NOZ-Reporter war mit an Bord Mit dem Fernbus nach Berlin

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Osnabrück. Es klingt ein wenig nach den neuen Königen der Straße: W-Lan sollen die Luxusbusse haben, über großzügige Beinfreiheit verfügen sowie eine Snackbar mit kühlen und heißen Getränken. Erstmals ist am Donnerstag „Mein Fernbus“ von Osnabrück nach Berlin gefahren. Unser Redakteur Fabian Löhe war bei der Premierenfahrt mit an Board und hat Reisetagebuch geführt - über Komfort, Pünktlichkeit und die anderen Fahrgäste.

Die Busfahrt erinnert ein wenig an eine Klassefahrt aus alten Tagen: Der Busfahrer ist der unumstrittene „Herr im Ring“, Freundschaften werden schnell geschlossen und die Coolen sitzen natürlich hinten „auf der Rutsche“.

Aber alles der Reihe nach: Der Fernbus hat Osnabrück mit exakt 30 Minuten Verspätung verlassen. Der Grund: Die beiden Busfahrer haben sich auf dem Weg nach Osnabrück verfahren und waren zwischenzeitlich auf dem Weg nach Georgsmarienhütte. Dafür gibt es zur Begrüßung einen Zitronenkuchen am Stiel mit Apfel und Mandel - hergestellt in Berlin, dem Reiseziel.

Die Premierenfahrt führt über Bad Oeynhausen und Hannover, Melle und Bünde sind lediglich Bedarfshalte. Die Fahrt in die Hauptstadt gibt es ab 22 Euro. Bei der Deutschen Bahn werden 37 Euro fällig. Und das auch nur bei einer Bahncard 50, sonst kann der Preis auf bis zu 98 Euro steigen. Wenn der Reisende rechtzeitig bucht, sind aber auch günstigere Sparangebote der Bahn zu erhaschen.*

Das System der Überlandbusse ist vor allem in den USA sehr beliebt. Dort genießen die riesigen Gefährte der Greyhound-Linie Kultstatus. Seit 1914 schon befördern die Busse mit dem springenden Windhund ihre Fahrgäste im Zweifel Tausende Kilometer weit durch das weit gestreckte Land.

Die Verspätung von 45 Minuten holt der Bus locker wieder ein: Kurzerhand wird einfach eine Pause weggelassen - ein dicker Vorteil im Vergleich zur Bahn: Hier sind zwei Fahrer mit dabei, die sich abwechseln können.

Ein junges Pärchen hat sich in die Ecke hinten rechts verkrümelt. Er trägt lediglich ein weißes Unterhemd, sie ein Piercing. Beide sind noch keine zwanzig - und knutschen die ganze Zeit miteinander rum. Beim Blickkontakt mit anderen Fahrgästen lächeln sie. Ertappt, aber auch stolz.

An Bord gibt es zwar auch Snacks und kühles Bier. Doch die meisten der jungen Fahrgäste, viele von ihnen Studenten, halten sich lieber an ihre mitgebrachten Speisen und Getränke. So gibt es Milchreis aus einer grünen Tupper-Dose, frische Pfirsiche - und natürlich Burger von McDonalds. Die Schokoriegel diverser Sorten kosten alle 1,00 Euro, Getränke in der Regel 1,50. Nur der französische Sekt kostet 2,50 und der „Waldulmer Rotwein“ schlägt mit drei Euro zu Buche.

Die Reisenden gehen meist einer Kombination aus drei Hauptbeschäftigungen nach: Musikhören, Lesen, Schlafen. Wer will, kommt jedoch schnell mit seinen bislang unbekannten Nachbarn ins Gespräch. Mit dem Laptop arbeitet hier, anders als im ICE, niemand.

Die Toilette ist so klein, dass es schwerfällt, sich umzudrehen. „Sitztoilette. Auch beim Wasserlassen (pinkeln). Bitte!!! Euer Busfahrer“, steht flehend und zugleich befehlend an der Türinnenseite. Gespült wird durch ein Fußpedal, das einigen Kraftaufwand verlangt. Und der Bus fährt weiter und weiter... Stau gibt es keinen, dafür aber zähfließenden Verkehr. Einige Mitreisende machen wieder ein Nickerchen.

Kurz vor halb zehn ertönt plötzlich der Lautsprecher. Der Busfahrer meldet sich zu Wort: „Der Fernsehturm ist jetzt in Sicht. Das ist ein gutes Zeichen!“ Rund 15 Minuten später erreicht der Bus den Omnibusbahnhof im Westen Berlins. Die Fahrgäste müssen nun selbst schauen, wie sie weiter in die Innenstadt kommen. Und halt: Nur nichts liegenlassen! „Nehmen Sie alles mit, was Sie in den Bus hineingetragen haben“, bittet der Fahrer. „Vielen Dank und gute Nacht“, sagt er noch. Auch die Gäste danken. Alle sind sich einig, sie würden den Bus wieder nehmen. Zeit muss man mitbringen, dafür aber (relativ) wenig Geld!

*Sparangebote wurden in dem Text zunächst nicht berücksichtigt.


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