Landkreis Osnabrück: Monika Schulte Weltfrauentag: Das sagt die Gleichstellungsbeauftragte zur #MeToo-Debatte

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Für mehr Frauen in der Politik: Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Monika Schulte. Foto: Jörn MartensFür mehr Frauen in der Politik: Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Monika Schulte. Foto: Jörn Martens 

Osnabrück. Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Monika Schulte, sagt zum heutigen Internationalen Frauentag, was sie von der #MeToo-Debatte hält, welche Rolle häusliche Gewalt in der Region spielt und was sie von einer Landrätin im Kreis Osnabrück halten würde.

Unter dem Hashtag #MeToo ist eine Debatte über Sexismus und Machtmissbrauch losgebrochen. In welchen Bereichen erleben Sie in Ihrer Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte Sexismus und Machtmissbrauch oder eine Macho-Gesellschaft? Ich habe dadurch nicht mehr Anfragen verzeichnet, aber es bewahrheitet sich jetzt, was Beratungsstellen, Studien und wir Gleichstellungsbeauftragte schon immer gesagt haben: Es können alle Bevölkerungsgruppen davon betroffen sein. Gut ist, dass sich immer mehr Menschen mit der Thematik auseinandersetzen und überlegen, wo die eigenen Grenzen sind. Die Problematik wird jetzt tatsächlich eher gesehen, was früher vielleicht eher noch als Kavaliersdelikt eingestuft wurde, wird dadurch heute gesellschaftlich vielleicht schon eher als Übergriff wahrgenommen. Allein dadurch hat diese Debatte schon einen positiven Effekt.

In welchen Zusammenhängen und in welchen Bereichen haben Sie erlebt, dass sich Frauen wegen Sexismus, Gewalterfahrungen oder Machtmissbrauch an Sie als Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises gewandt haben? Es kommen Frauen zu mir oder zu meinen Kolleginnen, die von häuslicher Gewalt berichten. Es geht dann zum Beispiel darum, dass sie um ihr Kind zu schützen, die Wohnung spontan verlassen und Hilfe suchen müssen. Ich schaue dann, inwiefern es möglich ist, diese Frau mit ihren Kindern in dem einzigen Frauenhaus des Landkreises in Bersenbrück unterzubringen. Es stellt sich zunächst immer die Frage, ob ein Platz frei ist, weil das Frauenhaus dort immer sehr gut belegt ist. Andernfalls wissen die Ansprechpartnerinnen dort aber auch, an welches Frauenhaus im Umkreis die Familie sich wenden kann.

Das Frauenhaus Osnabrück muss ständig Frauen abweisen, weil es voll ist. Haben Sie den Eindruck, dass es im Landkreis ähnlich ist? Ist ein Frauenhaus für den gesamten Kreis zu wenig? In dem Frauenhaus in Bersenbrück sind ad hoc nicht immer Plätze frei, sodass es sein kann, dass in Frauenhäusern im Umkreis ein Platz gesucht werden muss. Das kann aber manchmal auch hilfreich sein, damit ein gewisser räumlicher Abstand zum Heimatort besteht. Ob die Plätze in dem Frauenhaus in Bersenbrück ausreichend für den gesamten Landkreis sind, kann ich jetzt nicht sagen. Ich kann nur sagen, dass es auch landesweit zu wenige Plätze in den Frauenhäusern gibt.

Haben Sie den Eindruck, dass es zu wenige Plätze im Frauenhaus Bersenbrück gibt? Ob dort akut ein Platzmangel besteht, kann ich nicht sagen.

Welche Rolle spielt häusliche Gewalt heutzutage? Nimmt Sie nach Ihrer Wahrnehmung zu? In 2016 gab es im Landkreis 554 Fälle von häuslicher Gewalt und in der Stadt Osnabrück 532 Fälle. Mehr als 1000 Fälle von häuslicher Gewalt pro Jahr in Stadt und Landkreis sind schon eine beachtliche Zahl. Es sind insgesamt mehr Fälle, mit denen die BISS-Beratungsstellen und die Polizei zu tun haben. Das kann aber auch daran liegen, dass häusliche Gewalt mehr angezeigt wird, weil das Thema in der Öffentlichkeit präsenter ist.

Was konnten Sie in Ihren dreieinhalb Jahren als Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises in diesem Zusammenhang bewegen? Ich nehme an den Terminkonferenzen der Polizei „Hochrisikofälle häuslicher Gewalt“ teil und stelle mein Know-how zur Verfügung. Mit Beratungsstellen, Polizei und den Gleichstellungsbeauftragten führen wir regelmäßig Veranstaltungen zum Thema durch und ich vernetze sämtliche Veranstaltungen rund um den Gedenktag gegen Gewalt am 25. November.

Haben Sie den Eindruck, dass das Prostituiertenschutzgesetz langsam greift? Bislang wird es nicht so angenommen, wie es von der Gesetzgebung gewünscht wird. Es bleibt die Frage, ob sich tatsächlich auch alle Frauen melden werden oder ob da nicht noch eine hohe Dunkelziffer bleiben wird.

Sind Sie gegen sexistische Werbung im Landkreis vorgegangen?

Wenn ich auf sexistische Werbung hingewiesen werde, gehe ich mit den Firmen ins Gespräch. Ich habe das bislang in vier oder fünf Fällen erlebt. Die Werbung wurde dann entweder zurückgezogen oder geändert. Ich bin hier jedes Mal auf offene Menschen gestoßen, die ihre Werbestrategie neu überdenken.

Bedarf es eines anderen Umgangs zwischen Männern und Frauen? Es ist wichtig, dass die Menschen die Rechte der Mitmenschen achten und das eigene Verhalten so ausrichten, dass niemand zu Schaden kommt oder benachteiligt wird. Es bedarf einer gewissen Zivilcourage, um sich gegen übergriffiges Verhalten einzusetzen und dieses auch zu ächten.

Sehen Sie #MeToo als moralisierende Massenhysterie oder sinnvollen Impuls? Es ist ein wichtiger Impuls, weil nun diskutiert wird, was jahrzehntelang totgeschwiegen und ignoriert wurde. Es ist gut, dass die Öffentlichkeit sich nun mit dem Thema auseinandersetzt und sich eine eigene Meinung dazu bildet, was übergriffig ist und wo dafür die Grenze gesetzt wird. Darüber hinaus ärgert es mich, wenn #MeToo missbraucht wird, um auf andere Themen aufmerksam zu machen.

In der Manchester Art Gallery ist ein Gemälde im Zuge der internationalen Debatte um sexuelle Belästigung entfernt worden. Führt es zu weit, „verdächtige Kunst“ zu entfernen? Das hängt vom Einzelfall ab.

Vor 100 Jahren wurde das Wahlrecht auch für Frauen eingeführt. Wie wichtig ist das Jahr 1918 für Sie? 100 Jahre Frauenwahlrecht ist Thema des heutigen internationalen Frauentags. Das zeigt, wie wichtig das Thema für mich ist. An dem Tag wird es drei verschiedene Veranstaltungen geben. Morgens verteilen wir lila Tulpen an die Bevölkerung. Da Osnabrück und Bad Iburg nun zu den niedersächsischen Frauenorten zählen, werden wir heute in Osnabrück und im April in Bad Iburg auch eine Tafel zum Frauenort enthüllen. Zudem werden wir heute Abend unsere Veranstaltung mit mehr als 200 Frauen im Kreishaus haben.

Was wünschen Sie sich zum heutigen Internationalen Frauentag?

Ich wünsche mir bei den Veranstaltungen zum Frauentag gute Gespräche und einen guten Austausch zum Jubiläum 100 Jahre Frauenwahlrecht. Ich würde mich zudem freuen, wenn wir mehr Frauen in der Politik hätten. Sie tragen mit ihrer Sichtweise auf die Dinge zu wichtigen Entwicklungen bei und vertreten die Anliegen und Belange von über 50 Prozent unserer Gesellschaft.

Würden Sie sich aus diesem Grund auch gerne eine Osnabrücker Landrätin wünschen?

Grundsätzlich wünsche ich mir natürlich, dass auf Vorstandsebene auch Frauen zu finden sind. Das gilt für alle Führungsbereiche, denn da haben wir noch Nachholbedarf.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN