Zeugnis einer Affäre Concert Remarquable widmet sich „Wesendonck-Liedern“

Von Alexander Stukenbrok

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Präsentierten gemeinsam die „Wesendonck-Lieder“: Sopranistin Lina Liu und Pianist Markus Lafleur. Foto: Elvira PartonPräsentierten gemeinsam die „Wesendonck-Lieder“: Sopranistin Lina Liu und Pianist Markus Lafleur. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Das Concert Remarquable im Steigenberger Hotel Remarque widmete sich Richard Wagners Seitensprung, dem seine „Wesendonck“-Lieder ein musikalisches Denkmal setzen.

Bessere Lieder hat er nach eigenen Angaben nie geschrieben. Die fünf „Wesendonck-Lieder“ entstehen im Zuge einer Affäre zwischen der verheirateten Mathilde Wesendonck und dem Komponisten Richard Wagner. Von jener brisanten Liebschaft, die Wagner zu seiner Oper „Tristan und Isolde“ inspirierte, berichteten Hans Christian Schmidt-Banse und Annette Kristina Banse am Montagabend ihrem Publikum im Steigenberger Hotel Remarque. Für den musikalischen Part des Abends sorgten Sopranistin Lina Liu und Pianist Markus Lafleur.

Die Affäre nimmt ihren Anfang, als der Züricher Seidenhändler Otto Wesendonck dem politischen Flüchtling Richard Wagner und seiner Frau Minna anbietet, sein Gartenhaus zu beziehen. Dass der Komponist zum Dank beginnt der Ehefrau Mathilda Wesendonck nachzustellen, wird im Programmtitel „Protokoll einer geschmacklosen Affaire“ kommentiert. Schon bald erliegt die Gemahlin der Musik des Komponisten, die für sie eine „Offenbarung“ ist. Sie greift zur Feder und verarbeitet ihr Gefühlsleben in erotischen Gedichten, die Wagner in Musik umsetzt: Die fünf „Wesendonck-Lieder“ entstehen, kurz darauf die Oper „Tristan und Isolde“. Der betrogene Ehemann setzt den Komponisten schließlich vor die Tür.

Die musikalischen Beiträge zwischen den Erzählungen zeichnen ein ganz anderes Bild von jenem Richard Wagner, für den musikalische Genialität ein Freibrief zu sein scheint. Voller Hingabe spielt Lafleur am Klavier Auszüge aus diversen Opern-Ouvertüren Wagners, wobei besonders das Vorspiel zu „Tristan und Isolde“ tief bewegt. Zusammen mit der Sopranistin Liu werden die fünf „Wesendonck-Lieder“ sensationell dargeboten. Liu schwingt sich mühelos in die Höhen der wagnerischen Melodien und scheint dabei jeden Ton auszukosten. Für das Stück „Träume“ ist Violinist Nikola Pancic zu Gast. Jenes Lied, für Violine und Klavier bearbeitet und zuvor von Liu gesungen, gleicht dem musikalischen Denkmal einer aufblühenden Liebe.

Die Gegenüberstellung von Wagners genialer Musik und seiner strittigen Persönlichkeit gelingt in gewohnt enger Verknüpfung von erzählerischem Vortrag und konzertanten Beiträgen. Sinnbildlich dafür sagte der Bruder Richard Wagners diesem einst Folgendes: „So sehr ich dein Talent achte und liebe, so wenig ist das der Fall mit deinem Charakter.“


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