Serie zum Osnabrücker Wissensforum Schmerzgrenze. Kann Sport abhängig machen?

Von Martin Engelhardt (Gastautor)

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Martin Engelhardt ist Lehrbeauftragter am Institut für Sport und Bewegungswissenschafte. Foto: Gert WestdörpMartin Engelhardt ist Lehrbeauftragter am Institut für Sport und Bewegungswissenschafte. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Beim 10. Osnabrücker Wissensforum im November 2017 haben 32 Professoren der Universität Osnabrück Fragen von Lesern der Neuen Osnabrücker Zeitung beantwortet. Heute als Beitrag: Schmerzgrenze. Kann Sport abhängig machen?

Sport treiben, insbesondere im Hochleistungssport, ist nicht nur mit Wohlgefühlen verbunden. Um im Leistungssport Erfolge zu erzielen, ist konsequentes und hartes Training erforderlich. Die erfolgreichsten deutschen Triathleten wie der Olympiasieger und Hawaii-Gewinner Jan Frodeno trainieren zum Beispiel jährlich bis zu 1.600 Trainingsstunden und gehen dabei sicher nicht selten im Training und Wettkampf an ihre Schmerzgrenze. Dies bedeutet jedoch noch keine Abhängigkeit und stellt auch kein Suchtverhalten dar. (Weiterlesen: Roboter als Star des Abends beim 10. Osnabrücker Wissensforum)

Keine einheitliche Diagnose

Sportsucht ist in der medizinischen Fachwelt keine einheitlich akzeptierte Diagnose und gilt nicht als international anerkannte psychische Störung. Sportpsychologen nennen folgende Merkmale für exzessives/pathologisches Sporttreiben:

  • -Sport als zentraler Lebensinhalt
  • -innerlicher Zwang zum Training
  • -wegen des Sporttreibens werden soziale Kontakte aufgegeben und der Beruf vernachlässigt
  • -Überlastungen werden ignoriert und auch bei Verletzungen wird weiter trainiert
  • -Freizeit und Urlaub stehen nur noch im Zeichen des Sports
  • -bei Sportentzug kommt es zu Nervosität, schlechter Stimmung und depressivem Verhalten.

Durch die gesellschaftliche Akzeptanz des Sports wird das pathologische Sporttreiben häufig von dem Umfeld der Betroffenen nicht erkannt. Experten schätzen, dass bis zu einem Prozent der Sporttreibenden in unterschiedlicher Ausprägung von dem Phänomen der „Sportsucht“ betroffen sind.

Das übermäßige Training kann nicht nur dem Körper – unter anderem durch die Schwächung des Immunsystems oder Überlastungsschäden an Knochen und Sehnen –, sondern auch die Psyche der Betroffenen nachhaltig schädigen.


Über das Internetangebot der Universität Osnabrück sind die Beiträge des 10. Wissensforums auch als Video abrufbar unter www.uni-osnabrueck.de/wissensforum.

Das 11. Wissensforum findet am Freitag, 16. November 2018, statt.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN