Niedersachsen-Technikum 2017/18 Junge Frauen schnuppern in technische Berufe

Von Steffen Siekmeier

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Als zwei von 33 Niedersachsen-Technikantinnen des Jahrgangs 2017/18 erhielten Ines Niehoff (links) und Marie Stapenhorst  einen intensiven Einblick in einen technischen Beruf. Foto: Michael GründelAls zwei von 33 Niedersachsen-Technikantinnen des Jahrgangs 2017/18 erhielten Ines Niehoff (links) und Marie Stapenhorst einen intensiven Einblick in einen technischen Beruf. Foto: Michael Gründel

stsi Osnabrück . Vom Mini-Computer für Azubis bis zum Fließschema für die Gewürzverarbeitung: 33 Abiturientinnen und Fachabiturientinnen haben seit September 2017 ein Niedersachsen-Technikum durchlaufen. Das Osnabrücker Kooperationsprogramm von Hochschulen, Universitäten und Unternehmen will junge Frauen für technische Berufe begeistern – inklusive eigener Projekte.

Noch immer dominieren Männer die Berufe und Studiengänge in den Bereichen Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – kurz Mint. Die sogenannten Technikantinnen beweisen, dass sich Frauen hier nicht zu verstecken brauchen. Bereits zum achten Mal haben sich Hochschule und Universität Osnabrück gemeinsam mit 27 Unternehmen der Region an diesem Berufsorientierungsprojekt beteiligt. Es bietet den Teilnehmerinnen ein vergütetes Industriepraktikum und parallel dazu ein Schnupperstudium.

Entscheidungshilfe fürs Leben

Marie Stapenhorst zum Beispiel hat ihr Technikum bei den AVO-Werken in Belm absolviert. Viermal in der Woche war sie während der sechs Monate bei dem Unternehmen für Gewürzverarbeitung und durfte dabei nicht nur die grundlegende Unternehmensstruktur kennenlernen, sondern auch intensiv mitarbeiten. Für den Mühlenturm, in dem Gewürze gereinigt, gemahlen, geschält und gemischt werden, habe sie ein neues Fließschema erstellt und sei dafür auch „durch das Mühlengebäude gekrabbelt“, berichtet Stapenhorst. Sie habe schon immer den Gedanken gehabt, „etwas Richtung Technik“ zu machen. „Das Niedersachsen-Technikum hat mich darin bestärkt.“ Jetzt will Stapenhorst Wirtschafts- oder Chemieingenieurwesen studieren.

Ines Niehoff hat dagegen andere Pläne. Sie möchte ein duales Studium im Bereich Pflege beginnen. Trotzdem sei das Niedersachsen-Technikum eine gute Erfahrung gewesen – auch um heraus zu finden, was sie später nicht machen wolle. Ihr Unternehmen war Meurer Verpackungssysteme in Fürstenau. Gemeinsam mit den Auszubildenden besuchte sie zunächst die Lehrwerkstatt, um den Umgang mit unterschiedlichen Werkzeugen zu erlernen, Schaltschränke zu bauen oder Probeläufe neuer Maschinen und Fließbänder zu begleiten. In den letzten Projektwochen habe sie einen Mini-Rechner konzipiert, der kommenden Azubis die grundlegende Funktionsweise eines Computers verdeutlichen könne, erklärt Niehoff.

Beteiligte ziehen positives Fazit

Wie Stapenhorst besuchte auch sie während der sechs Monate bereits eine fachbezogene Vorlesung an der Hochschule oder Universität in Osnabrück. Für alle Technikantinnen bestand die Möglichkeit, die jeweilige Prüfung mitzuschreiben und sich die Punkte bei Beginn eines fachverwandten Studiums anrechnen zu lassen.

Auch die beteiligten Firmen sind beeindruckt von den jungen Mitarbeiterinnen. Der zuständige Ausbildungsleiter habe deshalb mehrmals versucht, Niehoff auch zukünftig für das Berufsfeld zu begeistern, sagt Saskia Adam von der Firma Meurer. Christoph Schmedt von den AVO-Werken betont: „Frau Stapenhorst hat super Ergebnisse geliefert.“

Programm in Osnabrück entwickelt

Das Niedersachsen-Technikum besteht seit 2010. Nach einer zweijährigen Pilotphase an der Hochschule Osnabrück beteiligen sich neun niedersächsische Hochschulen und rund 100 Unternehmen an dem Projekt. Insgesamt haben bereits 600 junge Frauen das Niedersachsen-Technikum absolviert. „Mehr als 90 Prozent der Technikantinnen nehmen später ein Studium oder eine Ausbildung im Mint-Feld auf“, erklärt Professorin Barbara Schwarze, die das Berufsorientierungsprojekt initiiert hat und leitet. Aber auch in anderen Branchen schreiten Technik und Digitalisierung immer weiter voran. Deshalb sei die Teilnahme am Technikum immer eine lohnende Erfahrung.

Andere Bundesländer hätten das Prinzip bereits übernommen, auch das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstütze das Programm. Es seien viele Unternehmen dabei, die bis dato kaum oder keine Frauen beschäftigten. Schwarze: „Da verändert sich natürlich auch die Sicht im Unternehmen.“


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