Vom Zackelschaf zum Totleger Osnabrücker Verein behütet alte Nutztierrassen

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Wohlfühlgefühl: Weidelandschaften-Geschäftsführer Jan-Philip Kunath baut eine Herde mit Schottischen Hochlandrindern im Cow-Sharing-Projekt auf. Foto: Harald PreuinWohlfühlgefühl: Weidelandschaften-Geschäftsführer Jan-Philip Kunath baut eine Herde mit Schottischen Hochlandrindern im Cow-Sharing-Projekt auf. Foto: Harald Preuin

Osnabrück. Alte Nutztierrassen erhalten: Das ist seit 2005 ein Ziel des Osnabrücker Vereins Weidelandschaften. Darum werden auf verschiedenen Flächen in der Stadt Schafe gehalten.

Ein Tag im zeitigen Frühjahr. Im Strohhaufen auf der weitläufigen Wiese lassen es sich Schafe mit ihren Lämmern gut gehen. Neun kleine Wollknäuel genießen nach eiskalten Tagen und Nächten die milde Temperatur. Übermütig tollen sie herum.

Die Lämmer gehören zum Schafbestand eines ganz besonderen landwirtschaftlichen Betriebs, dem eingetragenen Verein Weidelandschaften, dessen Keimzelle auf siebeneinhalb Hektar am Burenkamp in Osnabrück liegt. Als der Verein sich 2005 gründete, lag auch die Erhaltung alter Nutztierrassen im Fokus, erzählt Vorsitzender Jan-Philip Kunath (46). Die Schafhaltung ist ein Beispiel. Die Schar setzt sich aus vier Rassen zusammen: Bentheimer Landschaf, Bretonischem Zwergschaf, Rauwolligem Pommerschen Landschaf und Ungarischem Zackelschaf. Die Unterschiede sind erkennbar.

Die Pommernschafe tragen ein blaugraues bis bräunliches Vlies, und sind unbehornt. Das Bentheimer hat ein helles Haarkleid mit dunklen Partien um Augen und Ohren. Die Böcke des Bretonischen Zwergschafes tragen Hörner mit einer großen Windung. Das Fell des Zackelschafs ist grob und buschig. Sie tragen gerade, korkenzieherartig gedrehte Hörner, die V-förmig abstehen.

Winterfutter von Grünlandflächen im Stadtgebiet

Zum Tierbestand der Weidelandschaften gehören noch zwei Thüringer Waldziegen und zwei Ponys der englischen Exmoor-Rasse sowie 18 Rinder der Rassen Schottisches Hochlandrind und Rotes Höhenvieh, die die meiste Zeit des Jahres auf Weideflächen im Stadtgebiet stehen.

In diesem Winter hat der Verein die Rinder am Burenkamp zusammengefasst, weil die angestammten Flächen an der Nordstraße (5,5 Hektar), am Rubbenbruchsee und in der Haseniederung in Eversburg stark abgeweidet waren. Am Burenkamp ist das Zufüttern von Heu einfacher und kostengünstiger. Das Winterfutter erntet der Verein auf Grünlandflächen im Stadtgebiet.

Der Verein arbeitet zumeist auf städtischen Naturschutz- und Kompensationsflächen. Insgesamt sind das 25 Hektar, die auf zehn Stellen verteilt sind. Da ist Organisationstalent gefragt. Jan-Philip Kunath ist nicht nur Vorsitzender, sondern auch Projektleiter für viele Natur- und Artenschutzangebote des Vereins, die sich an die Menschen in Stadt und Land wenden. Kindergärten und Grundschulklassen sind häufig zu Gast.

Kunath ist aber auch Spendensammler. Für das Kartoffelprojekt konnte er die Bohnenkamp-Stiftung gewinnen. Sie ermöglicht Kindern, das Wachstum von Sarpo Mira, die gegen Krautfäule resistent ist, Linda, Blauem Schweden, Agria und Bamberger Hörnchen hautnah zu erleben. Im Frühjahr wird die Pflanzkartoffel in den vorbereiteten Boden gelegt, im Sommer Unkraut gehackt und im Herbst geerntet, im offenen Feuer gegart und verkostet. Mit Butter und etwas Salz gegessen, bedeutet das für viele Teilnehmer ein neues Geschmackserlebnis.

Derzeit werden mobile Hühnerställe hergerichtet

Am Burenkamp können Besucher viel entdecken (geöffnet montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr): eine Streuobstwiese, einen Bauerngarten, drei Bienenstöcke und einen Bienenschaukasten, eine Rohbodenfläche als Nistmöglichkeit für bodenbrütende Wildbienen, ein Insektenhotel, eine Schauanbaufläche mit verschiedenen Getreidearten sowie Ackerflächen, die für das Kartoffelprojekt genutzt werden. Diese Vielfalt ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Osnabrück (seit 2009). Teilnehmer einer Arbeitsmarktmaßnahme unterstützen den Verein bei allen anfallenden Arbeiten.

Hergerichtet werden zurzeit die mobilen Hühnerställe für je sechs Hühner. Ihre Bewohner der Rassen Vorwerk, Sundheimer und Westfälische Totleger ziehen im April ein, leben tagsüber im Freiland und legen weiße und braune Eier. Aber auch sonst ist für die elf Mitarbeiter genug zu tun, der Obstbaumschnitt auf den Streuobstwiesen steht an, Zäune und Tränkanlagen auf Weideflächen im Stadtgebiet müssen gewartet werden.

Das Cow-Sharing-Projekt, von der Niedersächsischen Bingo-Stiftung finanziert, beinhaltet die extensive Weidehaltung der Hochland- und Fleischrinder. Die Zuchtherde der Hochlandrinder gehört Teilhabern, die sich ihren Anteil gesichert haben. Dazu gehört auch die Hege und Pflege der Tiere nach einem festen Plan. Sie haben sich in das Projekt eingekauft, der Erlös an Fleischanteilen steht nach dem Schlachten fest. Kunath: „90 Prozent der Teilhaber haben sich fürs nächste Projekt wieder angemeldet.“ Auch die Nachfrage nach Anteilen an Fleischrindern ist ebenfalls hoch. Sie stehen von Mai bis November auf den großen Weiden. Mit dieser extensiven Beweidung will der Verein zum Erhalt ökologisch wertvoller Wiesen- und Weidelandschaften beitragen und damit einer sinkenden Artenvielfalt entgegenwirken.

>> Hier geht es zur Webseite des Vereins Weidelandschaften Osnabrück<<


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