Jugendliche zeigen Zivilcourage Präventionsprojekt „Dreist“ über Konflikte im Bus

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Schutz boten Schüler der Thomas-Morus-Schule dem vermeintlichen Opfer Johannes Wilke (Mitte) vor der Aggressorin Stefanie Steinbrück (rechts) beim Präventions-Projekt „Dreist“ der Theaterpädagogischen Werkstatt, der Stadtwerke und der Polizei. Foto: Thomas OsterfeldSchutz boten Schüler der Thomas-Morus-Schule dem vermeintlichen Opfer Johannes Wilke (Mitte) vor der Aggressorin Stefanie Steinbrück (rechts) beim Präventions-Projekt „Dreist“ der Theaterpädagogischen Werkstatt, der Stadtwerke und der Polizei. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Obwohl es nur ein Spiel war, haben Schüler der 7a der Thomas-Morus-Schule Mut und Zivilcourage bewiesen. Bei dem Projekt „Dreist“ führten drei Schauspieler der Theaterpädagogischen Werkstatt am Freitag ein Stück in einem Bus auf, bei dem den Jugendlichen bewusst wurde, wie schnell aus Spiel Ernst werden kann.

Eine harmlose, alltägliche Szene. Ein Schüler steht im Bus und liest. Eine Schülerin kommt, pöbelt ihn an, beleidigt ihn, der Konflikt schaukelt sich hoch. Was tun?

Eine andere, nicht ganz so harmlose Szene. Zwei Betrunkene machen eine allein sitzende Frau an, umkreisen und bedrohen sie. Die Beklemmung ist im Bus der Stadtwerke spürbar. Die Schüler wissen: Hier wird ein Schauspiel aufgeführt. Doch die Theaterpädagogen Stefanie Steinbrück, Markus Brockmeyer und Johannes Wilke spielen ihre Rollen so lebensnah und so nah an den Teenagern, dass ihr anfängliches Gekicher verklungen ist.

Schüler mischen sich ein

Doch nicht alle schauen dem Schauspiel kommentarlos und untätig zu. Beim zweiten Durchlauf der Szene der zwei Schüler erheben manche der jungen Zuschauer ihre Stimme. „Hey, lass den in Ruhe“ rufen sie. Als die Aggressorin ihr Opfer in den hinteren Teil des Busses verfolgt, stellt sich ein Junge in den Weg und ignoriert sie. Währenddessen läuft eine Schülerin zum Busfahrer und meldet die Situation.

Brockmeyer bricht ab und lobt die Schüler. Er weist daraufhin, dass die Schüler sich immer auf das Opfer konzentrieren sollten. „Die Täter wollen Aufmerksamkeit.“ Deutlicher wird das bei dem Konflikt mit den Betrunkenen. Ein Mädchen winkt die bedrängte Frau zu sich, holt sie aus der Konfliktzone. Die bedrohte Frau solle sich zu ihr und ihren Freundinnen setzen, sagt die Schülerin. Wieder bricht Brockmeyer ab, lobt das Engagement des Mädchens und gibt weitere Tipps. Bei solchen Situationen sei es gut, wenn die Schüler auf ihr Bauchgefühl hören und reagieren, sobald sie merken, dass etwas nicht stimmt. Sie sollten auch den Tätern nie zu nahe kommen und mindestens eine Armlänge Abstand halten.

Immer Busfahrer informieren

Brockmeyer und Karl-Heinz Klenke vom Präventionsteam der Polizei betonen, dass es immer hilfreich sei, den Busfahrer zu informieren. „Wir haben vorne einen Knopf. Wenn wir auf den drücken, ist innerhalb weniger Minuten die Polizei da“, sagt Busfahrer Ralf Haunhorst. Klenke empfiehlt den Jugendlichen, sich nie nach hinten zu setzen, wenn sie abends mit dem Bus fahren. Unter den Busfahrern werde der hintere Teil „Opferbank“ genannt, verrät Haunhorst. Er und seine Kollegen hätten keinen Einblick in das, was hinten geschieht, sagt er weiter. Besser sei es, vorne oder in der Nähe der Tür zu sitzen.

Das Präventionsprojekt „Dreist“ ist eine Kooperation der Theaterpädagogischen Werkstatt, der Stadtwerke und der Polizeiinspektion Osnabrück. Es wird mit 5000 Euro gefördert, die durch den Erlös des Konzerts „Musikstreife“ zusammengekommen sind. Der Sozialpädagoge der Thomas-Morus-Schule, Christoph Weis, erläuterte, dass es bei dem Projekt darum gehe, Jugendliche stark zu machen, um gewaltfrei mit Konflikten umzugehen. „Nicht nur im Bus, auch in der Schule“, sagte er.

Mehr Infos unter http://www.theaterpaed-werkstatt.de.


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