Chaos bei der AfD Osnabrück AfD-Kreischef schmeißt nach nur fünf Monaten hin

Von Jean-Charles Fays


Osnabrück. Nach nicht einmal fünf Monaten im Amt tritt der AfD-Kreisvorsitzende Matthias Linderkamp schon wieder zurück. In einer E-Mail an die Mitglieder des AfD-Kreisverbands Osnabrück schreibt er davon, aufgrund von „zuletzt erfolgten Angriffen keine wirkliche Alternative“ zu haben. Er wolle „sich selbst und auch seine Familie solchen Angriffen nicht mehr länger aussetzen“.

Auch der AfD-Sprecher und stellvertretende Kreisvorsitzende Daniel Wolf trat zurück. Weder Linderkamp noch Wolf waren für unsere Redaktion am Donnerstag für eine Stellungnahme erreichbar. Der Vorsitzende der AfD-Kreistagsfraktion Martin Krieger war am 7. Februar nach schwerer Krankheit im Alter von 63 Jahren verstorben. Das Kreistagsmitglied Felix Elsemann übernahm danach den Fraktionsvorsitz und bestätigte unserer Redaktion, dass die E-Mail, in der Linderkamp jetzt von seinem Rücktritt schreibt, dieses Mal „keine Fake-E-Mail“ ist.

( Weiterlesen: AfD Osnabrück will mit altem Kreischef neu anfangen)

Anzeige wegen Fake-E-Mail mit Hakenkreuz

Anfang Januar hatte unsere Redaktion bereits eine E-Mail erreicht, deren Absender sich als Matthias Linderkamp ausgab, und schrieb, dass er „wegen der immer weitergehenden persönlichen Anfeindungen in der letzten Zeit“ vom Amt des ersten Vorsitzenden der AfD Osnabrück zurücktrete. Linderkamp hatte auf telefonische Anfrage unserer Redaktion daraufhin aber kommentiert: „Das ist eine Fake-E-Mail. Wir werden dem nachgehen.“ Daraufhin hatte er Anzeige erstattet — auch weil ihm darüber hinaus unterstellt wurde, eine Mail an den AfD-Kreisvorstand mit dem Schriftzug „Deutsche Neujahrsgrüße“ und einem Hakenkreuz verschickt zu haben. Der Hasberger hatte vehement bestritten, Urheber dieser E-Mails zu sein. Kurios ist, dass Linderkamp nur zwei Monate später mit einer ähnlichen Begründung in der Tat von seinem Amt zurücktritt.

( Weiterlesen: Kompletter Kreisvorstand der AfD Osnabrück tritt zurück)

AfD-Fraktionschef: Vorgeschobene Gründe

AfD-Fraktionschef Elsemann sagte unserer Redaktion am Donnerstag: „Der Kreisvorsitzende Matthias Linderkamp und der stellvertretende Kreisvorsitzende Daniel Wolf haben gestern beziehungsweise vorgestern ihren Rücktritt mitgeteilt.“ Was Linderkamp mit den Angriffen gegen sich und seine Familie gemeint haben könnte, kann Elsemann sich nicht erklären: „Mir sind keine Angriffe auf ihn oder seine Familie bekannt.“ Elsemann, der ebenfalls Mitglied im Kreisvorstand ist, sagt: „Die Gründe, die die beiden in ihren Mails angegeben haben, sind meiner Einschätzung nach vorgeschobene Gründe. Es geht wohl eher darum, dass es unterschiedliche Auffassungen darüber gab, wie der Vorstand arbeiten sollte.“ Dies betreffe hauptsächlich die Aufarbeitung und Beilegung der in der Vergangenheit entstandenen Konflikte und die Transparenz gegenüber den Mitgliedern. „Wenn jemand diesen Kurs nicht mittragen möchte, steht es natürlich jedem frei, sein Amt niederzulegen“, kommentiert Elsemann. In AfD-Kreisen wird zudem gemutmaßt, dass sich Wolf und Linderkamp beim Braunschweiger Landesparteitag am 7. und 8. April in den Landesvorstand wählen lassen wollen, nachdem die AfD-Landesspitze abgesetzt wurde.

( Weiterlesen: Verkorkster Neuanfang für die AfD Osnabrück)

Gero Körding übernimmt kommissarisch die Aufgaben des AfD-Kreisvorsitzenden

Der AfD-Kreisverband Osnabrück will zeitnah einen Kreisparteitag einberufen, auf dem ein neuer Kreisvorsitzender und ein stellvertretender Kreisvorsitzender gewählt werden sollen. Bis zum Kreisparteitag soll der bisherige stellvertretende Kreisvorsitzende Gero Körding aus Georgsmarienhütte die Aufgaben des Kreisvorsitzenden übernehmen.