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Die Nazis brachten das vorzeitige Ende

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Diese Silbermedaille, ein Geschenk für den Distrikts-Großmeister Edel, ist das einzige bekannte Zeugnis der Möser-Loge zu Osnabrück. Repro: Klaus LindemannDiese Silbermedaille, ein Geschenk für den Distrikts-Großmeister Edel, ist das einzige bekannte Zeugnis der Möser-Loge zu Osnabrück. Repro: Klaus Lindemann

Gab es einmal eine Möser-Loge in Osnabrück? Diesen Namen trägt eine Medaille, die vor einiger Zeit im Düsseldorfer Kunsthandel versteigert wurde. Die Suche nach der "Möser-Loge" wirft ein Schlaglicht auf ein unbekanntes Stück Osnabrücker Zeitgeschichte.

Die nicht datierte Silbermedaille ist dem Jugendstil zuzuordnen, also der Zeit um 1900. Sie trägt auf der Vorderseite ein christliches Motiv und auf der Rückseite eine Gravur, die drei ineinander verschlungene Kettenglieder mit den Buchstaben F - L - W und die Umschrift "Ihrem Distrikts-Großmeister Dr. A. Edel zur silbernen Hochzeit" zeigt.

So taucht die Frage auf: "Was war oder ist die Möser-Loge?" Die Klärung war nicht einfach, wie sich bald herausstellte. Nirgendwo fand sich ein Hinweis. Erst die Osnabrücker Freimaurer "zum Goldenen Rade" berichteten, dass die Möser-Loge nicht zu den Freimaurern, sondern zu den "Odd-Fellows" gehört hatte.

Die Odd-Fellows sind ein unabhängiger Orden, der zwar Gemeinsamkeiten mit den Freimaurern aufweist, rechtlich und organisatorisch aber nicht mit ihnen verbunden ist. Entstanden sind beide Orden in Großbritannien. Die Odd-Fellows streben gemäß der Vorgabe ihrer Gründer nach friedlichem Zusammenleben aller Völker und Gemeinschaften in Achtung und Toleranz. Zur Zeit der Ordensgründung im Jahre 1803 gab es in den alten Bauhütten viele überzählige und somit arbeitslose Gesellen, die bei großem Arbeitsanfall zusätzlich eingestellt worden waren und für die nun niemand aufkam, die "added fellows". Insbesondere ihnen wollte der neue Orden helfen.

1806 fand die Idee Eingang in die USA, 1870 griff sie nach Deutschland über und breitete sich in vielen europäischen Ländern aus. Die erste deutsche Gründung war die "Württembergische Loge Nr. 1" in Stuttgart.

Im Juli 1889 wurde die Möser-Loge in Osnabrück gegründet. Die Eintragung vom 14. Oktober 1901 im Vereinsregister des Amtsgerichts weist als amtliche Bezeichnung "Möser-Loge Nr. 4 von Hannover, Osnabrück" aus. Der Vorstand setzte sich zusammen aus Kaufmann Bernhard ten Breuel, Prokurist Julius Thöle und Kaufmann Friedrich Rosebrock. Im Oktober 1902 kam der Auktionator Rudolf Meinberg hinzu.

Als im September 1904 Julius Thöle ausschied, wurde Rudolf Meinberg Vorsitzender, und als sein Stellvertreter erscheint nun Auktionator Bostel im Register. Eine im September 1909 vorgenommene Eintragung gibt vom Ausscheiden Rosebrocks und Bostels Kenntnis und nennt als Vorstandsmitglieder Kaufmann August Balcke und Prokurist Otto Ostendorf. Laut Adressbuch von 1926/27 tagte die Loge im Hause Lange an der Heger Straße 27/28, das, äußerlich wenig verändert, noch heute existiert.

Mit der abgebildeten Medaille gedenkt die Möser-Loge der Silberhochzeit des Distrikts-Großmeisters Dr. A. Edel. Solche Gedenkmedaillen waren seinerzeit nicht nur in Freimaurerkreisen sehr verbreitet. Ein Distrikts-Großmeister war der Leiter einer Bezirks-Großloge, die mehrere Logen zusammenfasste, hier die Logen des Landes Hannover. Die drei Buchstaben F - L - W auf der Medaillenrückseite stehen für "Freundschaft - Liebe - Wahrheit", das Motto des Ordens. Die drei einfassenden Kettenglieder symbolisieren, auch hier eine Analogie zu den Freimaurern, den brüderlichen Zusammenhalt und waren das Abzeichen der Loge.

Mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus kam das Ende auch für die Möser-Loge: Wie die Freimaurer, so wurden auch die anderen Logen als Zellen der angeblichen "jüdisch-freimaurerischen Weltverschwörung" verfolgt und schließlich 1935 verboten. Viele kamen dem durch eine freiwillige Selbstauflösung zuvor.

Auch die Möser-Loge fasste in der Generalversammlung vom 5. Mai 1933 diesen Beschluss. Unter dem 20. Mai 1935 steht im Vereinsregister: "Die Liquidation ist beendet, die Auflösung ist durchgeführt."

Nach dem Sturz des Nationalsozialismus wurden die Odd-Fellows wieder in Westdeutschland aktiv, mit Wolfenbüttel als Sitz ihres Hochmeisters. Die Möser-Loge Osnabrück dagegen wurde nicht reaktiviert, ihre Geschichte endet mit der Liquidation von 1933/35.


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