Studentenwerk Osnabrück baut doch Albert-Einstein-Wohnheim in Osnabrück wird gebaut

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Kommt doch: Das Albert-Einstein-Wohnheim des Studentenwerks wird an dieser Stelle gebaut werden. Foto: Wilfried HinrichsKommt doch: Das Albert-Einstein-Wohnheim des Studentenwerks wird an dieser Stelle gebaut werden. Foto: Wilfried Hinrichs

Osnabrück. „Gehen Sie zurück zum Start, gehen Sie nicht über Los.“ Man kann sich dieser kleinen Erinnerung an Monopoly nicht erwehren, wenn es um das Gerangel um das Studentenwohnheim am Wissenschaftspark geht. Denn nach einem nur schwer verständlichen Hin und Her baut das Studentenwerk Osnabrück die Unterkunft nun doch – und zwar genau wie geplant und zu den vor etwa 18 Monaten vereinbarten Konditionen.

Die Entscheidung fiel nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung der Osnabrücker Beteiligungs- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (OBG). Zu der Sitzung geladen waren unter anderem der kommissarische Geschäftsführer des Stundentenwerks, Stefan Kobilke, sowie der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Uni-Präsident Wolfgang Lücke. Am Ende der Sitzung stand fest, dass das Studentenwerk das Wohnheim wie geplant bauen wird. Sowohl der Mietpreis (5,30 Euro Kaltmiete) als auch die Gestaltung des Gebäudes bleiben nach Aussagen von Sitzungsteilnehmern unverändert. „Wir konnten das Studentenwerk durch unsere Argumentation zum Umdenken bewegen“, so OBG-Geschäftsführer und Kämmerer Thomas Fillep auf Nachfrage.

Studentenwerk bleibt deutlich unter der Höchstmiete

Zur Geschichte: Die OBG hatte nach einer öffentlichen Ausschreibung ihre eigens gegründete Albert Einstein Studentenwohnheim GmbH als Eigentümerin der Fläche an der Ecke Friedrich-Janssen-Straße/Albert-Einstein-Straße an das Studentenwerk verkauft.

Maßgeblich für den Zuschlag war die Platzierung des Studentenwerks in einem der Ausschreibung zu Grunde gelegten Bewertungssystem. Insgesamt wurden seinerzeit (im Sommer 2016) 1000 Punkte vergeben, die sich mit jeweils 400 Punkten auf die Faktoren Kaufpreis und wohnungspolitische Zielsetzung verteilten und mit 200 Punkten auf die architektonische Gestaltung. Als Sieger ging damals mit 961,98 Punkten das Stundentenwerk aus dem Bieterverfahren hervor. Auf dem zweiten Platz landete das Stephanswerk mit 898,50 Punkten. Vor allem der günstige Mietpreis von 5,30 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter dürfte seinerzeit ausschlaggebendes Kriterium für den Zuschlag gewesen sein, blieb das Studentenwerk mit diesem Kurs doch satte 3,20 Euro unter dem in der Ausschreibung genannten Höchstmietzins.

Studentenwerk bekommt kalte Füße

Fast zwei Jahre und zwei Geschäftsführer später, bekam das Stundentenwerk Ende Februar kalte Füße. Der Aufsichtsrat der Anstalt öffentlichen Rechts beschloss, von dem Projekt zurückzutreten, wohl auf Anraten des kommissarischen Geschäftsführers Stefan Kobilke. Der hatte nachgerechnet und war zu dem Schluss gekommen, dass das Wohnheim mit dem niedrigen Mietpreis nicht wirtschaftlich zu betreiben sei. Auf die anvisierte Erhöhung des Mietpreises auf 6,84 Euro wollte sich aber die OBG nicht einlassen.

Es bleibt alles beim Alten.

Während der jüngsten Ratssitzung am Dienstag der vergangenen Woche sickerte durch, dass ein Rückzieher vom Rückzieher des Studentenwerks wahrscheinlich ist. Die OBG-Aufsichtsratssitzung am Montag hat dann offensichtlich Klarheit gebracht: Es bleibt alles beim Alten. Anzunehmen ist, dass ein Rückzug das Stundentenwerk am Ende teurer gekommen wäre, als die Fortsetzung des Projekts. Geschäftsführer Kobilke hatte unter anderem mit gestiegenen Baukosten argumentiert, die einen wirtschaftlichen Betrieb des Wohnheims unmöglich machten. Allerdings hatte das Studentenwerk in den zurückliegenden Jahren bereits erhebliche Finanzmittel in das Projekt gesteckt. Nochmaliges Nachrechnen mit stecknagelspitzem Bleistift hat dann den Verwaltungsrat offensichtlich zu dem Schluss kommen lassen, dass die finanziellen Folgen eines Rücktritts eine größere Belastung darstellen würden, als die Fortsetzung des Projekts.

Geringes Defizit

In einer gemeinsamen Pressemitteilung von OBG und Studentenwerk räumt das Studentenwerk denn auch ein, dass es ein „geringes Defizit“ in Kauf nehme, um das Projekt zu verwirklichen. Eine „Umstellung des internen Finanzierungsmodells“ habe die Verwirklichung des Wohnbauprojektes ermöglicht. „Für uns war klar, dass es keinerlei Abweichungen zu Vertrag und Ausschreibung geben darf“, unterstrich Aufsichtsratsvorsitzender Marius Keite (CDU) die harte Linie der OBG in den Gesprächen mit dem Studentenwerk.

Risikoaufschlag eingepreist

Die Differenz bei den Mieteinnahmen zwischen der Wunschkaltmiete des Studentenwerks von 6,84 Euro und der im Wettbewerb zugesicherten Ausgangsmiete in Höhe von 5,30 Euro beträgt im ersten Jahr bei einer Wohnfläche von 3358 Quadratmetern etwa 62000 Euro. Eine vertraglich abgesicherte jährliche Mieterhöhung um jeweils ein Prozent ist möglich. Auf 15 Jahre gerechnet, beläuft sich das Minus gegenüber der höheren Ausgangsmiete des jährlichen einprozentigen Zuschlags auf etwa 680000 Euro. Da ist es nicht unwahrscheinlich, dass die bereits investierten finanziellen Mittel deutlich über dem prognostizierten Verlust durch den geringeren Mietzins liegen. Zudem ist davon auszugehen, dass bei Abgabe des Angebotes mit Blick auf steigende Baukosten bereits ein Risikoaufschlag eingepreist war. Fachleute gehen davon aus, dass das Studentenwerk hier mit etwa 25 Prozent kalkuliert hat. Die Baukosten liegen dem Vernehmen nach zwischen 12 und 13 Millionen Euro.

321 Euro warm für 25 Quadratmeter

Letztendlich dürfte aber für die zukünftigen Mieter vor allem die Warmmiete ausschlaggebend sein. Analog zu ähnlichen Einrichtungen vergibt auch das Studentenwerk seinen Wohnraum zu Gesamtmietpreisen. Für das Albert-Einstein-Wohnheim sollen dies 321 Euro für eine 25 Quadratmeter große Unterkunft sein. Im Preis enthalten sind eine Teilmöblierung, die Nutzung der Gemeinschaftsräume, Hausmeisterservice und Ähnliches sowie Heiz- und Stromkosten. Umgerechnet auf den einzelnen Quadratmeter, ergibt sich hier eine Warmmiete von 12,84 Euro.

Und so steht nun dem schon lange geplanten – zwischenzeitlich aber schon fast gestrichenen – ersten Spatenstich am kommenden Montag nichts mehr im Wege – hoffentlich.


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