Wohnheimbau im Wissenschaftspark Studentenwerk Osnabrück plant Rückzieher vom Rückzieher

Von Sebastian Stricker

So stellt sich das Studentenwerk Osnabrück sein neues Albert-Einstein-Wohnheim im Wissenschaftspark vor. Foto: Architekturbüro Plan.ConceptSo stellt sich das Studentenwerk Osnabrück sein neues Albert-Einstein-Wohnheim im Wissenschaftspark vor. Foto: Architekturbüro Plan.Concept

Osnabrück. Das neue Wohnheim im Osnabrücker Wissenschaftspark wird jetzt offenbar doch vom Studentenwerk Osnabrück gebaut. Nach Recherchen unserer Redaktion plant es einen sofortigen Wiedereinstieg in das vor zwei Wochen urplötzlich für beendet erklärte Millionenprojekt.

Ende Februar war das Studentenwerk Osnabrück mit sofortiger Wirkung aus dem geplanten Wohnheimbau im Wissenschaftspark ausgestiegen – dabei hatte es die Einladungen zum ersten Spatenstich am 19. März längst verschickt. Als Gründe für das Aus führte der öffentlich-rechtliche Dienstleister, der in der Stadt mehr als 2000 Wohnplätze für Studenten vorhält, „konjunkturbedingte Preissteigerungen sowie unvorhersehbare Kosten“ an. Die mit der Osnabrücker Beteiligungs- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (OBG) vereinbarte Nettokaltmiete von 5,30 Euro pro Quadratmeter lasse sich bei dem Millionenprojekt an der Albert-Einstein-Straße nicht halten. Kostendeckend seien 6,48 Euro. Doch die OBG lehnte eine Abweichung vom Vertrag ab, woraufhin das Studentenwerk die Brocken zunächst hinwarf.

Rettungsversuche hinter den Kulissen

Voreilig, wie sich nun herausstellt. Denn nach Informationen unserer Redaktion wird derzeit hinter den Kulissen alles unternommen, um das Vorhaben zu retten.

Darauf deuten auch Äußerungen hin, die am Dienstagabend im Rat fielen. Beim Thema Studentenwerk und Wohnheimbau werde sich „in Kürze alles fügen“, sagte SPD-Fraktionschef Frank Henning, als es eigentlich darum ging, in Osnabrück über ein Auszubildendenwerk nachzudenken, das Lehrlinge aller Art beherbergen könne. Außerdem auffällig: Nacheinander beantragten die Fraktionen von CDU, SPD und UWG/Piraten im Fall Albert-Einstein-Wohnheim Akteneinsicht bei der Stadt.

Projektausstieg wäre das größere Übel

Auf Nachfrage legte Henning am Mittwoch nach: „Ich gehe davon aus, dass das Studentenwerk doch baut.“ Anscheinend sei bei Geschäftsführung und Verwaltungsrat in den Tagen nach dem Eklat die Erkenntnis gereift, dass angesichts immenser finanzieller Vorleistungen ein Komplettverzicht so kurz vor Baubeginn dem Osnabrücker Studentenwerk unter Umständen größeren wirtschaftlichen Schaden zufügen könnte als mögliche Einnahmeverluste wegen angeblicher Unterdeckung.

OBG-Chef Thomas Fillep rät dem Studentenwerk ebenfalls zum Rückzieher vom Rückzieher: „Es wäre sinnvoll, jetzt nicht abzubrechen“, sagte er unserer Redaktion am Mittwoch. Klar sei aber auch, dass die einmal getroffenen Vereinbarungen bestehen bleiben müssen. „Wir rücken kein Jota vom Vertrag ab.“ Andernfalls mache sich die OBG für die unterlegenen Bieter angreifbar. Dazu gehört in erster Linie das Osnabrücker Stephanswerk, welches bei der Ausschreibung 2016 nur knapp das Nachsehen hatte.

OBG-Sondersitzung am Montag

Für Montag, so heißt es aus anderer Quelle, sei wegen der aktuellen Entwicklungen beim Wohnheimbau im Wissenschaftspark eine Sondersitzung bei der OBG anberaumt. Dann solle auch das Studentenwerk erklären, wie es den Kontrakt einzuhalten gedenkt. Möglichkeiten, die Rentabilität des Objekts zu erhöhen, bieten sich dem Vernehmen nach vor allem durch einen abgespeckten Bau. So verschlinge im bisherigen Entwurf allein die Fassade über eine Million Euro.

„Es wäre sinnvoll, jetzt nicht abzubrechen“

Das Studentenwerk war am Mittwoch zu keiner Stellungnahme bereit.