Ausstellung in Osnabrück Fritz Wolf ganz privat: Er war ein Osnabrücker

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Osnabrück. Das Osnabrücker Diözesanmuseum zeigt einen Schatz von hohem kulturellen Wert: private Karikaturen von Fritz Wolf. Viele stammen aus dem Besitz früherer Weggefährten und sind bislang nicht öffentlich gezeigt worden.

Zum Freundeskreis des „Mennekenmalers“ (Wolf über Wolf) aus Nahne gehörte Altoberbürgermeister Hans-Jürgen Fip. Sie seien sich über die Politik näher gekommen, sagte Fip am Donnerstagabend zur Ausstellungseröffnung im Talk mit Museumsdirektor Hermann Queckenstedt. „Ich bin ja, das ist heute nicht leicht zu sagen, seit 54 Jahren Sozialdemokrat, und war damals aktiver Jungsozialist“, berichtete Fip –was Wolf in den Siebzigerjahren zu einer ganz auf Fip zugespitzten Karikatur animierte: Willy Brandt, Herbert Wehner und andere Spitzen der SPD nehmen sich vor Fip in Acht, während im Hintergrund ein Demonstrant, der Wolf sehr ähnlich sieht, ein Schild trägt: „Fip ist der Untergang Deutschlands.“

Von höchster Qualität

Fip lobte den Scharfsinn seines einstigen Freundes, würdigte die „höchste Qualität“ seiner Arbeiten und bedauerte, dass das Haus der Geschichte in Bonn noch keine Karikaturen von Fritz Wolf zeige. „Aber das wird sich hoffentlich bald ändern“, so Fip. Er bedauerte, dass es nicht gelungen ist, in der Osnabrücker Altstadt ein Fritz-Wolf-Haus einzurichten. Gescheitert sei es auch an mangelnder Unterstützung von privaten Geldgebern, so Fip und nahm bei diesen Worten Berthold Hamelmann in der ersten Reihe scharf in den Blick, Stellvertreter des Chefredakteurs der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Hamelmann, der Wolf noch in dessen aktiver Zeit erlebte, blickte „mit der NOZ-Brille“ auf die Karikaturen. Fritz Wolf sei mehr als nur „Hauskarikaturist“ gewesen. Er habe das Bild der NOZ mitgeprägt – und das in fast jeder Ausgabe, sechs Mal die Woche. Insgesamt etwa 15000 Karikaturen dürfte Wolf für die NOZ gezeichnet haben. Er habe es verstanden, komplexe Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen. Hamelmann: „Fritz Wolf hat Politik für viele Menschen verständlich gemacht.“

Frauen zeichnete er nur ungern

Wie lief die Zusammenarbeit ab? Der damalige NOZ-Chefredakteur Franz Schmedt, 34 Jahre an der Spitze der Redaktion, stimmte täglich mit Fritz Wolf telefonisch das Thema des Tages ab. Später kam Wolf in die Redaktion und gab das Blatt ab. „Das Ätzende, das Zynische war nicht sein Stil“, zitierte Hamelmann aus dem Nachruf, der zum Tod von Fritz Wolf am 27. Dezember 2001 in der NOZ erschien. Wolf habe Politiker mit Ecken und Kanten geliebt, wie Herbert Wehner oder Oskar Lafontaine. Frauen zeichnete er angeblich nur ungern, so Hamelmann: „Die wollen immer schön sein“, soll Wolf einmal in ein Mikrofon gehaucht haben.

Der Ernst des Lebens und die Heiterkeit der Kunst

Bürgermeisterin Birgit Strangmann hob Wolf in die Reihe „der größten Künstlersöhne unserer Stadt im 20. Jahrhundert“. Er habe perfekt den Ernst des Lebens mit der Heiterkeit der Kunst verbunden, überspitzt gesellschaftliche Fehlentwicklungen sichtbar gemacht und mit einem Augenzwinkern die kleinen Schwächen des Normalbürgers aufgespießt. „Sein Spott war nie von Boshaftigkeit geprägt. Deshalb rufen seine Karikaturen eher ein Schmunzeln, als ein Erschrecken hervor. Und vielen Politikern galt es als Ehre, von Fritz Wolf karikiert zu werden“, sagte Strangmann.

Zuvor hatten Weihbischof Johannes Wübbe und Marcus Wolf, Vorstandsmitglied der Fritz-Wolf-Gesellschaft und Neffe von Fritz Wolf, die etwa 150 Gäste im Franz-von Assisi-Haus begrüßt. Die Ausstellungseröffnung war wegen der hohen Nachfrage aus dem Dom-Forum dorthin verlegt worden. Fritz Wolf wäre am 7. Mai 2018 100 Jahre alt geworden. Die Ausstellung im Diözesanmuseum ist ein Teil der Würdigungen in diesem Jahr.

Alte Karikaturen wieder aktuell


Karikaturen von Fritz Wolf

Forum am Dom, Domhof 12, 49074 Osnabrück, Tel. 0541 318-481; Di.-So. 10-18 Uhr Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche ist der Eintritt frei, Eintritt frei mit „CityCard“. Die Ausstellung endet am 15. Juli 2018. www.bistum-osnabrueck.de/dioezesanmuseum.html

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