Verdi-Ausstand in Osnabrück Öffentlicher Dienst streikt – Osnabrücker Kitas betroffen

Von Catharina Kronisch


Osnabrück. Nach einem Aufruf von Verdi haben am Donnerstag in Osnabrück mehrere Angestellte des öffentlichen Dienstes gestreikt. Das hat unter anderem bei kommunalen Kindertagesstätten zu Engpässen bei der Betreuung geführt.

Vom Erzieher bis zum Angestellten in der Verwaltung: Mehr als drei Stunden lang legten die kommunalen Mitarbeiter im öffentlichen Dienst die Arbeit nieder: Von 11 bis 14.15 Uhr verliehen rund 200 Frauen und Männer beim Verdi-Warnstreik in der Osnabrücker Lagerhalle ihren Forderungen Nachdruck. Verdi forderte dabei für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst sechs Prozent mehr Geld. „Wir fordern mindestens 200 Euro mehr Lohn“, sagt die Gewerkschaftssekretärin vom Verdi-Bezirksverband Weser-Ems Franziska Dieckmann. Zusätzlich müssten unter anderem die bisher nicht tariflichen Ausbildungs- und Praktikumsverhältnisse nach Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes (TVAöD/TVPöD) bezahlt und der Nachtarbeitszuschlag in Krankenhäusern auf 20 Prozent angehoben werden.

Um diese Position zu verdeutlichen, hatte Verdi zum Streik am Donnerstagvormittag aufgerufen. „Das ist nur ein kleiner Streik, wir streiken diesmal nicht den ganzen Tag, noch sind die Verhandlungen ja nicht eskaliert“, sagt Dieckmann.

Betreuungsnotstand in Kindertagesstätten

Von dem Streik betroffen waren unter anderem die kommunalen Kindertagesstätten in Osnabrück. In der Kita am Schölerberg hat es nach Angaben von Ole Spitzer aufgrund der vielen streikenden Mitarbeiter große Probleme gegeben. Spitzer ist dort Erzieher und zugleich Sprecher der gewerkschaftlich organisierten Erzieher und Sozialarbeiter. „Es können nur 25 anstatt 101 Kinder betreut werden, bei uns hat es heute Morgen richtig gescheppert“, sagt er. „Wir konnten nicht alle Kinder bei uns aufnehmen. Das war für viele Eltern eine Katastrophe, denn sie mussten sich schnell eine andere Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder suchen.“ Zuvor habe die Kita am Schölerberg damit gerechnet, während des Streiks mindestens Kapazitäten für 40 Kinder zu haben. Dafür habe es eine Notfallplatz-Liste gegeben, in die sich die Eltern eintragen konnten. „Die war sofort voll, viele Eltern wollten ihre Kinder trotzdem vorbeibringen, auch ohne garantierten Platz“, ergänzt Spitzer.

Die Wut und Sorge der Eltern sei deutlich zu spüren gewesen: „Uns wurde gedroht, die Kita-Gebühren nicht mehr zu bezahlen, manche waren auch richtig verzweifelt, da sie nicht wussten, wohin mit ihrem Kind.“

Auch wenn der Streik nur für ein paar Stunden angesetzt war, habe die Kita am Schölerberg die Betreuungsplätze aus organisatorischen Gründen den gesamten Tag über einschränken müssen. „Viele Eltern haben heute versucht, sich gegenseitig zu helfen, eine Lösung zu finden“, sagt Petra Choina, Mutter und Mitglied im Elternbeirat der Kindertagesstätte am Schölerberg. „Wir haben großes Verständnis für die Erzieher, aber gerade für Berufstätige ist es schwierig, wenn die Kinder nicht in der Kita aufgenommen werden können.“

Weniger dramatische Auswirkungen beim OSB

Auch Mitarbeiter des Osnabrücker Servicebetriebes waren am Streik beteiligt. In der Lagerhalle vor Ort seien unter anderem Mitarbeiter von den Grünabfallplätzen, aus der Verwaltung oder aus den Servicecentern gewesen. „Das Niederlegen der Arbeit beim OSB hat aber keine drastischen Auswirkungen gehabt: Unsere Müllabfuhr-Mitarbeiter, die zum Beispiel für feste Routen eingeplant waren, streiken heute nicht, die Arbeit muss ja trotzdem erledigt werden“, sagt Wilhelm Koppelmann, Mitglied in der Verdi-Bundestarifkommission und Personalratsmitglied beim OSB.

Die nächsten Verhandlungsrunden sind am 12. und 13. März sowie am 15. und 16. April.