Besuch bei Apple-Chef Tim Cook Osnabrücker Schüler programmiert Spieleapp

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Osnabrück. Er ist 15 Jahre alt und kennt sich mit Computern aus. Lennart Otte aus Osnabrück programmiert leidenschaftlich gerne. Sein Talent hat ihn zum Apple-Konzern nach Kalifornien gebracht.

Lennart Otte wischt mit dem Finger über den Bildschirm seines Smartphones. Er steuert eine kleine Kugel durch ein Labyrinth. Monster und rote Pfützen lauern auf die Kugel, ihnen muss man ausweichen, sonst wird sie aufgefressen oder geht unter.

Das Spiel hat Lennart selbst programmiert. „Ein Freund von mir hat die Grafiken erstellt. Er kann malen und ich kann programmieren – das ist der Unterschied zwischen uns“, sagt der 15-jährige Osnabrücker. Vor ihm auf dem Schreibtisch stehen ein Laptop und ein großer Bildschirm, der bunten Buchstabensalat anzeigt: Programmiersprache.

Seine Programmierkünste haben Lennart im vergangenen Jahr nach Kalifornien zum Apple-Konzern gebracht. Dort hat er an der WWDC, der Worldwide Developers Conference, teilgenommen. Die Entwicklerkonferenz von Apple findet jedes Jahr im kalifornischen San José statt. Viele Technikfans kennen die Konferenz, denn dort stellt Apple Chef Tim Cook immer die neuesten Errungenschaften des Konzerns vor. Lennart durfte live dabei sein. „Die Atmosphäre war schon beeindruckend. Ich habe Tim Cook von Weitem gesehen und Michelle Obama war auch da“, sagt der 15-Jährige und schwärmt: „Das war echt toll.“

Auf Augenhöhe

Doch mehr noch als Tim Cook begeistern ihn die Entwickler des Konzerns: „Sie machen ja die eigentliche Arbeit, damit die Geräte das können, was sie heute können. Das ist für mich sehr faszinierend.“ Während des Aufenthalts hatte Lennart auch die Möglichkeit mit den Entwicklern zu sprechen. Die Apple-Techniker seien dabei weder überheblich noch arrogant gewesen, sie haben dem 15-jährigen Osnabrücker geduldig seine Fragen beantwortet. „Die waren alle sehr locker und die Atmosphäre war total entspannt. Das hat es mir einfach gemacht Fragen zu stellen. Man ist sich auf Augenhöhe begegnet“, berichtet Lennart. Dabei habe er viel gelernt.

Rund 350 Stipendiaten dabei

Doch wie kommt ein 15-jähriger Schüler aus Osnabrück eigentlich nach Kalifornien zu Apple? Lennart hatte sich vor rund einem Jahr für das Stipendium bei Apple beworben. Das Unternehmen bietet diese Möglichkeit jedes Jahr an. „Rund 350 Stipendiaten haben im letzten Jahr teilgenommen. Beworben haben sich noch mehr, doch dazu gibt es keine genauen Zahlen von Apple“, erzählt er. Sie kommen aus der ganzen Welt und verbringen eine Woche in den USA bei der WWDC. In kleinen Gruppen erkunden sie das Gelände und tauschen sich aus. „Das ist total hilfreich. Wir haben heute noch Kontakt, und wenn ich mal zu irgendwas eine Frage habe, dann schreibe ich sie an“, sagt der 15-Jährige. Die Altersstufen sind ganz gemischt: Von acht bis 82 Jahre waren Leute dabei, sagt Lennart. Auch in diesem Jahr will er wieder nach Kalifornien fliegen. Die Bewerbungsphase geht bald los. „Man bekommt eine Aufgabe gestellt und hat 30 Tage Zeit etwas zu programmieren.“

Talent und Begabung

Mit Schule hat das alles nichts zu tun. Das macht er freiwillig, denn Programmieren ist seine Leidenschaft. Zwei bis drei Stunden sitzt er täglich am Rechner und probiert sich aus. Natürlich sei sie stolz auf ihren Sohn. „Es ist bei ihm Begabung und Talent. Das kann man nicht erlernen“, sagt seine Mutter Christa.

Das Thema künstliche Intelligenz interessiert ihn besonders. Er hat sein Smartphone so programmiert, dass es mitdenken kann – nicht wie ein Mensch, aber ein bisschen immerhin. Lennart hält seine Daumen vor die Linse des Telefons. „Thumbs up - Daumen hoch“, sagt das Telefon und erkennt die Geste. Genauso, wenn er den Daumen nach unten hält. „Ja, das ist künstliche Intelligenz. Das Smartphone erkennt selbstständig etwas“, sagt er. Gruselig findet er die Entwicklung nicht, eher spannend. Er könne sich in Zukunft auch Kontaktlinsen vorstellen, die durch künstliche Intelligenz gesteuert werden. „Man kann ja heute bereits Insekten mit Implantaten steuern“, sagt Lennart. Einen Chip implantieren, wie in der Science-Fiction-Serie „Black Mirror“, der das gesamte Leben zum Beispiel speichert, soweit würde er aber nicht gehen wollen.

Zur Computertechnik kam Lennart durch einen Freund. Der konnte bereits programmieren und steckte ihn mit der Begeisterung dafür an. „Durch ihn habe ich Programmiersprachen wie Swift und Golang gelernt. In den vergangenen Jahren habe ich mich da auf jeden Fall sehr weiterentwickelt“, sagt er. Und die Entwicklung geht so weit, dass der 15-Jährige für seine Lehrer eine übersichtliche Vertretungsplan-App programmiert hat. Das Wirrwarr aus unübersichtlichen Tabellen und Namen konnte er sich nicht mit ansehen.

Apple übernimmt an Schulen

Schule ist sowieso so ein Thema. Denn wenn Lennart den Computerraum betritt, dann ist es, als öffne sich eine andere Welt. Veraltete Rechner, die drei Minuten brauchen, bis sie hochgefahren sind, Overheadprojektoren. „Schule müsste in diesem Bereich viel mehr machen. Unternehmen wie Apple übernehmen schon jetzt die Aufgaben von Schulen und Unis“, sagt er. Erst Ende Januar kündigte Apple an, die Bildungsinitiative „Jeder kann programmieren“ auch auf Europa auszuweiten. An 70 Schulen, Hochschulen und Unis in Europa soll laut dpa ein von Apple entwickelter Lehrplan eingeführt werden.

Erst mal Abi machen

Lennart macht 2019 erst einmal sein Abitur in Osnabrück, er hat eine Klasse übersprungen. „Der Uniabschluss wird in diesem Bereich nicht mehr so wichtig, weil sich einfach so viel so schnell verändert.“ Trotzdem möcht er gerne studieren, am liebsten in Cambridge. Die Uni sei im Bereich IT gut aufgestellt. Einen Job bei Apple würde er aber auch nicht ablehnen. Doch wer denkt, der 15-Jährige habe nur Computer im Kopf, irrt. Mit seinem Golden-Retriever-Rüden Toni verbringt er viel Zeit. Nebenbei spielt er noch Schlagzeug, Tischtennis und Badminton.


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