Jurastudenten beraten kostenlos Rechtsberatung für Bedürftige: Osnabrücker gründen Verein

Von Pia Köster

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Vom Projekt zum Verein: Die studentische Rechtsberatung der Uni Osnabrück ist ihren Kinderschuhen entwachsen. Unser Bild zeigt (von links) den Gründungsvorstand Dominik Kreke und Matthias Petka sowie Schatzmeister Hinrich Geelvink, einer der kooperierenden Rechtsanwälte. Foto: Marvin SeidelVom Projekt zum Verein: Die studentische Rechtsberatung der Uni Osnabrück ist ihren Kinderschuhen entwachsen. Unser Bild zeigt (von links) den Gründungsvorstand Dominik Kreke und Matthias Petka sowie Schatzmeister Hinrich Geelvink, einer der kooperierenden Rechtsanwälte. Foto: Marvin Seidel

pkoe Osnabrück. Fast 350 Bedürftige haben sich seit Juli 2015 von Jurastudenten der Universität Osnabrück kostenlos rechtlich beraten lassen. Auch unter Kommilitonen und Rechtsanwälten gewinnt das Projekt an Bedeutung. Jetzt ist daraus sogar ein eingetragener Verein geworden.

„Vertraulich, persönlich und unentgeltlich“ lautet das Motto der studentischen Rechtsberatung in Osnabrück. Gegründet wurde sie vor zweieinhalb Jahren von angehenden Juristen, die ihr an der Universität erworbenes Wissen unverbindlich in den Dienst mittelloser Menschen stellen wollen – auch, um dabei erste praktische Erfahrungen im künftigen Berufsfeld zu sammeln. Zugelassene Rechtsanwälte, welche die regelmäßigen Beratungsgespräche beaufsichtigen, helfen ihnen dabei.

Große Bandbreite an Fällen

Seit Januar 2018 ist die Osnabrücker Rechtsberatung für Bedürftige nun nicht länger nur ein loses Projekt einiger Enthusiasten, sondern ein eingetragener Verein mit knapp zwei Dutzend Mitgliedern. Die „konstante Nachfrage vonseiten der Ratsuchenden“ sowie der „hohe organisatorische Aufwand“ habe die Verantwortlichen zur Gründung veranlasst, berichtet Vereinssprecher Nico Gill. Bislang hätten knapp 350 Menschen das Gratisangebot der Osnabrücker Jurastudenten in Anspruch genommen.

Die Bandbreite der behandelten Fälle sei groß. „Im Vordergrund stehen typische zivilrechtliche Streitigkeiten oder Fälle aus dem sozialrechtlichen Bereich“, erklärt Gill. Oft hätten die Ratsuchenden Schwierigkeiten mit Jobcenter, Vermieter oder Arbeitgeber. Die studentische Rechtsberatung zeige Rechtsschutzmöglichkeiten im Wege der Beratungs- und Prozesskostenhilfe auf und liefere Informationen über das jeweilige Rechtsproblem.

Schlüsselqualifikation fürs Examen

Auch bei den Studenten wachse das Interesse, sich in dem Verein zu engagieren. Zuletzt hätten mehrere hundert Erstsemester eine Infoveranstaltung der Rechtsberatung für Bedürftige besucht, so Gill. Um als Berater tätig zu werden, müssen die Studenten mindestens im vierten Fachsemester Jura studieren. Eine Kooperation mit der juristischen Fakultät der Universität Osnabrück gibt Teilnehmern dann die Möglichkeit, einen sogenannten Schlüsselqualifikationsschein zu erwerben, den die Studenten für ihre Anmeldung zum Examen benötigen. (Weiterlesen: Prädikatsexamen am Fließband – Osnabrücker Jurastudenten gehören zu den besten im Land)

Mittlerweile werde die studentische Rechtsberatung auch von Rechtsanwälten und Unternehmen als „sinnvolle Ergänzung im System“ betrachtet, sagt Gill. Die Hamburger CMS-Stiftung stufe die Arbeit des Vereins als förderungswürdig ein und habe die bei der Vereinsgründung angefallenen Kosten erstattet. Die Diakonie unterstütze die Osnabrücker Rechtsberatung für Bedürftige, indem sie Räume zur Verfügung stellt. Sprechstunden finden zweimal im Monat statt: an jedem ersten und dritten Donnerstag jeweils von 14 bis 16 Uhr in der Lohstraße 11 (Einlass von 13.45 bis 15 Uhr). Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.


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