Studentin: Meine Ideen Plagiatsvorwurf um Osnabrücker „Ringlok-Park“

Von Michael Schwager

Seine Pläne für einen Ringlok-Park präsentierte jetzt Robert Seidler, der für die Osnabrücker FDP ins Rennen um die Position des Oberbürgermeisters gegangen ist. Die Osnabrücker Studentin Romina Koers sagt: Die Ideen seien bei ihr abgekupfert. Seidler weist das zurück. Foto: Michael SchwagerSeine Pläne für einen Ringlok-Park präsentierte jetzt Robert Seidler, der für die Osnabrücker FDP ins Rennen um die Position des Oberbürgermeisters gegangen ist. Die Osnabrücker Studentin Romina Koers sagt: Die Ideen seien bei ihr abgekupfert. Seidler weist das zurück. Foto: Michael Schwager

Osnabrück. Wer hat‘s erfunden? In dieser Frage gibt es nicht nur bei Kräuterbonbons gelegentlich unterschiedliche Auffassungen. Was den jetzt von Robert Seidler ins Gespräch gebrachten Ringlok-Park in Osnabrück angeht, beansprucht Romina Koers das Urheberrecht.

Vor etwa sechs Wochen hatte Romina Koers ihre Bachelorarbeit im Studienfach Freiraumplanung an der Hochschule Osnabrück mit dem Thema „Neuplanung des ehemaligen Güterbahnhofs Osnabrück“ bei ihrem Professor Jürgen Milchert abgegeben. Außerdem habe sie ihre Ideen bei Kalla Wefels Heimatabend am 30. Juni in der Lagerhalle öffentlich vorgestellt.

Seidler, Oberbürgermeisterkandidat der FDP , weist den Plagiatsvorwurf zurück. In einem Brief an Romina Koers schreibt er: „Bereits in meiner Zeit als Bürgermeister 2001/2002 habe ich in diesem Sinne Gespräche mit der Eigentümerin der Flächen geführt, einer Tochter-Gesellschaft der Bahn.“ Diese Gespräche seien damals beendet worden, weil er im Juni 2002 aus dem Rat ausgeschieden ist. Danach habe sich darum niemand mehr gekümmert. Seine Ideen habe er bei seiner Kandidatenvorstellung im Mai, also zirka fünf Wochen vor Koers’ erstmaliger Präsentation, aktualisiert und die Grundzüge seiner Vorstellungen gegenüber der Presse dargestellt. Die grafische Umsetzung habe sich dann zum Teil urlaubsbedingt etwas verzögert.

Koers konstatiert aber erstaunliche Ähnlichkeiten zwischen Seidlers „Ringlok-Park“ und ihrer Arbeit: „Die Arbeit enthält bereits ein von mir entworfenes Konzept zu einer alternativen Nutzung des Güterbahnhofs Osnabrück. Dieses findet sich in großen Teilen bei Herrn Seidlers und Herrn Gusts geschilderten Ideen wieder.“ Insbesondere die multifunktionale Parkfläche, das Freilufttheater, der Großraumspielplatz, die Skate-Anlage, die öffentlichen Gemeinschaftsgärten, die Gehölzpflanzungen als Abgrenzung zur Industriefläche und der Beachvolleyballplatz hätten erstaunliche Ähnlichkeiten mit den Entwürfen der Studentin. Sie bedauert, dass Seidler dem Freiraum Petersburg im Gegensatz zu ihr keinen freien Raum gebe, obwohl der Verein bereits Gemeinschaftsgärten auf dem Gebiet angelegt hat und den Güterbahnhof soweit möglich kulturell nutzt.

Falls Seidler weitere Inspiration brauche, finde er ihre Arbeit in der Hochschulbibliothek in Haste ausgelegt. Koers: „Außerdem werden sich die Kiez AG und der Freiraum Petersburg sicherlich über einen Ideenaustausch freuen.“

Den zweiten Vorschlag greift Seidler in seinem Antwortschreiben an Koers auf: „Ich lade Sie gerne ein, dass wir darüber ein gemeinsames Gespräch führen können, denn offensichtlich verfolgen wir gleichartige Ziele.“ Außerdem spricht sich der FDP-OB-Kandidat dafür aus, dass die Initiativen erhalten bleiben sollen. Dazu gebe es zwei Möglichkeiten: entweder an bisheriger Stelle. Er halte jedoch die räumliche Integration in den Ringlokschuppen für besser.

Unterdessen teilt die SPD-Ratsfraktion mit, dass sie unabhängig von der Urheberschaftsfrage das ganze Projekt für abwegig hält. SPD-Fraktionsvorsitzender Frank Henning und Ulrich Hus, Sprecher der Rats-SPD im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt, sind irritiert: Seidlers Argument eines drohenden „Verkehrsinfarktes“ werde durch das von der Verwaltung bereits entwickelte Verkehrskonzept entkräftet. Der durch den Freizeitpark verursachte Mehrverkehr dürfte nach allen Erfahrungen größer sein als der durch ein Gewerbegebiet entstehende. Interessant sei auch, dass der FDP-OB-Kandidat mit seinen Plänen im Widerspruch zur FDP-Ratsfraktion steht, die stets den Mangel an Gewerbeflächen in Osnabrück beklage.


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