Jetzt sollen Jüngere ran Kirchenwahl: Klaus Havliza (69) hört nach 18 Jahren auf

Von Martina Schwager

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Klaus Havliza ist im Ehrenamt für 400 Beschäftigte im Kirchenkreis Osnabrück zuständig. Foto: LewandowskiKlaus Havliza ist im Ehrenamt für 400 Beschäftigte im Kirchenkreis Osnabrück zuständig. Foto: Lewandowski

Osnabrück. Immer weniger Menschen wollen sich langfristig an ein Ehrenamt binden. Klaus Havliza hat genau das in seiner Kirchengemeinde gemacht und ist seit 18 Jahren Kirchenvorsteher – so erfolgreich, dass sie ihn am liebsten gar nicht gehen lassen würden.

Wie immer leger gekleidet in Jeans und Baumwoll-Sakko, durchschreitet Klaus Havliza „seinen“ Kindergarten in der evangelischen Andreasgemeinde in Wallenhorst. Lächelnd und zugewandt begrüßt der Kirchenvorstandsvorsitzende die Erzieherinnen und Kinder. Einem in der Ecke hockenden Jungen mit Schlafzimmerblick ruft er zu: „Na, du bist aber noch ganz schön müde.“ Der Angesprochene reißt die Augen auf und schüttelt den Kopf. Havliza lacht.

In der Einrichtung mitten in einer Neubausiedlung der 90er-Jahre fühlt der 69-Jährige sich richtig wohl. Vor gut 18 Jahren hat dort seine Ehrenamts-Karriere begonnen. Mittlerweile gehört Havliza zu den engagiertesten Kirchenvorstehern im Kirchenkreis Osnabrück. Er avancierte im Laufe der Zeit zum Verantwortlichen für 20 Kindertagesstätten. Zudem ist er stellvertretender Vorsitzender des Kirchenkreisvorstands und weiterer kirchlicher Gremien: „Dabei war ich am Anfang eigentlich nur zweite Wahl“, erzählt er mit einem verschmitzten Lachen.

Zuerst sei nämlich damals seine Frau gefragt worden, ob sie für den Kirchenvorstand kandidieren wolle. „Aber die ist katholisch“, sagt Havliza. Sohn Lukas war gerade im letzten Kindergartenjahr. Also sprang der Papa in die Bresche. Drei Amtsperioden zu je sechs Jahren hat der pensionierte Richter nun hinter sich. Das soll genügen. Am 11. März wird er sich nicht erneut zur Wahl stellen. Die Arbeit habe ihm viel Freude bereitet. „Aber jetzt sollen da mal Jüngere ihre Idee einbringen.“

Die Mitarbeiterinnen des Kindergartens lassen ihn nur schweren Herzens gehen. „Er war immer ansprechbar für uns, hat uns in Konflikten beraten und auch seine Wertschätzung zum Ausdruck gebracht“, schwärmt Leiterin Britta Finke. Er habe zum Beispiel damit begonnen, zu Weihnachten immer allen Erzieherinnen eine Rose zu schenken. „Es ist so leicht, Menschen eine Freude zu machen. Warum sollen wir es dann nicht tun?“, sagt Havliza.

Zu Anfang habe er überhaupt nicht gewusst, was von ihm im Kirchenvorstand erwartet wurde, erzählt Havliza. Doch durch die Kolleginnen und Kollegen und Pastor Hans-Georg Meyer-ten Thoren war er schnell mittendrin. „Nachdem ich ihnen den kleinen Finger gereicht hatte, haben sie gleich meine ganze Hand genommen“, sagt er lachend. Bei den monatlichen Sitzungen ging es um Finanzen, Bauunterhaltung, den Kindergarten, Gottesdienstordnungen oder Gemeindefeste. „Er war ein großer Schatz für uns“, sagt Meyer-ten Thoren, heute Superintendent im benachbarten Kirchenkreis: „Weil er so besonnen und ausgleichend ist und eine hohe soziale Kompetenz hat.“

Gereizt habe ihn bei der Arbeit immer, dass die evangelische Kirche den Ehrenamtlichen so viel Verantwortung zutraue. „Und die wollen wir uns auch nicht nehmen lassen.“ So sei etwa der Kindergartenausschuss des Kirchenkreises für rund 400 Beschäftigte zuständig, erläutert Havliza. Ein Kirchenvorstand bestimme zum Beispiel, wer als Pastor oder Pastorin neu eingestellt werde.

Dabei war der KV-Vorsitzende sich auch für einfache Dienste nie zu schade, wie Stühle schleppen oder Geschirr spülen. Mit Hingabe hat er bei Gemeindefesten Würstchen gegrillt. „Dafür haben sie mir vor einigen Jahren sogar eine goldene Bratwurst verliehen.“

Havliza findet, mit fast 70 sei ein guter Zeitpunkt, aus dem Kirchenvorstand und auch der Arbeit im Kirchenkreis auszusteigen. Es sei besser, der ein oder andere weine ihm eine Träne nach, „als wenn sich irgendwann alle hinter vorgehaltener Hand über den langweiligen Erzählopa mokieren“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN