„Ganz normal anders“ Gee Vero spricht in Osnabrück über Autismus

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Die Künstlerin Gee Vero „macht ihr Ding“ und klärt über Autismus auf – am Samstag, 10. März, in der Osnabrück-Halle. Foto: Norbert DrogiesDie Künstlerin Gee Vero „macht ihr Ding“ und klärt über Autismus auf – am Samstag, 10. März, in der Osnabrück-Halle. Foto: Norbert Drogies

Osnabrück. Die Künstlerin und Autorin Gee Vero kommt am Samstag, 10. März, mit ihrem Programm: „Autismus – Ganz normal anders“ in die Osnabrück-Halle. Sie malt, zeichnet und schreibt. Und das aus einer besonderen Perspektive.

„Ich habe das Asperger-Syndrom und dadurch eine besondere Wahrnehmung auf die Welt“, sagt Gee Vero. „Da Wahrnehmung subjektiv ist, hat jeder von uns seine eigene Wahrnehmung. Wir sind also alle anders. Wenn wir alle anders sind, dann ist anders zu sein die Norm – und Autismus eine Variante dieser Norm“, fügt sie hinzu. Autismus sei keine Krankheit, keine Störung und auch kein Widerspruch. Man habe einfach andere Verhaltensweisen und ein anderes Modell der Welt im Kopf. „Dass ich anders denke, das sieht man mir nicht an, man merkt es nur, ich habe zum Beispiel Schwierigkeiten in der Kommunikation mit anderen Menschen“, so die 48-Jährige.

Die Kunst als Sprache

Gee Vero lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in der Nähe von Leipzig. Sie studierte nach dem Abitur Anglistik, lebte zwischenzeitlich in London, arbeitete in der Autismusambulanz Leipzig und ist seit sieben Jahren auch künstlerisch tätig. Ein erfülltes Leben, aber nicht ohne Schwierigkeiten: „In der zwischenmenschlichen Kommunikation kommt es zwischen Autisten und Nicht-Autisten häufig zu Missverständnissen“, sagt sie. Um diese zu überbrücken, nutzt Vero die Kunst als Sprache: Mit ihrem Kunst-Projekt „The Art of Inclusion“ möchte sie die verschiedenen Sichtweisen von Menschen mit und ohne Autismus aufzeigen. Sie malt dabei ein unvollendetes Porträt über eine Persönlichkeit, zum Beispiel aus Politik, Wissenschaft oder Kultur. Sie malte unter anderem Angela Merkel, Roger Willemsen, Jogi Löw und Udo Lindenberg. Das Besondere: Auf ihren Werken ist nur eine Gesichtshälfte zu sehen. Diese Bilder verschickt Vero an ihre Portraitierten – sie sollen die fehlenden Gesichtshälften nach ihren eigenen Vorstellungen weiter gestalten. Innerhalb von rund vier Jahren seien so bisher rund 100 Porträts entstanden, die zeigen sollen, wie verschieden die Wahrnehmungen sein können. „Was im Alltag als Autist hinderlich ist, kann in der Kunst ein enormer Vorteil sein. Ich bin ein Selbst ohne Ich-Maske und genau das ermöglicht es mir mich voll und ganz auf meine Kreativität einzulassen. “

Aufklärung leisten

Neben den künstlerischen Projekten hält Vero seit dem Jahr 2011 Vorträge. Dabei spricht sie über ihr Leben, den Autismus ihres Sohnes und möchte Menschen mit und ohne Autismus einander näherbringen.„Mein zwölfjähriger Sohn Elijah ist ständig auf Hilfe anderer angewiesen, er ist, im Gegensatz zu mir, frühkindlicher Autist“, beschreibt sie. Erst durch ihn habe sie mit 37 Jahren erkannt, dass sie Autistin ist. Vorher sei das Leben, das „Anderssein“, sehr kompliziert gewesen. So auch bei ihrem Sohn: „Elijah fällt immer durch sein Verhalten auf.“ Viele Menschen würden das falsch verstehen. „Sie denken, er ist ein sehr ungezogenes Kind. Was wirklich los ist, können sie ja nicht wissen.“ Darüber möchte Gee Vero aufklären. Sie spricht am Samstag von 14 bis 16 Uhr auf Einladung der Osnabrücker Autorin („Aut ist in“) Heike Drogies sowie den Autismus-Therapie-Zentren Osnabrück und Bersenbrück in der Osnabrück-Halle darüber, was Autismus bedeutet. „Meine Erfahrung als Referentin hat gezeigt, dass diejenigen meinen Vortrag interessant finden, die sich mit Autismus auseinandersetzen möchten. Er ist geeignet für Menschen, die autistische Mitmenschen verstehen möchten. Da Autismus ein zutiefst menschliches Verhalten ist, geht es in meinem Vortrag eigentlich um uns alle, egal ob unsere Wahrnehmung nun einen eigenen Namen hat oder nicht.“


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