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Klezmer-Konzertreihe im Felix-Nussbaum-Haus Vielfältig und lebendig

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Sie machen Musik – oder schaffen zumindest den Rahmen: Stella Jürgensen, Eva Berger, Rita Maria Rzyski und Inge Jaehner. Foto: Klaus LindemannSie machen Musik – oder schaffen zumindest den Rahmen: Stella Jürgensen, Eva Berger, Rita Maria Rzyski und Inge Jaehner. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Klezmermusik ist vielfältig und prall vor Leben: Das will eine Konzertreihe im Felix-Nussbaum-Haus widerspiegeln, die die Hamburger Veranstalterin Stella Jürgensen für das Museum konzipiert hat.

Irgendwann macht es rambam. Da fräst sich eine E-Gitarre in den springlebendigen Rhythmus hinein wie ein Außenborder ins ruhige Gewässer, schrauben sich Energie und Lautstärke nach oben: So klingen Daniel Kahn und seine Band „The Painted Bird“. Eine Band, in deren Musik sich die Wurzeln der jiddischen Musik ebenso spiegeln wie die Herkunft ihres Bandleaders, die Autostadt Detroit. Eine Band, die Klezmer-Musik auf die Höhe der Zeit hebt und die Vielfalt dieses Stils andeutet.

Der junge Amerikaner setzt im Dezember den Schlusspunkt einer Konzertreihe, die Stella Jürgensen für das Felix-Nussbaum-Haus auf die Beine gestellt hat. Das Ziel: „Das Haus im Bewusstsein der Menschen platzieren“, sagt Kultusdezernentin Rita Maria Rzyski.

Die Konzertreihe flankiert damit die Schau „Würde und Armut“, mit der sich der Museumskomplex nach der Erweiterung nächste Woche der Öffentlichkeit neu präsentiert. Dabei muss all das, was das Kulturgeschichtliche Museum bietet, zunächst hintanstehen: Die Konzertreihe trägt den Titel „Wie das Felix-Nussbaum-Haus klingt“ und ist „eng angelehnt an den Künstler“, sagt Jürgensen – mal mehr, mal weniger.

Dafür nimmt die Stadt ein hübsches Sümmchen in die Hand: 30000 Euro darf die Konzertreihe im neuen Vortragssaal kosten, sagt Rzyski. Dafür hat Jürgensen allerdings auch eine Reihe hochkarätiger Künstler verpflichtet – und die Stadt kann mit moderaten 12,50 Euro pro Ticket ins Museumskonzert locken.

Den Auftakt macht der Trompeter Paul Brody, der zuletzt vor zwei Jahren zusammen mit dem Hip-Hopper Clueso im Glanz und Gloria gastiert hatte. Diesmal kommt er mit seiner Band Sadawi, um auf der Grenze zwischen Jazz und Klezmer zu balancieren. Er ist es auch, der sich intensiv mit Nussbaums Werk auseinandersetzen will, indem er zum einen Porträts musikalisch ergründen, zum anderen in einer Text- und Klangcollage auf die Briefe eingehen will.

Verwirklichen sich die Vorstellungen von Rzyski, Jürgensen und den beiden Museumsleiterinnen Inge Jaehner und Eva Berger, füllen jeweils bis zu 170 Gäste den Saal. Einmal monatlich zeigt Jürgensen, was Klezmer und jüdische Musik bedeuten. Von Lorin Sklamberg, dem einstigen Leadsänger der Klezmatics, geht es über Lieder der 20er- und 30er-Jahre von Mischa Spoliansky bis zur synagogal inspirierten Musik des Stephen-Greenman-Ensembles.

So will die Reihe in sieben Konzerten einen Einblick in eine reiche und vor allem äußerst lebendige Kultur geben. Und im Falle des Erfolgs sollen die Konzerte sogar fortgesetzt werden. Dann aber ohne das Geld der Stadt. Denn „auf Dauer werden wir uns eine solche Reihe nicht leisten können“, sagt Rzyski. Jürgensen indes ist begeistert, „seit vielen Jahren mit Klezmer vertraut“ und zudem durch Konzertreihen in Hamburg mit Klezmermusik erfahren im Umschiffen von Widrigkeiten. Sie glaubt fest an den Bestand der Reihe.

Paul Brody’s Salawi: Felix-Nussbaum-Haus, Freitag, 6. Mai, 20 Uhr. Karten in der Tourist-Information, Bierstraße 22–23, Telefonnummer 0541/323-2202.


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