Interview zur Lesetour Schauspieler Roland Jankowsky kann mehr als „nur“ Overbeck

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Während seiner Lesung schlüpft Roland Jankowsky in mehrere Rollen. Foto: Werner PelmWährend seiner Lesung schlüpft Roland Jankowsky in mehrere Rollen. Foto: Werner Pelm

Osnabrück. Schauspieler Roland Jankowsky ist vielen durch seine Rolle Overbeck aus den Wilsberg-Krimis bekannt. Doch bei seiner Lesetour „Wenn Overbeck (wieder)kommt“ zeigt der 50-Jährige, dass er mehr kann, als seine Paraderolle. Warum diese trotzdem Namensgeber ist und wie er die Beliebtheit von Krimis bewertet, erzählt er im Interview.

Herr Jankowsky, Ihre aktuelle Lesetour heißt „Wenn Overbeck (wieder)kommt“ – was passiert denn dann?

Jankowsky: Ich lese wieder schräge kriminelle Kurzgeschichten vor. Das wird eine schöne Mischung. Auf der einen Seite gibt es Morde und Tote, aber so verpackt, dass die Leute immer was etwas zu lachen haben. Der Humor kommt nicht zu kurz.

Wie viel ihrer Rolle Overbeck aus den Wilsberg-Krimis steckt denn in der Lesung?

Eigentlich so gut wie gar nichts. Aber wenn die Lesung „wenn Jankowsky (wieder)kommt“ heißen würde, fragen sich die Leute, ,wer war das nochmal?´. Wenn die Leute Overbeck lesen, haben sie gleich eine Assoziation und werden neugierig. Overbeck ist aber auch nur eine Rolle, die ich spiele. Auch wenn ein Teil von mir privat mit drin steckt, das kann ich nicht verleugnen. In der Lesung schlüpfe ich aber in acht bis zehn unterschiedliche Rollen und Dialekte. Da lernt man den Schauspieler Jankowsky von ganz anderen Seiten kennen.

Wie schwierig ist es innerhalb kürzester Zeit in diese verschiedenen Rollen reinzuschlüpfen?

Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal kommen so Ideen schon beim Lesen einer Geschichte. Das sticht dann richtig ins Auge, wie man die Rolle anlegen kann. Bei anderen Geschichten kommt es erst nach drei bis vier Mal lesen, dass mir ein Dialekt einfällt, den man noch einfließen lassen könnte.

Sie stellen in der Lesung „kriminelle Kurzgeschichten“ vor. Worum geht’s da beispielsweise?

Zwei Geschichten kommen mir direkt in den Sinn: Eine handelt von einer Familie, die sich auseinandergelebt hat, jetzt aber dazu verdammt ist gemeinsam in den Frankreich-Urlaub zu fahren. Das ist ein skurriler Urlaub, bei dem einige Leichen auf dem Weg bleiben. Aber das Schöne an dem Urlaub ist, dass sich bei all den schrägen Vorkommnissen eine Familie zurückfindet. Eine andere Geschichte geht über eine Internetbekanntschaft. Ein Mann hofft auf ein Liebesabenteuer - mit einer Domina. Aber dann kommt es doch ganz anders. Ich sag nur so viel: Man lernt ein Möbelhaus aus ganz anderen Perspektiven kennen.

Krimis sind gerade in Deutschland unfassbar beliebt. Sie selbst haben auch in mehreren Formaten wie „Der Clown“, „SOKO Köln“ oder eben „Wilsberg“ mitgespielt. Wie zeigt sich diese Beliebtheit?

Das ist ähnlich wie mit den Autos. Früher gab es schwarze, silberne und vielleicht noch rote Autos. Heute gibt’s die in allen möglichen Farben. Da gab und gibt es eine große Individualisierung. Und genau das gleiche ist auch bei den Krimis der Fall. Fast jede Stadt hat mittlerweile ihren eigenen Krimi, weil die Leute sich dann noch mehr angesprochen fühlen, wenn der Krimi in ihrer Gegend spielt. Das ist auch eine Antwort auf das Interesse der Zuschauer. Aber: Ich finde, dass es da auch viel Licht und Schatten gibt. Nicht jeder Krimi ist gleich gut. Wir waren mit „Wilsberg“ fast die ersten, bei denen es in der Geschichte nicht nur auf Blut und Tod ankam. Die humoreske Ebene war von Anfang an wichtig. Doch diese Gratdwanderung den Humor und gleichzeitig auch das Krimigenre zu bedienen, das klappt nicht bei allen Formaten habe ich den Eindruck.

Worauf kommt es Ihnen selbst bei einem Krimi an?

Er muss mich fesseln und die Figuren müssen gut nachvollziehbar sein. Skandinavische Autoren treffen da das, was ich mir unter einem guten Krimi vorstelle, sehr passend. Beispielsweise Henning Mankells Wallander-Reihe oder auch Hakan Nesser und Arne Dahl gefallen mir gut. Mit Dahl hatte ich selber schon ein paar Lesungen. Das sind teilweise sehr abgefahrene Bücher, mitunter ziemlich blutig. Ich les ihn gerne, weil er spannend schreibt und eine psychologische Ebene drin hat, die mir manchmal das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Vor ein paar Jahren bin ich auf die Autorin Martha Grimes gestoßen. Die wird gerade mit der „Inspektor-Jury“-Reihe verfilmt. Da muss ich aber sagen, dass ich von den Verfilmungen total enttäuscht bin. In den Büchern werden schon auch britische Aristokraten durch den Kakao gezogen, aber eher subtil, und wenn es um den Fall geht, den oder die Toten, dann schreibt sie spannend, mitunter abgrundhaft über die düsteren Ebenen von Menschen. Davon finde ich in den Verfilmungen kaum etwas, oder gar nichts. Man merkt, wie sich jemand wohl gedacht hat ,Mensch, jetzt machen wir mal einen lustigen Krimi´ und das finde ich enttäuschend.

Sie lesen also privat auch gerne Krimis. Was liegt denn gerade auf ihrem Nachttisch?

(lacht) Einige Bücher mit neuen kriminellen Kurzgeschichten, weil ich bereits an weiteren Lesetouren arbeite.

Wie schafft man es bei einer Lesung, die Zuhörer bei Laune zu halten?

Ich weiß gar nicht, ob man das lernen kann oder ob das aus dem Bauch heraus kommen muss. Ich war früher schon immer der Klassenclown. Im Deutschunterricht musste ich meist vorlesen. Mein Lehrer fand es wohl gut, wie ich das Vorgelesene mit Leben gefüllt habe. Bei den Lesungen ist es jetzt aber nicht so, dass ich mit dem Vorsatz hingehe, dass ich die Leute zwingend unterhalten muss. Mein Anspruch ist es, dass ich das, was ich vorlese aus dem Bauch heraus mit Leben fülle.

Laut der Vorankündigung des Rosenhofs kann man sich auf originelle Körpersprache freuen.

(lacht) Bei mir leben die Charaktere auch mit Gesten. Ich mache alles im Sitzen am Tisch, da gibt es jetzt keine Performance. Aber manchmal geht es dann doch ein bisschen über das Lesen hinaus.

Freuen Sie sich auf Osnabrück?

Ich war vor gut anderthalb Jahren schon einmal hier und hatte einen tollen Abend. An der Stadt haben mir der Marktplatz und das Rathaus sehr gut gefallen. Ein paar Cafes. Das, was ich gesehen habe, war sehr schön, da freue ich mich drauf.

Sie sind vor allem aus einem Münsteraner Krimi bekannt. Osnabrück und Münster gelten ja nicht gerade als befreundete Städte – Glauben Sie, dass Sie trotzdem gut aufgenommen werden?

Der westfälische Frieden wurde ja in Münster und Osnabrück geschlossen. Wenn es also um wichtige Sachen geht, dann werden Niggeligkeiten beiseitegeschoben. Ich denke, dass meine Rolle und die Münsteraner Krimi-Reihe auch Fans in Osnabrück haben.


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