Ein Sitzungssaal voller Frauen Gitta Connemann spricht in Osnabrück zum Frauentag

Von Anna Beckmann

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„Vor 100 Jahren haben Frauen für uns das Recht erkämpft, wählen zu gehen, und das sollten wir nutzen. Die nächste Gelegenheit dafür ist die Kommunalwahl“, forderte Gitta Connemann ihre Zuhörerinnen auf. Foto: Hehmann„Vor 100 Jahren haben Frauen für uns das Recht erkämpft, wählen zu gehen, und das sollten wir nutzen. Die nächste Gelegenheit dafür ist die Kommunalwahl“, forderte Gitta Connemann ihre Zuhörerinnen auf. Foto: Hehmann

bena Osnabrück. Anlässlich des Internationalen Frauentags fand im Kreishaus die Veranstaltung „Frau hat die Wahl – 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“ statt, bei der die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann eine Rede hielt.

Ein ungewöhnliches Bild bot sich Landrat Michael Lübbersmann als er am Abend des Weltfrauentags am Rednerpult des großen Sitzungssaals im Kreishaus stand. Sitzen ihm sonst mehrheitlich männliche Kollegen gegenüber, blickte er an diesem Abend in die Gesichter von etwa 200 Frauen. „Es ist gut und wichtig, dass dieser Tag gemeinsam in der ganzen Welt und auch hier in Osnabrück begangen wird“, begrüßte er die Zuhörerinnen. In seiner Rede forderte Lübbersmann mehr Repräsentanz von Frauen in der Politik und mehr Bereitschaft von Männern, sich an Haushalt und Erziehung zu beteiligen, woraufhin es im Publikum reges Gemurmel gab.

Video: Internationaler Frauentag 2018 - Das sollten Sie über diesen Tag wissen

Auch Monika Schulte, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, wies darauf hin, dass die Repräsentanz von Frauen, sowohl im Bundestag, als auch im Landtag, zurückgegangen ist. „Das zeigt, dass noch viel Engagement in diesem Bereich gefragt ist“, sagte sie. (Weiterlesen: Monika Schulte – Das sagt die Gleichstellungsbeauftragte zur #MeToo-Debatte)

Rückblick auf 1918

Engagiert für die Gleichberechtigung von Frauen ist auch Gitta Connemann, die für die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag sitzt. In ihrer Rede erinnerte die Politikerin daran, dass die Frauen vor 100 Jahren mit ihrem Leben um etwas gekämpft haben, das heute selbstverständlich scheint: das Recht wählen zu gehen.

Als Frauen 1918 zum ersten Mal wählen durften, machten 83 Prozent der Frauen von ihrem Recht Gebrauch. „Das sind Zahlen, von denen wir heute nur träumen können“, erklärte Connemann. Während bei Bundestagswahlen noch 70 Prozent der Frauen wählen würden, seien es bei Europawahlen gerade einmal die Hälfte. „Die Frage, warum Männer mehr wählen gehen, beschäftigt mich sehr, aber ich habe noch keine Antwort gefunden“, sagte Connemann. (Weiterlesen: Kampf für Frauenrechte – 250 Teilnehmer bei Osnabrücker Demo am Weltfrauentag)

Geringer Frauenanteil in der CDU

Und auch den Frauenanteil in ihrer eigenen Partei betrachtete Connemann kritisch. „In der CDU sind gerade einmal 25 Prozent der Mitglieder Frauen“, erläuterte sie. Die Politikerin forderte mehr Ausgewogenheit in der Politik und das kann ihrer Meinung nach nur passieren, wenn Männer und Frauen gleich repräsentiert sind. (Weiterlesen: Wie Clara Zetkin zwei Korsetts loswurde und den Frauentag erfand)

Bei der anschließenden Diskussionsrunde sprachen Politikerinnen aus dem Landkreis über die Rolle von Frauen in der Kommunalpolitik. So erzählte beispielsweise Agnes Droste, Bürgermeisterin von Alfhausen, dass sie den Sitzungssaal des Rathauses kurzerhand in eine Kita verwandeln musste. Denn der geplante Kitaneubau war nicht rechtzeitig fertig geworden, die Betreuungsplätze aber schon vergeben. „Ich glaube nicht, dass ein Mann auf diese unkonventionelle Idee gekommen wäre“, sagte sie. Bei einer gemeinsamen „Frauenmahlzeit“ ließen alle Besucherinnen den Weltfrauentag ausklingen.


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