Serie zum Osnabrücker Wissensforum Goldener Schnitt im L.A.-Look: Was ist Schönheit?

Von Silja Vocks (Gastautorin)

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Silja Vocks ist Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie. Foto: Gert WestdörpSilja Vocks ist Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Beim 10. Osnabrücker Wissensforum im November 2017 haben 32 Professoren der Universität Osnabrück Fragen von Lesern der Neuen Osnabrücker Zeitung beantwortet. Heute als Beitrag: Goldener Schnitt im L.A.-Look: Was ist Schönheit?

Schönheit liegt ja bekanntermaßen im Auge des Betrachters. Aber über den persönlichen Geschmack hinaus existieren allgemeine Kriterien, nach denen Menschen das Äußere anderer Personen bewerten. So ergab eine britische Studie, dass Frauen einen Body Mass Index (BMI) von unter 19 als ideal angeben, also ein Gewicht an der unteren Grenze des Normalbereiches. Der tatsächliche Body Mass Index fast aller befragten Frauen lag allerdings über ihrem Ideal. Diese Kluft kann zu Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper führen, die wiederum einen Risikofaktor für Essstörungen darstellt.

Recht hohe Übereinstimmung

Während dieses extreme Schlankheitsideal nicht kulturübergreifend gültig ist, scheint jedoch eine relativ hohe Übereinstimmung bezüglich der als ideal angesehenen Körperproportionen zu bestehen. So zeigte sich in zahlreichen Studien, dass Frauenkörper, bei denen die Taille 70 Prozent des Umfangs der Hüfte beträgt, als am schönsten bewertet werden. Eine solche Körperform ist Studien zufolge mit verschiedenen Merkmalen von Gesundheit und Fruchtbarkeit assoziiert. Eine Auswertung der Körpermaße amerikanischer Models ergab, dass dieses Taille-Hüft-Verhältnis – auch bei Schwankungen im Gewichtsideal – über mehrere Jahrzehnte hinweg relativ stabil blieb.

Männer zunehmend unzufrieden

Bei Männern hingegen existiert ein Körperideal mit einem zunehmend hohen Anteil an Muskelmasse. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass Action-Figuren wie Superman, Batman und Spiderman über die letzten Jahrzehnte – außer an der Taille – in allen Körperbereichen breiter beziehungsweise muskulöser wurden. Insgesamt sind auch Männer zunehmend unzufrieden mit ihrem Körper, was sich bis zur Muskeldysmorphie mit massiven körperbezogenen Sorgen und exzessivem Training steigern kann. (Weiterlesen: Roboter als Star des Abends beim 10. Osnabrücker Wissensforum)

Die zentrale Rolle bei der Bewertung von Schönheit spielt allerdings das Gesicht. Am attraktivsten werden Gesichter eingeschätzt, in denen der Abstand zwischen Augen und Mund 36 Prozent der Gesichtslänge beträgt und der Abstand zwischen den Augen 46 Prozent der Gesichtsbreite ausmacht. Dies entspricht in etwa den Maßen eines Durchschnittsgesichtes. Hiermit im Einklang wurde in Studien ein aus vielen Gesichtern erstelltes Durchschnittsgesicht als attraktiver eingeschätzt als die Einzelgesichter.

Anzahl der Schönheits-OPs verdoppelt

Auch Symmetrie beeinflusst das Urteil. So bewerten Menschen Gesichter mit einer hohen Übereinstimmung zwischen den Gesichtshälften als am schönsten. Das Streben nach diesem Ideal findet seinen Niederschlag auch darin, dass sich die Anzahl an Schönheitsoperationen in den letzten zehn Jahren ungefähr verdoppelt hat.

Neben diesen allgemeinen, in Zahlen gefassten Kriterien für Schönheit existieren aber auch individuelle Unterschiede in den Urteilen. In einer norwegischen Studie beispielsweise fanden die teilnehmenden Personen solche Gesichter am schönsten, in die Anteile des eigenen Gesichtes digital hineingemischt wurden. Interessant wäre es künftig zu beforschen, wie weitere Faktoren, zum Beispiel individuelle Erfahrungen, Umwelt und Bedürfnisse, die persönliche Bewertung von Schönheit beeinflussen.


Über das Internetangebot der Universität Osnabrück sind die Beiträge des 10. Wissensforums auch als Video abrufbar unter www.uni-osnabrueck.de/wissensforum.

Das 11. Wissensforum findet am Freitag, 16. November 2018, statt.

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