Mitte 2018 die Wende? Paracelsus macht noch drei Millionen Euro Miese jeden Monat

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Osnabrück. Der Paracelsus-Konzern erwirtschaftet noch monatlich einen Verlust von drei Millionen Euro, hofft aber, bis zur Jahresmitte schwarze Zahlen zu schreiben. Das geht aus einem Brief an die 5200 Mitarbeiter hervor.

Das vierköpfige Sanierungsteam mit dem Generalbevollmächtigten Reinhard Wichels an der Spitze, informiert die Mitarbeiter in dem dreiseitigen Schreiben über den aktuellen Stand des Insolvenzverfahrens. Das Amtsgericht Osnabrück hat mit Wirkung vom 1. März das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung offiziell eröffnet. Das bedeutet, dass die Konzernführung unter Aufsicht des vom Gericht bestellten Sachwalters, Rainer Eckert aus Hannover, über die Insolvenzmasse verfügen und den angekündigten und zum Teil schon eingeleiteten Sanierungsprozess umsetzen kann. Bisher galt die Zustimmung des Gerichts nur als vorläufig.

Kein Geld mehr von der Arbeitsagentur

Für die Mitarbeiter hat dieser rechtliche Schritt konkrete Auswirkungen: Sie bekommen ab März kein Insolvenzgeld mehr von der Arbeitsagentur, sondern ihren regulären Lohn von der Paracelsus-Gruppe. Durch die Zahlung des Insolvenzgeldes seit Dezember und die bereits eingeleiteten Sanierungsschritte habe der Konzern wieder Liquidität aufgebaut, um die Löhne und Gehälter in den kommenden Monaten zu bezahlten, heißt es in dem Schreiben an die Mitarbeiter. Wichtig sei, dass die Sanierungsmaßnahmen „mit aller Konsequenz umgesetzt werden, damit die Kosten gesenkt werden“. Die Patientenzahlen sei stabil geblieben, die erhöhte Abwanderung von Mitarbeitern nicht festzustellen.

400 Stellen weniger

Das Konzept der Generalbevollmächtigten Reinhard Wichels, Daniel Fritz und Andreas Zeigenhagen sowie Geschäftsführer Michael Schlickum sieht den Abbau von 400 der 5200 Arbeitsplätze im Konzern vor. 190 fallen allein durch die Schließung der Klinik in Karlsruhe weg. In der Klinik Henstedt-Ulzburg werden 60 Stellen gestrichen, in Osnabrück 25, in Reichenbach 37, in Zwickau 10. Darüber hinaus werden 20 Stellen Konzernzentrale in Osnabrück und 60 Stellen konzernweit durch normale Fluktuation wie Renteneintritt oder Auslaufen von befristeten Verträgen abgebaut.

In einigen Häusern schließen unwirtschaftliche Fachabteilungen, profitable Bereiche werden ausgebaut. Das Stammhaus in Osnabrück etwa, der bislang größte Verlustbringer der Krankenhausgruppe, will zurück zu einer engen Verzahnung von ambulanten und stationären Strukturen. „Wir wollen die Patienten ambulant heranholen und dann stationär weiterbehandeln“: So hatte Chefsanierer Wichels Mitte Februar das Prinzip in einer Pressekonferenz beschrieben. Das Profil der Klinik am Natruper Holz solle künftig stärker auf „Kopf, Hals und Nervensystem“ zugespitzt werden. Auch eine Augenklinik will Wichels wieder an den Standort zurückholen. „Bei weiterer entschlossener Umsetzung des Sanierungskonzeptes sind wir durchaus zuversichtlich, dass wir eine Zukunftslösung für die Paracelsus-Kliniken finden werden“, wird Rainer Wichels in einer aktuellen Mitteilung des Konzerns zitiert.

Käufer stehen bereit

Es zeichnet sich ab, dass der Paracelsus-Konzern im Sommer verkauft wird. Es gebe sehr viele Interessenten, die den Paracelsus-Kliniken eine gute und wirtschaftlich stabile Zukunft bescheinigten. Zu den Interessenten zählten strategische Investoren sowie Finanzinvestoren aus dem In- und Ausland. Gläubiger und Eigenverwalter seien sich in dem Ziel einig, „das Unternehmen als Ganzes zu erhalten und einen Investor zu finden, der verantwortungsvoll mit der Gruppe in die Zukunft gehen will“, heißt es im Mitarbeiterbrief. Ein Verkauf in Teilen ist weiterhin nicht ausgeschlossen. Der Verkaufsprozess soll zügig vorangebracht werden, um die Unsicherheit zu beenden. Aber: „Dabei muss der Kaufpreis adäquat sein, dem Wert des Unternehmens entsprechen und letztlich die Gläubiger bestmöglich befriedigen.“ Spätestens zur Jahresmitte solle feststehen, „welcher Investor die Paracelsus-Kliniken künftig stärken und weiterentwickeln wird“.

Rainer Eckert, vom Amtsgericht bestellter Sachwalter, wird in der Mitteilung so zitiert: „Ich sehe gute Perspektiven für die Paracelsus-Kliniken, denn sie haben einen guten Ruf im Gesundheitsmarkt, bieten eine qualitativ hochwertige medizinische und pflegerische Versorgung an, verfügen über motivierte, zuverlässige und engagierte Teams und können sich künftig an der Seite eines starken Partners und Investors hervorragend weiterentwickeln.“

Der Sanierungsbedarf bei den Paracelsus-Kliniken war entstanden, nachdem einzelne Akut-Krankenhäuser Verluste geschrieben hatten, die sich auf 25 Millionen Euro pro Jahr summierten. Das Stammhaus in Osnabrück hat nach Angaben des Sanierers zuletzt vier Millionen Euro Verlust gemacht.


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