Stadt: Keine Schlamperei Bombe im Osnabrücker Baugebiet übersehen – weil sie am Rand lag

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Osnabrück. Der Baggerfahrer hatte Glück, dass die TNT-Ladung nicht hochging, als er im Landwehrviertel die Fliegerbombe aus dem Krieg freilegte. Aber warum hat der Sondierungstrupp den Blindgänger im vergangenen Jahr übersehen? Weil er am Rand lag und vom Georadar nicht erfasst wurde, sagen die Fachleute.

Der Pressetermin am Donnerstag findet genau dort statt, wo der Kampfmittelräumdienst die 250-Kilo-Bombe 17 Tage zuvor gesprengt hatte. Vom Krater, den die Explosion in den Boden gerissen hatte, ist zwar nichts mehr zu sehen, aber eine brisante Frage liegt in der Luft: Hat das im vergangenen Jahr mit der Sondierung beauftragte Unternehmen schlampig gearbeitet?

Jürgen Wiethäuper vom Fachbereich Bürger und Ordnung der Stadt nimmt die Spezialisten von der Firma Stascheit Kampfmittelräumung aus Gardelegen in Schutz. Auch bei sorgfältiger Arbeit gebe es keine hundertprozentige Sicherheit, schon gar nicht im Randbereich einer untersuchten Trasse.

Sondierung mit dem Handwagen

Im Landwehrviertel, dem größten Baugebiet in Osnabrück, laufen derzeit die Erschließungsarbeiten im Auftrag der Stadtwerke-Tochter Esos. Überall dort, wo die Arbeitsgemeinschaft der Tiefbauunternehmen Dallmann und Dieckmann jetzt neue Kanäle verlegt und Baustraßen befestigt, haben die Sondierer von Stascheit zuvor das Terrain erkundet. Zu diesem Zweck wurde entlang der geplanten Trassen der Oberboden abgeschoben und jeder Quadratmeter mit dem Georadar inspiziert.

Das Gerät reagiert auf unterschiedliche Dichten im Boden, wie Wiethäuper ausführt. Es wird auf einem Handwagen montiert und Bahn für Bahn über den sandigen Untergrund gezogen. Sondiert werde in die Tiefe, aber nicht zur Seite, erklärt der amtliche Sachwalter der kriegerischen Hinterlassenschaften. Aber ausgerechnet am schwer zugänglichen Rand habe sich der Blindgänger befunden – und sei deshalb leider nicht aufgespürt worden.

Es gebe verschiedene Sondierungsverfahren, macht Wiethäuper klar, die meisten reagierten auf Metalle im Boden. Das Georadar sei ein „gutes Verfahren“ und hervorragend für die Erkundung des ehemaligen Kasernengebiets geeignet. Auch nach dem Schock mit der Baggerschaufel würde er es weiterhin für das Landwehrviertel favorisieren, betont der Ordnungsamtsleiter.

„Wieder ein gutes Gefühl“

Um auf Nummer Sicher zu gehen, lassen die Esos und die Arbeitsgemeinschaft der Bauunternehmen in diesen Tagen noch einmal alle Trassenränder sondieren¨– mit einem anderen Verfahren. „Ich habe jetzt wieder ein gutes Gefühl, unsere Mitarbeiter auf die Fläche zu schicken“, meint Jens-Peter Zuther von der Firma Dieckmann Bauen und Umwelt. Stadtsprecher Sven Jürgensen behauptet sogar, das Landwehrviertel sei das „bestuntersuchte Gebiet in ganz Deutschland“.

Dabei gilt allerdings eine Einschränkung, auf die Zuther hinweist: Vollständig sondiert wurden auf dem Kasernengelände bislang nur die Trassen für den Kanal- und Straßenbau. Für die Grundstücke, die in Kürze bebaut werden sollen, sind die Eigentümer zuständig. Nach Einschätzung von Esos-Geschäftsführer Marcel Haselof müssen noch etwa 20 Hektar untersucht werden. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass dabei noch die eine oder andere Bombe zum Vorschein kommt, meinen die Fachleute.


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