Politologe Hans-Jürgen Bieling Tagung in Osnabrück: Wie kann man Rechtspopulismus begegnen?

Von Steffen Siekmeier

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Hans-Jürgen Bieling ist zu Gast an der Universität Osnabrück. Foto: BielingHans-Jürgen Bieling ist zu Gast an der Universität Osnabrück. Foto: Bieling

stsi Osnabrück . Eine Verharmlosung des Rechtspopulismus hält er für falsch, eine zu große politische Bühne auch. Wichtiger sei es, den verunsicherten Menschen Alternativen anzubieten, sagt der Politikwissenschaftler und Rechtspopulismusforscher Hans-Jürgen Bieling. Am Freitag ist er Gast in der Aula der Universität Osnabrück.

„(Rechts-) Populismus in Europa – Ursachen und Herausforderungen“ heißt das Thema des Professors für Politik und Wirtschaft am Institut für Politikwissenschaft der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, das er beim Forum für soziale Gerechtigkeit erörtern wird. Im Hauptflügel vom Schloss Osnabrück gibt Bieling einen Überblick über Formen und Ausprägungen des Rechtspopulismus in Europa und Erklärungsansätze für die Attraktivität rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen. Der Politologe sieht die Ursachen unter anderem in einem Zusammenspiel zwischen sozioökonomischen und kulturellen Aspekten.

Verlust von Traditionen

Warum werden rechtspopulistische Parteien gewählt? Die Angst vor dem sozialen Abstieg sei ein zentrales Motiv. Das Gefühl, von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht zu sein, treibe viele Menschen in die Arme von Rechtspopulisten. Hinzu kämen Veränderungen im sozio-kulturellen Umfeld der Leute – gerade in ländlichen Regionen. Bedeutungsverluste von traditionellen Institutionen, weniger Zulauf in Vereinen und Kirchen und Entvölkerung auf dem Land ließen Raum für Parteien wie die AfD.

Auch in vielen anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gewinnen rechtspopulistische Bewegungen und Parteien immer mehr Anhänger. In Polen und Ungarn regieren sie bereits, in Österreich sind sie an der Regierung beteiligt, fast überall schaffen sie es in die Parlamente.

Neue Ansätze der Rechtspopulisten

Die Entdeckung der sozialen Frage sei neu für Rechtspopulisten und unterscheide aktuelle Vertreter von ihren Vorgängern, erklärt Bieling. Die meisten Parteien kennzeichne mittlerweile – neben dem Fokus auf Heimat, Tradition und der ethnisch-nationalen Abgrenzung gegenüber Fremden – eine „klare wohlfahrtsstaatliche Orientierung.“

Bei der Etablierung der rechtspopulistischen Parteien in der politischen Landschaft spiele aber auch das jeweilige Wahlsystem eine Rolle – ein Mehrheitswahlrecht verhindere oftmals die Entfaltung des Rechtspopulismus in den nationalen Parlamenten. Hier profitieren meist die großen Parteien.

„Harte Kante zu zeigen“

Wie also dem Rechtspopulismus begegnen? Wichtig sei, die Parteien und vor allem ihre Wähler ernst zu nehmen und alternative Antworten zu bieten. Dabei gebe es aber klare Grenzen. Das Thema Migration habe das TV-Duell der beiden Kanzlerkandidaten zur jüngsten Bundestagswahl zum Beispiel stark dominiert, teilweise gehe die Politik den Rechtspopulisten zu einfach auf den Leim. Es sei legitim, auch Mal die „Kante zu zeigen“, rät Bieling – einige Debatten müssten nicht geführt werden.


„Ein Gespenst geht um: Rechtspopulismus in Europa“,so lautet der Titel der 18. Jahrestagung der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften. Am 9. März 2018 ab 10.00 Uhr diskutieren in der Aula der Universität Osnabrück (Schloss) Referenten aus Deutschland, Frankreich, Polen, Ungarn und Österreich mit den Teilnehmenden.

Wo liegen die Ursachen für diesen Erfolg und welche Folgen sind absehbar? Die beiden Wissenschaftler Prof. Hans-Jürgen Bieling (Uni Tübingen) und Lea Elsässer (Uni Duisburg-Essen) geben ab 10.30 Uhr einen Überblick über Formen und Ausprägung des Rechtspopulismus in Europa und Erklärungsansätze für die Attraktivität dieser Haltungen. Einen tiefen Einblick in die aktuelle Situation in ihren Ländern präsentieren ab 13. Uhr Oliver Röpke (Wien), Isabelle Maras (Nizza), Dominika Pyzowska (Warschau) und Károly György (Budapest). Gemeinsam wird nach möglichen Antworten auf diese, die Europäische Integration gefährdende Entwicklung gesucht. Die Tagung findet in deutscher Sprache statt.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos, um eine Anmeldung wird gebeten unter: www.kooperationsstelle-osnabrueck.de.

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