Film „Die sichere Geburt“ Ist eine angstfreie Geburt möglich? Und wenn ja: wie?

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Osnabrück. Schmerzen, Angst und dann noch ein Dammschnitt: Muss das sein? Der Dokumentarfilm „Die sichere Geburt“ will am kommenden Sonntag im Cinema-Arthouse zeigen, wie eine Geburt im Idealfall ablaufen kann – und wieso dies in der Realität oft nicht klappt.

So sollte es sein: Die Wehen starten, die Frau begibt sich zum von ihr gewählten Ort der Geburt, nimmt sich die Zeit, die sie und ihr Körper braucht, wird 1:1 von einer Hebamme betreut – und bekommt das Kind. Doch in der Realität scheitert dieses Ideal schon an der Wahl des Geburtsortes: „In und um Osnabrück ist es beispielsweise kaum noch möglich, Hausgeburten durchzuführen“, sagt Elli Kowert vom Verein Mother Hood.

In der Konsequenz findet daher der Hauptanteil der Geburten in Krankenhäusern statt. „Dort kann es natürlich auch toll zugehen, wenn die Hebammen genug Zeit haben, sich wirklich um die werdenden Mütter und ihre Bedürfnisse zu kümmern“, findet sie.

Kowert hat Erziehungswissenschaften studiert und ist weder Mutter noch Hebamme. Trotzdem liegt ihr das Thema am Herzen: „Irgendwann betrifft es jeden, der einmal Kinder haben will. Setzt man sich dann mit dem Thema auseinander, merkt man schnell, dass in den Kreißsälen aufgrund von Schichtdiensten und Personalmangel viel schief läuft.“

Personal- und Zeitmangel im Kreißsaal

Ängstlich auf dem Rücken liegend und vor Schmerzen brüllend sollte keine Frau eine Geburt ertragen müssen, ist sich Kowert sicher. „Dass die Anzahl von Dammschnitten, Einleitungen, und sogar die Kaiserschnittrate immer mehr steigen, liegt auch daran, dass Frauen bei den Geburten nicht optimal betreut werden. Dies geschieht sicher nicht aus Absicht, sondern weil es Hebammen schwer gemacht wird, eine Frau bei der Geburt so zu begleiten, wie es nötig wäre.“

Tatsächlich ächzen bundesweit Geburtstationen unter Personalmangel; in einigen Regionen geht es mittlerweile soweit, dass Frauen keine Spontangeburten, sondern nur noch planbare Kaiserschnitttermine angeboten werden können. (Weiterlesen: Hebammenmangel: Wie gut sind die Geburtsstationen unserer Region besetzt?)

Die Betreuung Gebärender im Schichtalltag macht es Hebammen nicht leicht. Szene aus „Die sichere Geburt“: Foto: Anemonefilm

Filmvorführung „Die sichere Geburt“

Wie eine Geburt auch ablaufen kann, will nun der Dokumentarfilm „Die sichere Geburt – Wozu Hebammen?“ am kommenden Sonntag, 18. März; um 11 Uhr im Cinema-Arthouse zeigen. „Was macht Geburt sicher? Wodurch wird Geburt gestört? Und was sind die Folgen von Interventionen auf die Mutter, das Kind und den Geburtsverlauf und sogar auf die Gesellschaft – all diese Fragen werden im Film angesprochen,“ sagt Kowert. Der Film von Carola Hauck entstand im Jahr 2017 und wird seitdem in ausgewählten Kinos und auf Festivals gezeigt. Die Vorstellung in Osnabrück wird von Mother Hood initiiert.

Hauck studierte Medizin und und „sah, wie Frauen in der Geburtshilfe behandelt wurden. Später machte ich eine Studie zu Dammschnitten. Ich mache diesen Film für die Menschenrechte von Müttern und Babys, für ihre Gesundheit“, erzählte sie in einem Interview. Für den Film sprach sie mit Ärzten, Hebammen, Osteopathen und Eltern.

„Nach dem Film wird es in Anwesenheit der Regisseurin eine Diskussionsrunde geben, zu der drei Experten kommen werden“, sagt Elli Kowert. Angekündigt haben sich dafür Götz Menke, Chefarzt der Geburtshilfestation vom Marienhospital Osnabrück, Hebamme Sylvie Engstfeld, die früher auch Hausgeburten begleitete, und Therese Werner-Bierwisch, Mitarbeiterin im Forschungskolleg „FamiLe“ (Familiengesundheit im Lebenslauf) der Hochschule Osnabrück.



Verein Mother Hood

Die Bundeselterninitiative Mother Hood ist ein eingetragener Verein, der sich für das Recht auf eine stressfreie und gesunde Schwangerschaft, eine sichere und selbstbestimmte Geburt mit der freien Wahl des Geburtsortes und ein gesundes Aufwachsen der Kinder im ersten Lebensjahr einsetzt. Der Name des Vereins ist ein Wortspiel; so bedeutet der englische Begriff „Motherhood“ im deutschen „Mutterschaft“. Darüber hinaus ist der Name eine Anspielung auf Robin Hood, denn der Verein sieht sich als „Robin der Eltern“, wie Mitglied Elli Kowert erklärt. Mother Hood ist bundesweit in Regionalgruppen – so wie in Osnabrück – aktiv.

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