Zu wenig Frauenhäuser Osnabrücker Rat will Schutz für Frauen verbessern

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Demo für das Frauenhaus. Das Bild entstand 2012, als der Rat über einen finanziellen Beitrag der Frauenhaus-Bewohnerinnen diskutierte. Aktuell dreht sich die Diskussion um akuten Platzmangel im Frauenhaus. Archivfoto: Gert WestdörpDemo für das Frauenhaus. Das Bild entstand 2012, als der Rat über einen finanziellen Beitrag der Frauenhaus-Bewohnerinnen diskutierte. Aktuell dreht sich die Diskussion um akuten Platzmangel im Frauenhaus. Archivfoto: Gert Westdörp 

Osnabrück. Das Osnabrücker Frauenhaus ist zu klein geworden. Über 484 Schutzsuchende musste das Haus 2017 abweisen, weil alle Zimmer belegt waren. Auf Antrag der Linkspartei will die Stadt dieses Problem angehen und prüfen, wie mehr Wohnraum für schutzbedürftige Frauen bereitgestellt werden kann.

Es kommt nicht oft vor, dass ein Antrag der beiden Linken-Ratsfrauen Giesela Brandes-Steggewentz und Heike Reichinnek einstimmig den Rat passiert. Ihre Bitte, mehr Schutzraum für von Gewalt bedrohten Frauen in der Stadt zur Verfügung zu stellen, stellte sich keine Fraktion im Weg. Im Gegenteil: Thomas Thiele (FDP) bedankte sich ausdrücklich, „dass das Thema hier aufgegriffen wird“, und forderte zugleich, den Landkreis stärker heranzuziehen. Das Frauenhaus in Osnabrück sei Zufluchtsort auch für viele Frauen aus dem Umland, so Thiele.

Die Kapazitäten des Osnabrücker Frauenhauses reichen längst nicht mehr aus. 30 Personen kann das Frauenhaus unterbringen, 15 Frauen und 15 Kinder. Das Problem: Weil der Wohnungsmarkt in der Stadt ausgereizt ist, müssen die bedrohten Frauen länger als gedacht im Frauenhaus ausharren. Manche länger als ein Jahr, wie Sabine Strotmann vom Frauenhaus-Trägerverein im Juli 2017 unserer Redaktion sagte. Es treffe vor allem Alleinerziehende, die von Armut betroffen seien, oft mit Migrationshintergrund.Strotmann: „Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.“

So sieht es auch Giesela Brandes-Steggewentz, die den Antrag ihrer Fraktion begründete. Sie zitierte einen NDR-Bericht, wonach im vergangenen Jahr in Niedersachsen 2600 Frauen abgewiesen werden mussten, die Schutz in einem Frauenhaus begehrten. „Diese Situation ist nicht länger tragbar“, so Brandes-Steggewentz. Die Stadt müsse in akuten Notlagen auf leer stehende Wohnungen zurückgreifen. Langfristig ist das Problem aus ihrer Sicht nur durch die Neugründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft zu lösen.

In dieselbe Kerbe schlugen Diana Häs (Grüne) und Roswitha Pieszek (SPD). Die SPD-Ratsfrau lieferte aktuelle Zahlen: Im vergangenen Jahr musste das Osnabrücker Frauenhaus 221 Frauen und 262 Kindern den Zugang verwehren, weil alle Zimmer belegt waren. „Wenn der Rat damals nicht die Wohnungsbaugesellschaft verschenkt hätte, hätten wir jetzt ein Instrument in der Hand“, sagte Pieszek.

Die CDU unterstütze den Linken-Antrag, sagte Günter Sandfort (CDU), doch stellten sich weitere Fragen, denen die Verwaltung ebenfalls nachgehen sollte: „Warum ist die Nachfrage gestiegen? Hat die häusliche Gewalt zugenommen? Ist das nur ein temporäres Problem?“ Ralph Lübbe (BOB) lokalisierte das Problem in der zu langen Aufenthaltsdauer, Wulf-Siegmar Mierke (UWG) forderte – im Einklang mit der FDP – den Landkreis stärker in die Pflicht zu nehmen.

Widerspruch aus dem Rat erhielt nur Pirat Nils Ellmers, der eine Lanze für von Gewalt bedrohte Männer brach. Auch in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften träte häusliche Gewalt auf, sagte Ellmers. Betroffene Männer hätten keinen Zufluchtsort, ihnen bliebe oft nur die Obdachlosenunterkunft. Günter Sandfort kanzelte Ellmers Beitrag als „völlig daneben“ ab.


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