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Zugfahrt als Inspiration Ölbilder von Franziska Finke in der Uni-Mensa in Osnabrück

Von Tom Bullmann

<em>Studentin der Kunstgeschichte Franziska Finke mit einem ihrer Gemälde</em>
            

            

              Foto: Michael HehmannStudentin der Kunstgeschichte Franziska Finke mit einem ihrer Gemälde Foto: Michael Hehmann

Osnabrück. Franziska Finke widersetzt sich der Schwerkraft. Die Farbschlieren in ihren Bildern laufen in alle Richtungen, manchmal sogar, wie es normalerweise sein sollte, senkrecht nach unten.

Da sie ihre Leinwände während des Herstellungsprozesses dreht, kippt, manchmal sogar auf den Boden des Ateliers legt, so wie es einst Jackson Pollock praktizierte, gibt es keinen Horizont, das Oben und Unten wird von der Künstlerin festgelegt.

Action Painting oder Drip Painting betreibt Franziska Finke. Das Dripping, das Tropfen der Farben, das verschwenderische Schütten und Spritzen auf die Leinwand mit dem Effekt, dass der Zufall die Komposition mitbestimmt, hat sich die Studentin der Kunstgeschichte und der Kunst zueigen gemacht. Allerdings handelt es sich bei ihr um eine kontrollierte Aktion, die sich nicht ausschließlich der expressiven Dynamik hingibt. So schichtet sie diverse Farbaufträge übereinander, eliminiert beispielsweise dunkelblaue Flächen durch sukzessive Lasierung, bis eine lichte Komposition entsteht, die von Tiefe bestimmt ist und das Dunkle nur noch ahnen lässt. Bisweilen greift sie auch zu einem Pinsel, um Konturen zu betonen. So entstehen großformatige Arbeiten, die zur intuitiven Betrachtung einladen. Und zu bestimmten Assoziationen verführen: „Die Bilder sind von meinem Blick aus dem Fenster eines Zuges inspiriert, der durch den Regen fährt“, sagt die Künstlerin aus Bad Salzuflen.

Einige der Bilder, die sie mit selbst gefertigten Ölfarben malt, produzierte sie für eine Prüfung, die sie im Rahmen ihres Bachelorstudiums abgelegt hat: „Gegenstandslose Farbräume“ lautete das Thema, dem sie mit ihrer Reihe „Licht und Schatten“ begegnete.

Allerdings stellt man schnell fest: Der Schatten entspricht offenbar nicht ihrem Naturell, denn die Werke sind überwiegend von lichtem, hellem Charakter. Und die Farbe Rot findet man selten. Der sparsame Umgang mit dem eher aggressiven Farbton hat jedoch praktische Gründe: „Rot trocknet am langsamsten, man muss bis zu zwei Wochen warten, bevor man weitermalen kann“, sagt Finke. Zeit, die sie offenbar nicht hat.

„Galerie im Studentenwerk“ in der Mensa am Schlossgarten: Ölbilder von Franziska Finke. Bis März, Mo.–Do. 9–18.30 Uhr, Fr. 9–14.30 Uhr.