Ökumenischer Jugendkreuzweg eröffnet „Sprayen hat den Hauch des Verbotenen“

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Jesus ist mittendrin: Die 2. Station des ökumenischen Jugendkreuzwegs 2018, gestaltet von dem Osnabrücker Künstler Mika Springwald.Jesus ist mittendrin: Die 2. Station des ökumenischen Jugendkreuzwegs 2018, gestaltet von dem Osnabrücker Künstler Mika Springwald.

Osnabrück. Den bundesweiten ökumenischen Jugendkreuzweg, der jetzt offiziell eröffnet wurde, hat der Osnabrücker Mika Springwald mit einer Mischung aus Fotos und gesprühten Bildern gestaltet. Eine Kunstform, sagt er, mit der sich Jugendliche gern auf religiöse Themen einlassen.

Die Rückwand des Kreuzgangs im Osnabrücker Dom ist in pinkes Licht getaucht. Die Kreuzrippen schimmern leuchtend blau. Auf dem angrenzenden Domherrnfriedhof verbreiten Fackeln flackerndes Licht und einen rauchigen Duft. Die elektronisch verstärkte Gitarre stimmt mit einer ruhigen Melodie ein: Es ist Ökumenischer Jugendkreuzweg. „#beimir“ lautet sein Motto und beschäftigt sich mit der Frage: Ist Jesus wirklich bei mir, mitten im Leben?

Seit 1958 gibt es den Kreuzweg – aber er hat sich verändert. Brachte man früher Hunderte junge Leute auf die Beine, sind heute um die 30 gekommen – und viele davon sind eher erwachsen als jugendlich. „Das täuscht“, sagt Alexander Bothe von der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, der für die bundesweite Eröffnung der Aktion extra aus Düsseldorf angereist ist. „Es sind jedes Jahr um die 60.000 Jugendliche, die diesen Kreuzweg beten.“

Ein gesprayter Jesus mit Jeans und T-Shirt

Gestaltet wird er immer wieder neu. Diesmal, zum zweiten Mal in Folge, von dem Osnabrücker Künstler Mika Springwald. Er macht Graffiti-Kunst und hält das für besonders geeignet, um Jugendliche zu interessieren. „Sprayen hat den Hauch des Verbotenen“, sagt er. „Es ist ein guter Weg, Kirchliches an Jugendliche heranzutragen.“ Jetzt in der Fastenzeit ist er häufig ehrenamtlich unterwegs, um in Schulen, mit Firmlingen oder Konfirmanden das Thema des Kreuzwegs zu erarbeiten. „Auf meinen Kreuzwegbildern steht ein gesprayter Jesus in Jeans und T-Shirt zwischen normalen Menschen in normalen Alltagssituationen: auf dem Sportplatz zum Beispiel, im Krankenhaus, auf dem Bahnsteig – und das ist dann gar nicht so weit weg von den Jugendlichen“, so Springwald. Die Bilder, Texte und Lieder könne man wie ein „Rundum-Sorglos-Paket“ benutzen, sagt er. Oder aber selbst kreativ werden.

So wie an diesem Abend in Osnabrück. Denn außer den gestalteten Kreuzwegbildern werden Fotos gezeigt, die Jugendliche gemacht haben und die zeigen, wo Jesus ihnen begegnen kann: ein gesprayter Jesus draußen auf dem zugefrorenen See, beim Sport, auf dem Klo. Vorgestellt haben diese Bilder Jugendliche selbst, zum Beispiel Lotte Rahenkamp (15) und Eike Freisel (16). „Wir waren auch im vergangenen Jahr schon dabei“, sagt Eike. „Für mich ist das eine Möglichkeit mal runterzukommen von dem Klausurstress gerade, neue Kraft zu kriegen.“ „Und Leute zu treffen“, ergänzt Lotte. „Im letzten Jahr hat es in Strömen geregnet, wir haben draußen gesprayt und dabei total nette Leute getroffen.“ Vielleicht war deshalb der ökumenische Jugendkreuzweg in diesem Jahr zumindest überdacht, auch wenn ein kalter Wind durch den Kreuzgang pfiff. Und atmosphärisch schön war er auch mit den Lichteffekten und den Liedern, die im Kreuzgang auch mit wenigen Sängern gewaltig klangen.

Mit einer App über Osten hinaus interessant


Auch Alexander Bothe, dem bischöflichen Jugendreferenten aus Düsseldorf, hat die Veranstaltung gut gefallen. Und er betont, dass es jetzt weitergeht – und zwar über die Fastenzeit hinaus. „Seit wir zusätzlich eine App anbieten, merken wir, dass das Material auch ganzjährig genutzt wird, nicht nur für Kreuzwege, sondern für alle möglichen Angebote für und mit Jugendlichen.“ Verständlich, denn die Frage von #beimir, ob und wie Jesus bei mir ist, ist Ostern noch lange nicht beantwortet.


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