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Trillerpfeifenkonzert für mehr Geld Hunderte Streikteilnehmer demonstrierten in Osnabrück

Von Markus Pöhlking und Sebastian Philipp

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mpoe/sph Osnabrück. Hunderte Beschäftigte im Öffentlichen Dienst haben am Vormittag in der Osnabrücker Innenstadt ihrem Ärger über stockende Tarifverhandlungen Luft gemacht. Ihr lautstarker Demonstrationszug sorgte kurzzeitig für Verkehrsbehinderungen auf dem Wall.

Schon von Weitem war das ohrenbetäubende Trillerpfeifenkonzert zu hören, mit dem die Streikenden durch die Osnabrücker Innenstadt zogen. Die Arbeitgeber im Öffentlichen Dienst hatten in einer ersten Verhandlungsrunde die Forderungen der Beschäftigen abgelehnt, weswegen die Gewerkschaft Verdi zu einem Warnstreik aufgerufen hatte. In Osnabrück folgten hunderte Angestellte der Stadtwerke und der Stadt dem Aufruf, Mitarbeiter der Stadt Georgsmarienhütte und der Sparkasse schlossen sich dem Ausstand an.

Behinderungen im Busverkehr

Obschon im Rahmen der Arbeitsniederlegung auch sämtliche Busse der Stadtwerke im Depot blieben, hielten sich die Auswirkungen auf den Busverkehr in Grenzen. Im Stadtbereich fiel eine Verbindung komplett aus, andere Linien wurden in reduziertem Takt befahren. Selbstständige Busunternehmer, die der Verkehrgemeinschaft Osnabrück angeschlossen sind, hielten mit ihren Fahrern und Fahrzeugen den öffentlichen Personennahverkehr weitgehend aufrecht.

Nachholbedarf beim Gehalt

Die gewerkschaftliche Position in den derzeitigen Tarifverhandlungen hatte Stefan Schubert, Landesfachbereichsleiter bei Verdi im Bereich Verkehr, den Streikenden bei den Stadtwerken vor dem Protestzug klar gemacht. Die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst hätten ein Recht darauf, an der wachsenden Wirtschaft teilzuhaben. In puncto Gehalt gebe es einen Nachholbedarf, sagte Schubert. Diesen Nachholbedarf taxiert die Gewerkschaft auf eine Gehaltserhöhung von sechs Prozent beziehungsweise mindestens 200 Euro. Aus Sicht der Stadtwerke-Mitarbeiter eine gerechtfertigte Forderung: „Wir tragen mit unserer Arbeit zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung dieses Landes bei, insofern sollten wir vom wachsenden Wohlstand auch profitieren“, sagte Alexander Jaspers, der bei den Stadtwerken im Planungsbereich für Elektrizitätsnetze arbeitet.

Besserstellung Auszubildender gefordert

Der Demonstrationszug der Stadtwerke zog über Neumarkt und Wall zur Lagerhalle und vereinte sich dort mit jenem der städtischen Angestellten und der Sparkasse. Auf rund 400 Teilnehmer angewachsen, passierten die Streikenden die Innenstadt, ab dem Hasetor wurde der Zug wieder über den Wall geführt. Mit dem Transparent „Jung und gehaltbereit“ vorweg machten Auszubildende und Vertreter der Jugend- und Auszubildenvertretungen (JAV) auf ihre Anliegen aufmerksam. „Wir fordern im Rahmen der Tarifverhandlungen 100 Euro mehr Gehalt für Auszubildende und eine Angleichung der Urlaubszeiten auf 30 Tage, die für Ausgelernte gelten“, sagte Marco Börger aus der JAV der Stadt Osnabrück. Auszubildende leisteten vielerorts die gleiche Arbeit wie ihre Kollegen mit Berufsabschluss, kämen dabei aber teils ohne die Unterstützung ihrer Eltern nicht aus. „Von manchen Vergütungen kann man nicht mal eine Wohnung bezahlen – da muss sich einfach etwas ändern“, forderte Börger.

Auch Kitas und Müllabfuhr betroffen

Foto: David Ebener

In Folge des Streiks blieben acht der neun städtischen Kitas unbesetzt, zudem kam es zu Engpässen bei der Müllabfuhr – wenn auch weniger stark als befürchtet: „Wir wussten nicht genau, was auf uns zukommt. Daher sind wir am Vortag des Streiks zunächst davon ausgegangen, dass einige Touren ausfallen und auch das Abfallwirtschaftszentrum sowie die Gartenabfallplätze geschlossen bleiben“, berichtete Katrin Hofmann, Sprecherin des Osnabrücker Servicebetriebes (OSB) unserer Redaktion. Am Streiktag selber habe sich die Situation jedoch weitaus weniger kritisch dargestellt. Wie Hofmann mitteilt, wurden alle Touren gefahren, auch alle Abfallplätze seien besetzt gewesen.


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