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Protest statt Geburtstagsfeier Osnabrück: Demo am Ratsgymnasium gegen Containerklassen

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Es reicht: Die Schüler des Ratsgymnasiums fordern langfristigen und modernen Ersatz für die Container. Foto: Jörn MartensEs reicht: Die Schüler des Ratsgymnasiums fordern langfristigen und modernen Ersatz für die Container. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Ein Provisorium feiert Geburtstag: Seit 41 Jahren gibt es die Containerklassen am Ratsgymnasium nun schon. Viel zu lange, meinen Schüler und Lehrer. Das Problem ist, dass die Alternative fehlt.

Wutbürger – so nannten Journalisten im vergangenen Jahr die Menschen, die ihre bürgerliche Haltung ablegten, um beim Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 gegen politische Willkür zu protestieren. Der Begriff wurde zum Wort des Jahres. Nun bekommt er einen kleinen Bruder: Frustschüler.

Die haben am Ratsgymnasium protestiert. Ihnen geht es nicht um „oben bleiben“ wie den Demonstranten in Stuttgart. Es geht um neu statt alt, lebenswert statt untragbar. Kurz: Es geht ihnen darum, die Containerräume loszuwerden und dafür ein modernes Schulgebäude zu bekommen. Die Schüler ketten sich nicht an Bäume und reißen keine Bauzäune an – sie wären vielmehr froh, wenn es solche endlich gäbe.

Seit 1970 stehen die Container auf dem Schulhof. Damals hatten die Schülerzahlen neue Räume erforderlich gemacht. Zehn Jahre sollten sie stehen bleiben, allenfalls 15. Ein Provisorium hieß es. Danach würden sich die Schülerzahlen auf einem niedrigeren Niveau eingependelt haben, plante die Stadt. Nun ist es genau 41 Jahre her, dass die erste Klasse in die Container zog, und noch immer stehen sie auf dem Schulhof, weil es ohne sie nicht geht. Daran werde sich auch bis 2018 nichts ändern, befürchten Lehrer und Schüler. Deshalb protestieren sie.

Das Mittel der Schüler ist die Ironie. „Zum Geburtstag viel Glück“ spielte die Schülerkapelle, und auf dem Schulhof fiel ein hundertstimmiger Spontanchor ein. Dazu reckten einige Schüler Plakate in die Höhe, bis ein Lehrer ihnen vormachte, wie sie diese entrüstet zu schütteln hätten. „Happy Birthday“ stand darauf, „41 Jahre sind genug“ und „41 Jahre Plage“. Mittendrin stand Schulleiter Lothar Wehleit mit einem Megafon. Ein Protestführer von Amts wegen.

Beim Pressefoto achtete er darauf, dass die Kapelle das Containergebäude nicht verdeckte. „Damit man die schiefe Ebene sieht“, wie er sagte. Die Container sind abgesackt im Laufe der Jahre. Wehleit weist auf die Fenster hin. Marode. Im Sommer werde es unerträglich heiß, im Winter kämen sie mit dem Heizen nicht nach. Aber die Schule braucht die sechs großen Klassenräume. 300000 Euro würde es kosten, das Gebäude zu sanieren. Doch Lehrer, Eltern und Schüler streben ohnehin einen Neubau an. Der würde wohl etwa zwei Millionen Euro kosten, und deshalb sei es schwer, den Rat, dessen Namen das Gymnasium trägt, von der Dringlichkeit zu überzeugen.

Solange das nicht funktioniert, bleibt es bei der Übergangslösung, die am 7. April in ihr 42. Jahr gestartet ist. „Wir demonstrieren hier, damit dieses Provisorium nicht unter Denkmalschutz gestellt wird“, sagte Wehleit, und die Frustschüler auf dem Schulhof applaudierten.


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