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Teilzeit-Oma in Phnom Penh Osnabrückerin ging für sechs Monate als Granny Aupair nach Kambodscha

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Unterwegs in Kambodscha: Belinda Abraham, Armand und Ursula Bergfeld fahren mit dem Bambus-Zug. Foto: privatUnterwegs in Kambodscha: Belinda Abraham, Armand und Ursula Bergfeld fahren mit dem Bambus-Zug. Foto: privat

msb/pm Osnabrück. Au-pair sind meist junge Frauen und Männer, die eine Zeit lang in einer Gastfamilie Kinder betreuen. Ursula Bergfeld hat ein halbes Jahr als Au-pair in Kambodscha gearbeitet. Sie ist 63 Jahre alt.

Wenn Ursula Bergfeld von Kambodscha und seinen freundlichen Menschen spricht, ist sie begeistert. Sechs Monate hat sie in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh verbracht. Wie in Osnabrück trug sie dort oft einen Schirm und eine Kappe bei sich – doch war das dort ein Sonnen-, kein Regenschutz. Zwischen Millionen von Menschen hat sie gelebt, in einem Stadtviertel ganz nahe am Fluss Mekong.

Jeden Morgen hat sie aus ihrem Fenster geschaut und gesehen, wie sich der Fluss träge in seinem Bett durch die Metropole wälzte. Ihr Blick ging über die Dächer des Königspalastes und die Pagoden, die in der Sonne golden schimmern. Mit den Händen zeichnet sie deren Formen nach, während sie erzählt, und es wird klar, wie viel ihr das halbe Jahr gegeben hat.

Die Entscheidung dazu sei im Bruchteil einer Sekunde gefallen, erzählt Bergfeld. Im Fernsehen hatte sie durch Zufall das Ende eines Berichts über die Organisation Granny-Au-pair gesehen. Das wenige, was sie sah, reichte ihr: „Ich habe sofort gedacht: Das ist es, was du suchst.“ Sie meldete sich an. Wenige Wochen später traf sie ihre Gastfamilie zum ersten Mal in Hannover. Schon nach diesem Treffen sei ihr klar gewesen, dass es funktionieren würde: mit ihr und Armand, dem zweijährigen Sohn der Familie, den sie in Kambodscha betreuen sollte, mit dessen amerikanischer Mutter, die als UNICEF-Mitarbeiterin in Phnom Penh wirkt, und mit dem deutschen Vater, der zurzeit in Frankfurt arbeitet und so oft wie möglich zu seiner Familie fliegt.

Von Anfang Mai bis Ende November war Bergfeld nun Teilzeit-Oma für den jungen Armand. Sie spielte mit ihm, bereitete ihm das Essen, sie sangen gemeinsam, und sie brachte ihn zum Kindergarten. „Was ich ihm gegeben habe, war Ruhe, Geborgenheit und Liebe“, sagt Bergfeld. Eine Teilzeit-Großmutter erschien den Eltern verlässlicher, erfahrener und ausgeglichener als ein Au-pair-Mädchen. Denn die Aufgabe fordert Hingabe. Man müsse sich anpassen können, sagt Bergfeld, auf Mutter und Sohn eingehen können – und das alles intensiv. „Ich habe das bei Armand gemacht, wie ich es bei einem eigenen Enkel getan hätte“, sagt sie. Es funktionierte. Als Bergfeld in den Flieger nach Deutschland stieg, weinte Armand.

In ein paar Jahren, mutmaßt Bergfeld, werde sie für Armand nur noch die Frau auf den alten Fotos sein. Sie selbst habe das halbe Jahr bereichert, sagt sie. „Selbst bei einem Trekkingurlaub geht man immer den geraden Weg, aber man bekommt nie den Familienkontakt.“


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