Skulpturen aus alten Balken Ausstellung in Osnabrück: Anfassen erlaubt

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<em>Bitte berühren:</em> Künstler Walter Green. Foto: PentermannBitte berühren: Künstler Walter Green. Foto: Pentermann

Osnabrück. Alte Hölzer, die sich früher einmal in Fachwerkhäusern befunden haben, bearbeitet Walter Green zu „Skulpturen zum Befassen“. In St. Marien sind jetzt zahlreiche Werke des Künstlers ausgestellt, die tiefe Emotionen und religiöse Erfahrungen thematisieren.

Fast allen, zum Teil mannshohen Plastiken ist eines gemeinsam: Im unteren Bereich sind sie unbearbeitet. Da sehen sie aus wie alte Balken, zum Teil noch mit den Zapfenlöchern an den Stellen, wo sie mit anderen Stäben oder Stützen verbunden waren.

Weiter oben fängt Walter Green dann mit seiner kunstfertigen Arbeit an: Er haut und schnitzt Körper und Torsi mit Köpfen, poliert diese so glatt, dass sie zum Anfassen verführen. Daher auch der doppeldeutige Titel der Ausstellung. Denn der Betrachter soll sich nicht nur inhaltlich mit den Skulpturen befassen, er wird vom Künstler auch per kleinen Schildern dazu aufgefordert, sie haptisch zu begreifen. So werden in der Chorpartie der Marienkirche sinnliche Erfahrungen möglich gemacht, die in anderen Ausstellungen üblicherweise verpönt sind.

Wenn Pastor Frank Uhlhorn von einer „Visualisierung der biblischen Botschaft“ spricht, dann meint er nicht nur die Skulpturen, die Jesus oder Maria darstellen, sondern beispielsweise Menschengruppen, die gebeugten Hauptes eine schwere Bürde mit sich herumtragen. „Kommt her zu mir alle, die ihre mühselig und beladen seid“, zitiert der Künstler den Evangelisten Matthäus in seinem Titel. Aber auch tiefe menschliche Emotionen drückt Green mit seinen Werken aus, wenn er zwei eng ineinander verschlungene Figuren „Abschied“ nennt oder andere „Alte Freunde“.

Besonders beeindruckend: eine Gruppe, die Green aus alten Eichendalben haute. Die einst in einen Hafengrund eingerammten Pfähle sind übersät mit den speziellen Röhren und Löchern, die der Schiffbohrwurm in ihnen hinterließ. Auffällig sind auch die Köpfe der Skulpturen, die ohne Ausnahme kein Antlitz zeigen und somit nicht auf bestimmte Individuen, sondern auf den Menschen im Allgemeinen verweisen.

Neben den Holzarbeiten befinden sich auch zwei Bronzeskulpturen in der Ausstellung, mit denen der Bildhauer jedoch auf seine bearbeiteten Holzbalken verweist. Sogar eine Engelsdarstellung aus Bronze mit dem Titel „Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus“ macht den Anschein, als sei sie aus Holzbohlen geformt.

Bei der Einladung, seine Exponate zu berühren, macht der freischaffende Künstler nur eine Ausnahme: Bei einer Gruppe mit Königsdarstellungen arbeitete er mit Blattgold, und das soll man dann doch nicht anfassen…

St. Marien: „Skulpturen zum Befassen“. Holz- und Bronzearbeiten von Walter Green. Bis 11. Oktober, täglich von 10–17 Uhr im August und September, von 10.30–16.30 Uhr im Oktober. Anmeldungen für Gruppen unter 0541/ 28393.


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