Zugausfälle und Verspätungen Nordwestbahn schwächelt auf Linien im Raum Osnabrück

Von Sebastian Stricker

Die Nordwestbahn kämpft insbesondere auf der Haller-Willem-Linie von Osnabrück nach Bielefeld mit Verspätungen und Zugausfällen. Foto: Michael GründelDie Nordwestbahn kämpft insbesondere auf der Haller-Willem-Linie von Osnabrück nach Bielefeld mit Verspätungen und Zugausfällen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Druck auf die Nordwestbahn in der Region wächst. Fahrgäste des Haller Willem (RB 75) klagen über massenhafte Zugausfälle und ausufernde Verspätungen, Auftraggeber kürzen Entgelte. Doch die Schuld an der Misere trägt nicht das Osnabrücker Eisenbahnunternehmen allein.

Drei von der Nordwestbahn (NWB) betriebene Linien laufen in Osnabrück zusammen: die RE 18 nach Wilhelmshaven und die RB 58 nach Bremen, außerdem die RB 75 über Halle nach Bielefeld – besser bekannt als Haller Willem. Insbesondere auf dieser wichtigen Pendlerverbindung habe der Anbieter an Zuverlässigkeit stark eingebüßt, kritisiert die regionale Initiative Haller Willem (IHW). Die Züge seien sehr viel unpünktlicher geworden. Zurzeit würden sie oft gar nicht mehr fahren. (Weiterlesen: Bauarbeiten legen Haller Willem 2018 wochenlang lahm)

Personalnot im Führerstand

Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) in Hannover bestätigt die Probleme. „Aktuell haben wir es insbesondere auf dem Haller Willem mit täglich mehreren Zugausfällen der Nordwestbahn zu tun“, stellt Sprecher Rainer Peters fest. Grund sei die anhaltende Grippewelle, mit der seit einigen Wochen auch andere Bahnunternehmen wie zum Beispiel Eurobahn, DB Regio oder Metronom zu kämpfen haben. In der zweiten Februarhälfte sei von solchen krankheitsbedingten Ausfällen gerade auch die Linie RB 58 betroffen gewesen.

All das geschieht in einem Marktumfeld, in dem Triebfahrzeugführer ohnehin Mangelware sind. Nach Angaben des Verkehrsverbunds Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) in Bielefeld seien Verleihfirmen für Personal vollkommen ausgebucht. Angeblich habe auch die Nordwestbahn „alle kurzfristigen Möglichkeiten versucht“, heißt es in dem Schreiben des VVOWL an die IHW, das unserer Redaktion vorliegt. Das Unternehmen bilde fortlaufend Triebfahrzeugführer aus. Allerdings gebe es nur wenige Bewerber.

„Wir sind bezüglich der momentanen Personalsituation, aber auch bezüglich der allgemeinen Qualitätslage in ständigem Kontakt mit der NWB“, betont der VVOWL. „Die Pünktlichkeit des Haller Willem ist weit unter dem Niveau, das wir uns vorstellen.“ (Weiterlesen: Kein Halbstundentakt für „Haller Willem“ in Sicht)

Weniger Fahrten, weniger Geld

Fest steht: Je schlechter die Darbietung der Nordwestbahn, desto weniger Geld bekommt sie von ihren Auftraggebern. „Krankheitsbedingte Zugausfälle werden dazu führen, dass wir die Bestellerentgelte kürzen, weil die vertraglich geschuldeten Leistungen von der Nordwestbahn nicht erbracht werden“, erklärt LNVG-Sprecher Peters. Die LNVG agiere hier auch „als Treuhänder von Steuergeldern“. Über die Höhe der einbehaltenen Summen lasse sich zurzeit nichts Belastbares sagen.

Mangelhaftes Schienennetz

Hinzu kämen auf der RB 75 sogenannte „infrastrukturelle Engpässe“, welche die Linie verspätungsanfällig machen. Dazu gehörten etwa die Eingleisigkeit der Strecke, fehlende Kreuzungsstellen und störanfällige Bahnübergänge. Wie die IHW unter Berufung auf die Nordwestbahn mitteilt, habe der Haller Willem im Jahr 2017 den Fahrplan – bei zwei Minuten Toleranz –nur zu 85 Prozent einhalten können (2016: 91 Prozent). Ferner seien 70 Prozent der Zugausfälle auf Mängel am Schienennetz zurückzuführen, 30 Prozent auf Fahrzeuge und Personal.

„Langfristig wird nur eine Modernisierung dieser Anlagen plus Einrichtung von weiteren Kreuzungsstellen wesentliche Verbesserungen erbringen“, sagt LNVG-Sprecher Peters. Gespräche darüber führe der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) als weiterer Aufgabenträger seit geraumer Zeit mit der DB Netz AG. Die Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn ist für sämtliche Fahrwege verantwortlich. (Weiterlesen: NWB-Kundencenter schließt – Aus für Busticket-Verkauf im Hauptbahnhof Osnabrück)

Zahlreiche Verbesserungen gefordert

Die IHW fordert von der Nordwestbahn, bei Personalengpässen auf keinen Fall die für Arbeitnehmer wichtigen Züge ausfallen zu lassen. Verbessert werden müsse der Schienenersatzverkehr, „damit bei Zugausfällen wie vorgeschrieben ein Bus einspringen kann“, sagt Sprecher Johannes Bartelt. Auch an der Fahrgastinformation im Internet und auf den Bahnsteigen hapere es.

„Die Pünktlichkeit des Haller Willem ist weit unter dem Niveau, das wir uns vorstellen“

Die Nordwestbahn schließt derweil nicht aus, dass es auch künftig zu Einschränkungen im Zugverkehr kommen wird. Immerhin: „Für die Linien RE 18 und RB 58 liegen uns momentan keine wesentlichen Störungsmeldungen vor“, so Sprecher Steffen Högemann. (Weiterlesen: In Osnabrück gestrandet – Happy End für Kunden der Nordwestbahn)


Die Nordwestbahn in der Region Osnabrück

In Osnabrück berühren sich die Verkehrsnetze Weser-Ems und Ostwestfalen, die beide von der Nordwestbahn betrieben werden.

Das Verkehrsnetz Weser-Ems verbindet die Küste mit dem Raum Bremen und dem Osnabrücker Land. Es besteht aus den Regionalexpress-Linien RE 18 (Wilhelmshaven – Oldenburg – Osnabrück) und RE 19 (Wilhelmshaven – Oldenburg – Bremen), außerdem den Regionalbahn-Linien RB 58 (Bremen – Vechta – Osnabrück) und RB 59 (Esens – Wilhelmshaven). Das Weser-Ems-Netz wird mit 43 Dieseltriebwagen betrieben, die 4,8 Millionen Zugkilometer im Jahr zurücklegen. Der Vertrag mit der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) läuft noch bis 2026.

Im Verkehrsnetz Ostwestfalen steuern die Züge der Nordwestbahn Bielefeld, Paderborn und Höxter an. Gleichzeitig sind die vier Regionalbahn-Linien eine Verbindung nach Osnabrück, Göttingen und Kreiensen. Zum Netz gehören die RB 74 „Senne-Bahn“ (Bielefeld – Paderborn), RB 75 „Haller Willem“ (Osnabrück – Halle – Bielefeld), RB 84 „Egge-Bahn“ (Paderborn – Holzminden – Kreiensen) und RB 85 „Oberweser-Bahn“ (Ottbergen – Göttingen). Das Netz Ostwestfalen wird mit 25 Dieseltriebwagen betrieben, die 3,3 Millionen Zugkilometer im Jahr zurücklegen. Der Vertrag mit dem Zweckverband Westfalen-Lippe (NWL) läuft noch bis 2025.