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Ist Osnabrück heute besser gegen Hochwasser gerüstet?Ein Jahr nach der großen Flut Ein Jahr nach der großen FlutOsnabrück und das Hochwasser: Ist die Stadt heute besser gerüstet

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Osnabrück. Vielen Osnabrückern standen die Tränen in den Augen, als sie ihr durchnässtes Hab und Gut sahen. Innerhalb von wenigen Stunden hatte das Wasser alles zerstört, was ihm in die Quere kam. Geflutete Kellerräume und Wohnzimmer, Autos, in denen das Wasser stand, und über allem eine stinkende Brühe aus der Kanalisation. Einige Stadtteile hatten tagelang kein heißes Wasser. Zeitweise war sogar der Strom ausgefallen.

Oberbürgermeister Boris Pistorius löste am 27. August 2010 um 4 Uhr in der Früh den Katastrophenalarm für die Stadt Osnabrück aus. Tief „Cathleen“ brachte heftigen Dauerregen, ließ Flüsse über die Ufer treten und flutete Straßen und Keller der Stadt. Vor einem Jahr herrschte in Osnabrück der Ausnahmezustand. Regen ist die Region gewohnt, aber diese Wassermassen überraschten alle.

„Vor einem Jahr hatten wir 150 Liter Niederschlag in 40 Stunden. Das ist die doppelte Niederschlagsmenge eines Monats“, berichtet Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Umwelt heute. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia fiel in Osnabrück an einem Tag so viel Regen wie seit 100 Jahren nicht mehr. Schnell stiegen die Wasserstände von Düte und Hase. Die Fluten traten über die Ufer.

Der Stadtteil Hellern war ganz besonders von dem Hochwasser betroffen. Die Schäden gingen in die Millionen. „Bei uns stand das Wasser 1,50 Meter hoch im Keller, nichts war mehr zu gebrauchen, alles musste weg“, erinnert sich Silke Kuchemüller aus Hellern. Erst vor sechs Wochen konnten einige Keller in Hellern fertig renoviert werden. Die Räume waren immer noch nicht trocken.

Die Stadt Osnabrück hat aus dem Hochwasser Lehren gezogen. Zwar hat „der Ablauf zwischen Bundeswehr, Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk und der Polizei optimal funktioniert“, sagt Jürgen Knabenschuh, Branddirektor der Stadt Osnabrück, trotzdem gebe es immer noch etwas zu verbessern.

Hochleistungspumpe

„Wir hatten vor einem Jahr rund 500 Anrufe in der Stunde, das war organisatorisch schwer“, sagt der Branddirektor. Er und sein Team haben daraufhin ein System entwickelt, um die Anrufe nach Wichtigkeit filtern zu können. Die Berufsfeuerwehr wurde mittlerweile auch mit einer Hochleistungspumpe ausgestattet. Vor einem Jahr musste die Feuerwehr aus Emden die Pumpe zum Katastropheneinsatz mitbringen.

„Technisch sind wir für ein Hochwasser jetzt besser gerüstet“, sagt Knabenschuh. Die Stadt will vor allem die Bürger besser über Hochwasserschutz informieren. „Die Vorsorge des Einzelnen ist das Wichtigste“, betont Gerdts. Unterstützung hat sich Osnabrück dabei von der Hansestadt Hamburg geholt, sie hat Erfahrung mit Hochwasser. In Hamburg gibt es eine Broschüre, die Hausbesitzer darüber informiert, wie sie ihr Haus vor Hochwasser schützen können.

„Es ist sinnvoll, sein eigenes Haus zu sichern“, sagt Gerdts und nennt Möglichkeiten: Rückstauventile, damit das Wasser nicht durch die Kanalisation in den Keller gedrückt wird, technische Geräte wie Waschmaschinen aus dem Keller verbannen oder erhöht aufstellen und Öltanks in der Decke verankern. Die Broschüre aus Hamburg wird die Stadt Osnabrück an alle Bewohner, die in einem Überschwemmungsgebiet leben, versenden. „Wir haben zudem einen neuen Service auf unserer Homepage, der seit dieser Woche aktiv ist“, sagt der Leiter des Fachbereichs Umwelt.

Hier können Bürger anhand einer Karte überprüfen, ob sie in einem Überschwemmungsgebiet wohnen und wie gefährdet ihr Haus ist. Es soll zukünftig auch ein Frühwarnsystem geben, das Bewohner in Überschwemmungsgebieten rechtzeitig per SMS warnt. „Da müssen wir aber noch schauen, wie wir das technisch hinkriegen“, bemerkt Gerdts. Trotz aller Vorkehrungen und allem technischen Wissen: „Natürlich sind wir nicht generell vor Hochwasser gefeit. Aber wir sind besser vorbereitet“, sagt Wolfgang Griesert, Vorstand für Städtebau, Umwelt, Feuerwehr und Ordnung.

Neues Frühwarnsystem

Viele Bewohner der Überschwemmungsgebiete mussten ihre Häuser aus eigener Tasche renovieren und das zerstörte Inventar ersetzen. „Die Versicherung hat nichts gezahlt, man muss eine Extra-Elementarversicherung haben“, sagt Silke Kuchemüller. Diese deckt alle Überschwemmungsschäden ab. „Es ist sinnvoll, sich versichern zu lassen“, empfiehlt Detlef Gerdts den Osnabrückern. Vergessen ist das Hochwasser noch lange nicht: Wenn es einmal wieder besonders stark regnet in Osnabrück, kommen die Erinnerungen auch bei Silke Kuchemüller wieder. „Dann sagt man sich: Wisst ihr noch, vor einem Jahr?“

Informationen der Stadt Osnabrück zum Hochwasserschutz: www.osnabrueck. de/gruenumwelt/ 72088. asp


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