarett mache ich auch nicht, dann müsste ich ja tagespolitisch sein. Mich hat aber nie interessiert, was Frau Merkel zu Mittag isst. Was ich in diesem Jahr mache, ist wohl tatsächlich ein Liederprogramm.

 

Haben Lieder eine therapeutische Wirkung auf Sie. Oder ist der Titel auch eher ein Scherz?

Nein, meine Lieder sind für mich eine Art Tagebuch. Einem Tagebuch vertraut man bestimmte Sachen an, die einem passieren. Ich schreibe ein Lied darüber. Ein Beispiel: Meine Tochter kommt nach Hause und hat plötzlich einen Freund. Und ich denke: Hä, warum das denn? Oder die Situation, dass die Kinder aus dem Haus gehen: Da ist man nicht mehr 24 Stunden lang in der Elternrolle, sondern man muss sich fortan um sich selbst kümmern. Daraus entstehen Lieder und daher brauche ich auch keinen Therapeuten.

 

Stammen Sie nicht aus einer Generation, die es eh nicht so mit Therapeuten hat?

Das ist richtig. Ich gehöre eher zur Generation Liedermacher. Als ich jung war, waren Liedermacher wie Reinhard Mey und Hannes Wader angesagt. Sie haben tolle Lieder über die ernsten Probleme des Lebens gesungen. Die haben wir gehört. Ich finde es gut, dass es heute endlich wieder gute deutschsprachige Texte in der aktuellen Musik gibt. Sehen Sie, mit einem Lied kann man in drei Minuten eine Geschichte erzählen, das schafft man mit einem Prosatext nicht.

 

Sie singen auch ein Lied, in dem Sie den Tod Ihrer Eltern thematisieren. Passen nachdenkliche Texte zu Bernd Stelter?

Wer mich schon einmal gesehen hat, der weiß, dass ich immer mal etwas Nachdenkliches oder auch Melancholisches im Programm habe. Natürlich soll man sich zwischendurch auch totlachen können. Das ist ganz wichtig. Rudi Carrell hat einmal zu mir gesagt: Wenn du den Leuten einen schönen Abend machen willst, bring sie zum lachen. Wenn Du ihnen einen tollen Abend machen willst, bring sie zum Lachen und zum Weinen.

 

Heinz Rudolf Kunze hat ein Lied für Sie geschrieben. Wie ist es dazu gekommen?

Heinz Rudolf ist einer meiner Helden, er hat eine ganz besondere Stimme und eine ganz besonderer Art zu komponieren. Es ist nicht lange her, da haben wir uns nach einem Konzert kennen gelernt. Da ist die Idee entstanden, dass er mir das Lied schreibt. Es ist geradezu poetisch und weise geraten, ich bin sehr begeistert. Da gibt es diese böse Zeile: „Das ist das Gute, das es gelegentlich gibt, das ist es, weswegen mancher den Selbstmord verschiebt.“ Eigentlich bin ich ja eher ein ausgleichender Charakter, aber der Satz beißt. Und das finde ich wichtig: Es muss Sätze geben, die beißen, und welche, die streicheln.

 

Wofür würden Sie persönlich denn ihren Suizid verschieben?

Oh, ich glaube, da bin ich nicht gefährdet. Ich liebe das Leben und ich liebe die Menschen viel zu sehr, als dass ich Selbstmordgedanken bekommen könnte.

 

Oft werden Sie auch als Karnevalist bezeichnet. Wie wichtig ist ihnen das jecke Treiben eigentlich?

Im Januar und Februar ist mir das sehr wichtig. Der Karneval gehört eindeutig zu meinen Wurzeln und man soll seine Wurzeln pflegen, sonst geht man ein.

 

Es heißt, sie trügen immer eine schwarze Kladde bei sich? Was hat es mit ihr auf sich?

Es stimmt. Jetzt im Moment liegt sie auch neben mir. Alles, was mir auffällt, notiere ich darin. Wenn ich eine Idee habe oder einen Spruch höre, der mir gefällt, kommt das in die schwarze Kladde. Ob auf Tournee oder wo auch immer, sie ist dabei. Eigentlich sollte ich sie auch immer auf dem Nachttisch liegen haben. Vor einigen Nächten hatte ich mal eine Idee, ich habe sie nicht aufgeschrieben. Jetzt überlege ich hin und her und mir fällt der Gedanke einfach nicht mehr ein.

 

Verraten Sie uns Ihren letzten Eintrag?

Ja, hier steht: „Ich brauch kein Google, ich habe eine Frau“. Den Spruch fand ich interessant. Ob und was im Endeffekt daraus wird, ist dann eine ganz andere Geschichte.


Bernd Stelter & Das Kabufforchester: „Wer Lieder singt, braucht keinen Therapeuten“. Freitag, 23. März, 20 Uhr, Osnabrückhalle

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