Großbäckereien haben Interesse Osnabrücker Konditorei Läer sucht einen Nachfolger

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Osnabrück. Konditoren aufgepasst! Für das Café Läer wird ein Nachfolger gesucht. Interessenten gibt es zwar, aber die wollen das alteingesessene Lokal zu einer Filiale ihrer Großbäckerei machen. Das wäre für Inhaber Ulrich Läer aber nicht die ideale Lösung.

Vor 115 Jahren gründete ein gewisser Johannes Läer eine Bäckerei in der Krahnstraße. Schon damals versprach er seiner Kundschaft, „stets nur das beste Material für meine Back- und Konditorwaren zu verwenden“. Sein Enkel, der Konditormeister Ulrich Läer, sieht dieses Versprechen noch heute als Verpflichtung an. Und deshalb gehören für ihn ganz selbstverständlich erstklassige Bio-Zutaten in seine Rezepturen.

Das Vanille-Problem

Damit könnte es vorbei sein, wenn der 65-Jährige seinen Betrieb abgibt. Noch ist es nicht so weit, aber Ulrich Läer und seine Frau Gabi haben keine Kinder, aber ein Alter erreicht, in dem sich die Nachfolgefrage stellt. Das hat sich nicht nur in der Branche herumgesprochen, und deshalb stehen gelegentlich Bewerber in der Krahnstraße 4 auf der Matte. „Mit dem Bio-Gedanken haben die nichts im Sinn“, bedauert der Konditormeister, der schon vor über 30 Jahren sein Herz für den ökologischen Anbau entdeckt hat. Zum einen, weil er sich als Jäger mit der Natur verbunden fühlt, vor allem aber wegen des Geschmacks. Und gerade deshalb zählt das Gourmet-Magazin „Der Feinschmecker“ das Café Läer zu den besten in ganz Deutschland. Vor allem wegen der Schwarzwälder Kirschtorte.

Getreide, Butter oder Eier aus konventionellem Anbau kommen Ulrich Läer nicht ins Haus, auch wenn er für die Bio-Produkte deutlich höhere Preise zahlen muss. Mit anderen Zutaten wird das schon schwieriger. Der Preis für Réunion-Madagaskar-Vanille aus Öko-Plantagen ist nach einer Missernte explodiert – von 150 auf 1000 Euro pro Kilo, wie der Meister berichtet. Da bleibe ihm nichts anderes übrig, als zur zweitbesten Lösung zu greifen, Tahiti-Vanille für 400 Euro, deren Aroma als nicht ganz so fruchtig gilt.

Was wird aus der Backstube?

Für solche Feinheiten hätten sich die Nachfolgekandidaten leider nicht interessiert, beklagt der 65-Jährige, der den Betrieb 1982 von seinem Vater übernommen hat. Es seien schon Leute bei ihm gewesen, denen es völlig gleich sei, ob sie Schuhe oder Brötchen verkauften. An der Backstube und der ganzen Technik hätten sie kein Interesse gehabt, an dem Ladenlokal mit dem Café in der guten Altstadtlage schon. Aber dann würde das spezielle Sortiment verschwinden, und stattdessen müssten Brot und Torten von einer Großbäckerei am Stadtrand angeliefert werden. Ulrich Läer könnte seine Backstube zwar umbauen und als Wohnung vermieten, aber mit diesem Gedanken will er sich partout nicht anfreunden.

Das denkmalgeschützte Haus Krahnstraße 4 mit seinem prächtigen Fachwerkgiebel gilt als das älteste Bürgerhaus Osnabrücks. Ein Wappenstein verrät die Zahl 1533, aber Jahresringuntersuchungen der alten Holzbalken lassen vermuten, dass das Hauptgebäude etwa 20 Jahre später entstanden ist. Während der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden von 1648 soll der spanische Gesandte Don Diego de Saavedray Fargardo in dem Altstadthaus gewohnt haben. Wohl ihm zuliebe wurden die Deckenmalereien im Obergeschoss angebracht, die 1989 bei einem Umbau zum Vorschein kamen. Cafégäste können, wenn sie ganz genau hinschauen, einen Lautenspieler erkennen.

Raum für Neues

Ulrich Läer bedauert, dass der größte Teil der historischen Decke einer früheren Renovierung zum Opfer gefallen ist. Aber er ist stolz auf so viel Tradition. Dabei hat er sich mit der Galerie im Obergeschoss und einem inzwischen stillgelegten Blockheizkraftwerk auch moderne Elemente ins Haus geholt. Obwohl er ein Faible für Technik hat, ist die Computerisierung an seinem Betrieb vorbeigegangen. Und das, obwohl in anderen Bäckereien schon die Mischungen für die Knetmaschinen nicht mehr einzeln abgewogen, sondern von einer Software dosiert werden.

Dem Konditormeister ist klar, dass sein Betrieb einem Nachfolger allerlei Raum für Innovationen lässt. Und er hofft, dass sich ein Kandidat findet, der das Besondere an dem Konditorei-Café zu schätzen und weiterzuentwickeln weiß. Bis es so weit ist, hat Ulrich Läer noch etwas Zeit. Seit ihm die Ärzte einen Stent eingesetzt haben, geht es ihm wieder gut. Und die Arbeit macht ihm immer noch Spaß.


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