Ballettschule Escaño im Theater Osnabrück Fantastische Reise durch die Geschichte des Balletts

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Osnabrück. Im Theater Osnabrück wurde mit einer Galaveranstaltung „20 Jahre Ballettschule Bettina Escaño“ gefeiert. Mit ihren Schülerinnen hat die Wahl-Osnabrückerin wieder einmal ein zauberhaftes Ballett-Programm einstudiert.

Ein Paneel fährt am Bühnenhintergrund herunter. „Memoria“ ist darauf in kunstvoll gemalten Buchstaben zu lesen. Dann erscheinen sie im effektvoll gesetzten Licht: Elf junge Tänzerinnen, alle weiß gekleidet, betreten die Bühne und zeigen eine Mischung aus klassischen Ballettfiguren und modernem Ausdruckstanz. Mal verharren sie in geradezu akrobatischen Momenten, wenn sie beispielsweise einen stehenden Spagat bilden, dann wieder verbinden sie sich zu enorm starken, pulsierenden Gruppenbildern.

Es ist eine Uraufführung, die Bettina Escaño dem Publikum im voll besetzten Theater Osnabrück zum Geburtstag präsentiert. Mit einer Galaveranstaltung feiert die gebürtige Philippina „20 Jahre Ballettschule Escaño“. Vor 30 Jahren sei sie von New York nach Osnabrück gekommen, um hier an den Städtischen Bühnen einen Job als Tänzerin anzutreten. „Später gründete ich die Ballettschule“, erzählt sie in einem kurzen biografischen Abriss, den sie als Einleitung zu einem hinreißenden Tanzabend nutzt.

Fünf Jahre alt sind die jüngsten Elevinnen, die jetzt zeigen, was sie bei Bettina Escaño gelernt haben, 15 Jahre die älteren Tänzerinnen, die bereits mit dem Gedanken spielen, eine professionelle Ausbildung zu absolvieren. Ästhetisch ist es jedenfalls ein Fest, den Mädchen in ihren farbenfrohen Kostümen zuzuschauen. Alle Zuschauer kommen auf ihre Kosten: Diejenigen, die Freude daran haben, die Kleinen bei Volkstänzen zu beobachten, diejenigen, die die höfischen Tänze des Barock lieben, aber auch Freunde des klassischen Balletts oder die, die den zeitgenössischen Tanz bevorzugen.

Dabei kommt der Humor nicht zu kurz: Wenn Kinderlieder beim Tanzen absichtlich lautstark gebrüllt werden, schallt ein heiteres „Määh!“ durch das Theaterrund. Zu den live von Wladimir Krassmann gespielten Klängen Frederic Chopins zeigen sechs Tänzerinnen in blauen Tutus Auszüge aus „The Concert“, einer Choreographie von Jerome Robbins, in die absichtlich diverse Patzer eingebaut sind und daher auch „Fehler-Walzer“ genannt wird. Einfach köstlich, wie die Harmonie der Figuren von schusseligen Elevinnen vermasselt wird.

Von historischen Tänzen und Charaktertänzen geht die Reise durch die Geschichte des Balletts über Ausschnitte aus dem „Sommernachtstraum“ bis hin zu ernsten, nachdenklich machenden, zeitgenössischen Choreografien. Mit „Shalom“ plädiert das Ensemble beeindruckend für die Befreiung der Frau, vor allem in arabischen geprägten Ländern. In der Ankündigung des Stücks erinnert Bettina Escaño daran, dass mit Geldern, die die Schule bei Benefizveranstaltungen gesammelt hat, in Kooperation mit dem Afghanischen Frauenverein in Afghanistan ein Brunnen gebaut werden konnte.

„Zeit ist“ heißt derweil ein beeindruckendes, modernes Stück von Gisela Peters-Rohse, das zum penetranten Tick-Tack eines Weckers den Drill und die Zwänge visualisiert, denen Kinder ausgesetzt sind. „Lasst uns Zeit“ formulieren sie lautstark ihren Wunsch nach mehr Freiheit in ihrer Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen.

Mit stehenden Ovationen bedankt sich das Publikum nach einer fantastischen Gala, die mit der Uraufführung von „Memoria“ endet,  ausgiebig bei den vielen Mitwirkenden - vor allem bei den Schülerinnen, die für die Veranstaltung viel Freizeit geopfert haben.


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