Am Anfang war eine Idee Osnabrück: Schulmuseumsvater Jürgen Barth gibt Vorsitz ab

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Der Vorsitzende des Vereins Osnabrücker Schulmuseum, Jürgen Barth, gibt sein Amt ab. Am Freitag wird die Mitgliederversammlung seinen Nachfolger wählen. Foto: Michael GründelDer Vorsitzende des Vereins Osnabrücker Schulmuseum, Jürgen Barth, gibt sein Amt ab. Am Freitag wird die Mitgliederversammlung seinen Nachfolger wählen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Seine Pennälerzeit liegt einige Jahrzehnte zurück und auch die Zeiten als Lehrer und Dezernent hat Jürgen Barth schon lange hinter sich gelassen. Das Thema Schule aber ließ ihn nie wirklich los. Und so geht am Freitag ein weiterer Abschnitt in der lebenslangen Schulgeschichte des 80-Jährigen zu Ende: Barth gibt den Vorsitz im Osnabrücker Schulmuseumsverein ab.

Was das Thema Schule angeht, hat Jürgen Barth so manches erlebt. Erst Schüler, dann selber über viele Jahre Pädagoge in den unterschiedlichsten Funktionen von Grundschullehrer über Schulleiter bis hin zum Dezernenten in der Schulbehörde weiß Barth genau, wovon er spricht, wenn es um Schule geht. Die Bedeutung und Funktion von Lernen und Schule im gesellschaftlichen und historischen Kontext haben für den Pensionär nach wie vor eine herausragende Bedeutung.

Schreiben an das Kulturamt

Kaum verwunderlich also, dass in Barth 1994 die Idee von der Gründung eines Osnabrücker Schulmuseums aufkeimte. In einem Schreiben an das Kulturamt der Stadt regt er seinerzeit an, schulgeschichtliche Exponate in einem Osnabrücker Schulmuseum zusammenzufassen und es gegebenenfalls dem kulturhistorischen Museum zuzuordnen. Aus diesen anfänglichen Überlegungen heraus entsteht dann 1997 der Verein, dessen Vorsitzender Jürgen Barth wird.

Wie Heinz Rühmann in der Feuerzangenbowle

Fünf Jahre vergehen bis der Verein in der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Schule an der Rolandsmauer die ersten eigenen Räume beziehen kann. Auch die Geschichtswerkstatt Schule wird gegründet. 2005 hält mit der Fertigstellung eines historischen Klassenzimmers dann auch lebendige Museumspädagogik Einzug an der Rolandsmauer 2. Seitdem haben etwa 6000 Besucher auf den alten Bänken Platz genommen. So manch einer mag sich in dem engen Gestühl gefühlt haben wie Heinz Rühmann in der Feuerzangenbowle, umgeben von historischen Exponaten, anhand derer die Pädagogen in den ersten Dekaden des vergangenen Jahrhunderts ihren Schülern schulisches Wissen vermittelten.

Tief schmerzende Verluste

„Ein neuer Vorstand bedeutet auch neue Perspektiven“, sieht Barth den Schulmuseumsverein für die Zukunft gut aufgestellt. Und das obwohl der aus etwa 40 Mitgliedern bestehende Verein im vergangenen Jahr mit dem Tod der beiden Vorstandsmitglieder Dieter Reimann und Hans-Georg Freund tief schmerzende Verluste hinnehmen musste.

Nachwuchs ist überschaubar

Sorge bereitet Barth denn auch die „Alterspyramide“. Seine Mitstreiter haben in der Regel die Ruhestandsgrenze weit hinter sich gelassen, der Nachwuchs ist überschaubar. Gleichzeitig ist sich der Museumsvater aber sicher, dass auch seine Nachfolger alles daran setzen werden, das Schulmuseum weiter in der „Mitte der Stadt“ zu halten und seine Bedeutung weiter auszubauen.

Kleinod Osnabrücker Schulhistorie

Und das obwohl die räumliche Situation mittlerweile sehr zu wünschen übrig lässt. Barth erinnert an die etwa 35.000 historischen Schulbücher, die derzeit in einem Magazin im Keller der Backhausschule untergebracht sind. Zusätzliches Ungemach droht durch die Bestrebungen der Stadt, eine Schulneugründung aus der Schule an der Rolandsmauer, der Hauptschule Innenstadt und der Möser-Realschule zu initiieren – inklusive der notwendigen Um- oder auch Neubauarbeiten. Das könnte die Räume des Schulmuseums zur Disposition stellen, wobei Politik und Verwaltung gut beraten wären, das Kleinod Osnabrücker Schulhistorie liebevoll zu behandeln und ihm bei allen Planungen ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit zu schenken.


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