Stadt über den Tisch gezogen? Doppelhaus-Streit in Osnabrücker Baugebiet

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<em>Zwei Eingänge, zwei Wohnungen,</em> aber rechtlich gesehen kein Doppelhaus: In Voxtrup wird über diese neuen Wohnhäuser am Milanweg gestritten. Foto: Jörn MartensZwei Eingänge, zwei Wohnungen, aber rechtlich gesehen kein Doppelhaus: In Voxtrup wird über diese neuen Wohnhäuser am Milanweg gestritten. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Große Aufregung in Voxtrup: Am Milanweg sind Doppelhäuser entstanden, die bei genauer Betrachtung gar keine Doppelhäuser sind, sondern Einfamilienhäuser mit zwei Wohnungen. Hat da ein Bauträger die Stadt ausgetrickst? Politiker behaupten das und fordern strengere Reglementierungen. Die Fachleute aus der Bauverwaltung sehen das weniger dramatisch.

„Bei keinem anderen Bebauungsplan ist die Verwaltung dermaßen über den Tisch gezogen worden“, empörte sich Ratsherr Wulf-Siegmar Mierke von der UWG im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. In großem Umfang sei am Milanweg „getrickst“ worden, und nun stehe dort „eine Reihenhausbebauung, die wir nicht haben wollten“.

Andere Ratsmitglieder äußerten sich zwar moderater, kritisierten aber ebenfalls den freizügigen Umgang mit der Bauordnung. „Was lernen wir daraus?“, fragte der Grüne-Ratsherr Jens Meier und wollte wissen, wie der Fachbereich solche Entwicklungen künftig auszuschließen gedenke.

Steine des Anstoßes sind vier der 21 inzwischen fertigen Häuser. Äußerlich erkennbar ist die symmetrische Bauweise mit jeweils zwei getrennten Eingängen, die für Doppelhäuser typisch ist. Also doch Doppelhäuser? Nein, sagt Architekt Hans-Hubert Schulte von der Firma Planen + Bauen entschieden, der drei der beanstandeten Objekte gestaltet hat - zumindest „nicht im baurechtlichen Sinn“. Und das habe die Stadt ja auch so genehmigt.

Bei seinem Haustyp handle es sich nämlich nicht um zwei selbstständige Einheiten, sondern um ein Haus mit zwei Wohnungen auf einem gemeinsamen Grundstück. Dieses Haus besitze nur eine Heizung und einen Hausanschluss für Strom, Gas, Wasser, Telekommunikation und Entwässerung. Schultes Clou: Er hat diese Technik-Zentrale in einem Kellerraum angeordnet, der von beiden Seiten zugänglich ist.

Das genau sei der Trick, um die Bauordnung zu umgehen, werfen Kritiker dem Architekten vor. Daraus leitet sich der Ruf nach stärkeren Restriktionen ab, so wie es auch im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt gefordert wurde.

Franz Schürings, der Leiter des Fachbereichs Städtebau, sprach sich entschieden dagegen aus. „Wir sind überzeugt, dass der Bebauungsplan eingehalten wurde“, fasste er zusammen. Mit noch strengeren Richtlinien werde es unmöglich, ein Haus mit einer Einliegerwohnung zu bauen. Das sei aber für viele Familien wichtig.

Schürings räumte ein, dass die Definition „Einzelhaus“ mit dem gemeinsamen Kellerraum unterlaufen werde. Nach dem Baurecht könne ein Einzelhaus jedoch aus mehreren Gebäuden bestehen.

In diesem Sinne äußerte sich auch Stadtbaurat Frank Otte. Das Land Niedersachsen habe im Zuge der „Entbürokratisierung“ Hürden abgebaut, sodass eine Entwicklung wie am Milanweg letztlich gewollt sei. Wenn man sich das Ergebnis im Baugebiet anschaue, dann sei im Übrigen „keine unerträgliche Situation“ entstanden.

Anwohner aus der Nachbarstraße Molenseten beanstanden nicht nur die Bauweise der Doppelhäuser. Ein Hauptkritikpunkt sind die Aufschüttungen, durch die das Geländeniveau insgesamt angehoben wurde. Schon gibt es Klagen, die Häuser der neuen Nachbarn würden die aufgehende Sonne im Osten verdecken. Und bei Starkregen, so fürchten die Altanlieger, könnten sich Sturzbäche in ihre Gärten ergießen. Wegen dieser seit langem erhobenen Bedenken hat die Stadt im Bebauungsplan festgeschrieben, dass die Stützmauern zu den Nachbargrundstücken nicht höher als 75 cm sein dürfen. Der Ausschuss für Stadtentwicklung will sich demnächst bei einem Ortstermin über das Baugebiet am Milanweg informieren.


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