Konzert im Dom Schlichte Chorklänge zur Passion

Von Jan Kampmeier

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Imposant: Passionskonzert der Domchöre unter Begleitung der Neuen Hofkapelle im Dom Osnabrück. Foto: David EbenerImposant: Passionskonzert der Domchöre unter Begleitung der Neuen Hofkapelle im Dom Osnabrück. Foto: David Ebener

Osnabrück. Der Osnabrücker Jugendchor, Knabenchor und Mädchenkantorei am Dom sowie die Neue Hofkapelle Osnabrück spielten unter Julia Arlings Leitung Pergolesis berühmtes Stabat mater.

Als kontinuierliche Steigerung war das Passionskonzert am Samstag im Dom angelegt: Bevor Jugendchor, Knabenchor, Mädchenkantorei und Neue Hofkapelle Osnabrück am Ende zusammen Pergolesis Stabat mater musizierten, war der Jugendchor a cappella mit drei Responsorien von Zelenka an der Reihe und ganz zu Beginn die Männerstimmen des Jugendchors alleine. Nur elf Sänger inklusive Domchordirektor Clemens Breitschaft, der hier nicht dirigiert, sondern selbst mitsingt, interpretieren drei Motetten von Bartolomeo Menegali, Michael Praetorius und Samuel Wesley: Im Ausdruck stark zurückgenommen und schlicht leiten die sehr kurzen Stücke das Konzert ein.

In drei schon deutlich größer dimensionierten Responsorien Jan Dismas Zelenkas nimmt Clemens Breitschaft seinen Platz am Dirigentenpult ein, dennoch verdreifacht sich der Chor, denn nun kommen die Frauenstimmen hinzu. Ansprechend wie immer klingt der Osnabrücker Jugendchor in diesen Werken, die, obwohl Zelenka sehr ähnliche Lebensdaten hatte, zu den Motetten Johann Sebastian Bachs keinerlei Ähnlichkeiten aufweisen. Dynamisch werden die drei ausgewählten Stücke schon wesentlich bewegter gesungen als zuvor die Beiträge der Herren, wenngleich insgesamt noch immer schlicht.

Für Giovanni Battista Pergolesis Stabat mater tritt Domkantorin Julia Arling ans Dirigentenpult, außerdem verlassen die Herren den Chor, denn Pergolesi schrieb sein Werk nur für Frauenstimmen. Eigentlich sogar für zwei Solistinnen, doch die chorische Besetzung funktioniert wunderbar, zumal in Kombination mit der Neuen Hofkapelle Osnabrück. Die klingt schon in der Einleitung sehr weich, später wird der Chor klanglich nie erdrückt, und die Streicher orientieren sich in der Gestaltung offenbar genau an den Singstimmen. Die wiederum, nun durch die jüngeren Knaben und Mädchen unterstützt, klingen sauber und strahlend, auch die Besetzung der Soloarien mit je fünf Sängerinnen des Jugendchores erweist sich klanglich als gelungene Lösung. Julia Arling ist mit den Tempi oft auf der flotten Seite, was zusammen mit der beschwingten Phrasierung im Altsolo „quae maerebat et dolebat“ etwas zu fröhlich klingt, doch auf jeden Fall animiert sie ihre Sängerinnen von allen Werken des Programms hier zur lebhaftesten Gestaltung der Affekte, wozu die Komposition ja auch reichlich Gelegenheit bietet. Dennoch verliert der Klang nie seine Form, wird nie schrill oder aggressiv, sondern bleibt stets rund und zart.


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